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Praxisgebühr abschaffen!

Dienstag, 19.Mai 2009 von

Aktuell, Arbeit & Soziales

In den letzten Tagen haben die VertreterInnen der deutschen ÄrztInnen umstrittene Vorschläge für das Gesundheitswesen unterbreitet. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Leonhard Hansen, forderte, für jeden Arztbesuch eine Praxisgebühr zu verlangen. Begründung: Den PatientInnen fehle das Gefühl dafür, dass sie Kosten verursachten. Deshalb sei eine Gebühr von 5 bis 10 Euro pro Praxisbesuch angemessen. Für eine Überweisung zum Facharzt sollten dann noch einmal bis zu 25 Euro anfallen. Der Präsident der Deutschen Ärzteschaft, Jörg-Dietrich Hoppe, schlug unterdessen vor, eine Rangliste für Gesundheitsleistungen zu erstellen. Schwere Krankheiten würden dann vor nicht so schweren behandelt. Wie genau das funktionieren soll, hat Jörg-Dietrich Hoppe dagegen nicht erklärt, jedoch zugegeben, dass damit eine offene Rationierung der Gesundheitsleistungen erfolgen würde.

Die angestoßenen Debatten sind hingegen nicht neu. Immer wieder versuchen VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und eben auch Medizin ihre Sichtweise öffentlich zu machen. Auf der einen Seite gehen sie dabei von einer Überversorgung aus. Die Logik: Da es nach einmaliger Zahlung der Praxisgebühr nichts kostet, gehen die Menschen oftmals unnötig zu ihren ÄrztInnen. Gleichzeitig führen die Akteure eine Unterfinanzierung des Gesundheitswesens an und fordern Leistungsrationierung ein. Das schürt auf jeden Fall Sorgen bei den PatientInnen.

Die Annahmen jedoch sind in beiden Fällen falsch. Praxisgebühr und Zuzahlungen führen nicht dazu, dass unnötige medizinische Leistungen verringert werden. Vielmehr halten sie akut kranke Menschen davon ab, eine notwendige Behandlung zu erhalten. Deshalb darf es in einem gerechten Gesundheitssystem keine Hemmschwellen für die Inanspruchnahme notwendiger Gesundheitsleistungen geben. Die Praxisgebühr muss deshalb nicht erhöht, sondern einfach abgeschafft werden. Zweitens darf eine Unterfinanzierung des Gesundheitssystems ebenfalls nicht dazu führen, dass erforderliche Leistungen nicht erbracht oder zurückgestellt werden. Stattdessen muss das Gesundheitswesen stets so finanziert werden, dass eine 100prozentige Deckung des vorhandenen Bedarfs erfolgen kann. Das ist der Kern einer gerechten Gesundheitspolitik.

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Ein Kommentar

  1. Andy sagt:

    Ich bin ja der festen Überzeugung, daß genug Geld im Gesundheitswesen vorhanden wäre, wenn man die Kassenärztliche Vereinigung endlich mal abschaffen würde, und die Ärzte dieser Republik direkt mit den Krankenversicherungen abrechnen könnten – ohne zwischengelagerte Instanz der bürokratischen Selbstverwaltung…

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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