Abonnieren: Artikel / Kommentare / via E-mail

Fragwürdige Rituale

Freitag, 10.Juli 2009 von

Aktuell, Antifa

Erstmals seit dem Ende des 2. Weltkriegs wurden in Deutschland wieder militärische Orden für besondere Tapferkeit verliehen. Angela Merkel und Franz Joseph Jung überreichten am Montag vier Fallschirmjägern für Ihren Einsatz bei einem Anschlag in Afghanistan das „Ehrenzeichen der Bundeswehr für Tapferkeit“. Eine durchaus fragwürdige Geste mit zweifelhafter Symbolik.

Kein Krieg nirgends

Trotz der (Wieder)Einführung der Tapferkeitsorden und der jüngsten Bewilligung der Awacs- Raketen in Afghanistan durch den deutschen Bundestag, weigert sich Verteidigungsminister Jung von einem „Kriegseinsatz“ zu sprechen. Weder das Wort „Krieg“ noch das Wort „Kampf“ wurde bei der Verleihung des Ordens in den Mund genommen. Der völkerrechtliche Grad auf dem sich Deutschland mit dem Afghanistan Einsatz bewegt, wird indessen immer schmaler. Kuschel-Rhetorik kann die Lage nicht verschönen!

Militärische Tradition

Seit dem 2. Weltkrieg hat Deutschland bewusst auf einen Tapferkeitsorden verzichtet. Zurecht! Deutschlands militärische und politische Vergangenheit macht eine solche Glorifizierung und Verherrlichung des Soldatentums unmöglich. Doch der Wehrbeauftragte des Bundestages sieht keine Anknüpfung an die zweifelhafte Heldenehrung. Das Tapferkeitskreuz sei „positiver Patriotismus“ und kein Heldenkult. Die Grenzen sind hier gefährlich fließend. Positiver Patriotismus – nein Danke!

Einsatz ohne Rückhalt

Den Afghanistan Einsatz lehnt eine große Zahl der Bevölkerung in Deutschland ab, sagen die neusten Zahlen. Die Einführung neuer Orden ändert dies nicht. Auch die Lage der Soldaten in Afghanistan wird so nicht verbessert. Sie sind in einem riskanten Einsatz, dessen völkerrechtliche Legitimation zweifelhaft ist. Und dessen Folgen noch lange nicht abzusehen sind. Zu hoffen ist nur, dass die internationale Staatengemeinschaft und Deutschland in Zukunft umsichtiger mit internationalen Rechtsgrundsätzen umgeht. Krieg ist keine Lösung, kein Mittel: keine Option.

TRAUER

Tags: ,

7 Kommentare

  1. Wenn man schon einen solchen Text verfasst, sollte dieser wenigstens korrekte Informationen enthalten!
    “Awacs-Raketen” – Airborne Early Warning and Control System (Abk… Mehr lesenürzung: AWACS) ist ein Flugzeug-gestütztes Radarsystem, das zur Luftraumaufklärung und als Einsatzleitzentrale eingesetzt wird – hat also mit Raketen rein gar nichts zu tun. “Krieg ist keine Lösung, kein Mittel: keine Option.” – solche Sätze klingen vielleicht schön, aber wie wäre es denn dann mal mit einem konkreten Lösungsvorschlag? Es hört sich für mich einfach zu arg nach dem “Bundeswehr raus aus Afghanistan!” der Linkspartei an.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. Michael sagt:

    Man sollte vielleicht auch erwähnen für was die Männer den Orden bekommen haben. Nämlich dafür, dass sie ihr Leben für Kinder riskiert haben! Wieso sollen sie dafür keine Anerkennung bekommen?

    Im übrigen ist der Einsatz in Afghanistan völkerrechtlich völlig unproblematisch, er hat die Zustimmung vom UNO-Sicherheitsrat.

    Was ist den die Alternative zum Einsatz von Sicherungstruppen in Afghanistan? Die Taliban machen lassen was sie wollen? Wie naiv ist das eigentlich. Mal ganz abgesehen davon, dass eine Schande wäre die dortige Bevölkerung wieder den Taliban zu überlassen, ihr glaubt doch nicht im Ernst die werden uns dafür in Ruhe lassen. Die werden dort in aller Seelenruhe neue Terroranschläge gegen den Westen planen.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. Stefan sagt:

    Hallo erstmal.

    Grundlegend muss ich sagen das ich mit dem Einsatz in Afghanistan teilweise einverstanden bin, jedoch mit der Art und Weise wie dieser medial und politisch dargestellt wird nicht. In meinen Augen kann keine kriegerisch-angehauchten Orden im Frieden verleihen, andernfalls hätte man z.B. nach der Oder-Katastrophe nen ganzen Haufen davon rumschicken müssen, und zwar nicht nur ans Militär sondern auch an sgn. humanitäre Hilfeinrichtungen wie z.B. THW usw.
    Mit der Medialen darstellung des Einsatzes habe ich in sofern ein kleines Problem weil immer nur aus sicht der Medien tolle Ereignisse dargestellt werden. Toll aus Sicht der Medien ist es z.B. wenn sie wieder über einen Anschalg berichten können da man die Hoffnung hegt das sowas die Einschaltquoten steigert(seien wir realistisch –> sex und gewalt sind die quotenschlager schlechthin im Fernsehn). Von der eigentlichen Problematik des Einsatzes, das man versucht einer Kultur mit anderen Werten, Ansichten, Umgangsarten usw. mit unseren Werten, Ansichten, Umgangsarten usw. zu Helfen sieht kaum einer. Ist eigentlich jemandem klar wie lange dort unten nun schon ein derartiges Chaos herscht und wer es verursacht hat? Auch wenn es vorher dort unten nicht wirklich toll war, aber einen Gewinn für die Zivilbevölkerung haben wir bisher nicht wirklich erreicht, und zwar auf keinem der so hoch gepriesenen Gebiete.

    Nun zum Orden:
    Ich vertrete die Meinung das ein Militärischer Verdienstorden nur im kriegsfall vergeben werden kann. Kriege erfordern nicht viel:
    1. Es müssen mindestens 2 Parteien existiern
    2. Beide müssen Waffen haben und mindestens eine muss gewillt sein diese einzusetze
    3. Es muss ein Konflikt gegeben sein

    Alle drei Punkte sind Erfüllt. Die Parteien sind u.A. Die Bundeswehr und die Taliban. Was den Waffeneinsatz angeht, nun ja. Ich denke mal die Taliban haben kein moralisches Problem damit nen paar Ihrer Anhänger in den Tod zu schicken, bewiesen haben sie es oft genug. Über den Konflikt brauche ich nichts zu sagen, da verweise ich auf den obigen Absatz.

    Das die Regierung den Einsatz nicht als Kriegseinsatz anerkennen will kann ich verstehen, da man dies der Bevölkerung noch schlechter verkaufen könnte als dies so schon möglich ist.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. Yvonne sagt:

    Lieber Simon,

    auch wenn es sich nur um ein Raktenabwehrsystem handelt, so ist es dennoch Bestandteil einer militärischen Aktion. Und diese militärische Aktion steht völkerrechtlich gesehen nun einmal auf wackligem Fuss. Das kannst Du drehen, wie Du willst. Das ist Faktum. Ob völkerrechtlich legitimiert oder nicht, hilft natürlich den dort stationieren Bundeswehangehörigen wenig. Sie sind mit ganz anderen alltäglichen Problemen konfrontiert. Das ist aber auch eine völlig andere Debatte.

    Bezüglich des neu entstandenen Ordenhypes: diese Tapferkeitsmedaille soll NUR in AUSNAHMEFällen an zivile Personen verliehen werden. Und damit habe ich mehr als Bauschmerzen. Denn ob ich nun ein Soldat oder ein ziviler Aufbauhelfer bin, die Raketen, die tasächlich jeden Tag in Afghanistan hoch gehen können, unterscheiden hier definitiv nicht. Und all jenen die dort unten stationiert waren und sind, würde eine zeitnahe und echte Unterstützung zur “Wiedereingliederung” in ein normales Leben sicherlich mehr helfen, als irgendein metallschepperndes Ding um den Hals.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  5. Sebastian Watermeier sagt:

    Liebe Yvonne,

    AWACS ist auch kein Raketenabwehrsystem. AWACS ist, wie Simon schon schrieb, ein fliegendes Radarsystem zur Luftraumüberwachung. Man kann die Berechtigung des Einsatzes dieses zur Führung von Flugzeugen und Bodentruppen einsetzbaren Aufklärungssystem natürlich diskutieren, man sollte dann aber schon, wie bei jeder anderen politischen Frage auch, zumindest die tatsächlichen Umstände des Einsatzes benennen. Und damit haben Raketen nunmal nichts zutun, weil AWACS kein Waffensystem ist, weder zur Abwehr noch zum Angriff. Und diesen Eindruck sollte man dann auch nicht erwecken, wenn man darüber diskutiert.
    Ob man Tapferkeitsmedaillen auch an Zivilisten verleihen möchte, kann ja diskutiert werden. Ich kann erstmal verstehen, dass die deutsche Bundeswehr die Verleihung dieser Auszeichnun erstmal an ihre Angehörigen, in Ausnahmefällen auch an Nichtbundeswehrangehörige vorsieht. Wer zivile Auszeichnungen möchte, kann diese ja weiterhin anregen. Ich sehe da aber auch nicht das Problem eines Entweder-Oder. Letztlich kosten so Medaillen fast nichts, man kann da also stiften was man will.
    Was ich viel ärger finde als irgendwelche Auszeichnungen ist, dass hinter der Diskussion um diese der eigentliche Einsatz mal wieder in den Hintergrund tritt. Wer mal mit Soldatinnen und Soldaten gesprochen hat, die für die Bundeswehr im Ausland waren, der bekommt doch einen guten Eindruck davon dass diese Frauen und Männer eher weniger an Medaillen interessiert sind und sehr viel mehr daran, dass die Öffenlichkeit sich für ihren Einsatz interessiert und sie politisch und materiell bei der Erfüllung ihrer Dienstpflichten vernünftig unterstützt werden. Und darin liegt leider auch der Knackpunkt bei Afghanistan.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  6. NeueWelt sagt:

    Was für ein komischer Satz:

    Positiver Patriotismus – nein Danke!

    Wer sein Land nicht LIEBT kann ihm auch nicht DIENEN!
    Kann ein Mitarbeiter der seine Firma hasst gute Arbeit für die Firma liefern? Nein, genauso ist das auch mit Deutschland. Wer nicht zu seinem Land steht braucht es auch nicht regieren zu wollen. Außerdem wenn man Helden hat warum soll man sie nicht ehren, wie sie es verdient haben???
    Es geht hier ja nicht um Kriegshelden und dergeleichen sondern um tapfere Bundeswehrsoladaten die im gefährlichen Moment ihr eigenes Leben für andere riskiert haben. Wenn das nicht anerkenneswert ist was wäre dann anerkenneswert? Die lachhaften Wort das Krieg keine Lösung kein Mittelund keine Option ist? Wer für den Abzug der Bundeswehr aus Afganistan ist, ist ein schändlicher Mörder der zulässt das die Taliban das Land brutal unterjochen und alle andersdenkenden(auch handelnden) gefoltert und umgebracht werden. Aber der Verfasser des Artikels kann ja nach Afganistan gehen und die Taliban sagen das Gewalt keine Lösung ist LOL selten so einen Sinnlosen und inhaltlich undurchführbaren Artikel gelesen!!!

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  7. 21ate sagt:

    Die Rückkehr zur Scheckbuchpolitik würde die Staatskassen in Zeiten der Weltwirtschaftskrise überfordern. Wie stellen sich die Jusos die Alternative zur deutschen Afghanistan-Politik vor? Vielleicht wäre ein Autor in der Lage sich zu äussern?

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Aktiv werden. Jetzt! Juso-Template downloaden und selbst bloggen!
Afghanistan Arbeit Armut Atomausstieg Atomenergie Ausbildung Bildung Bildungsstreik Bundestagswahl CDU CSU Demokratie Dresden Dresden-Nazifrei EU Europa FDP Finanzmärkte Finanztransaktionssteuer Frauen Freiheit Frieden Gegen Rechts Gerechtigkeit Gleichstellung Hartz IV Hochschule Hochschulpolitik Krise Merkel Nazis Netzpolitik Parteitag Protest Regierungsprogramm Schwarz Gelb Sozialpolitik SPD SPD erneuern Steinmeier Steuern Studiengebühren Umverteilung Wahlkampf Wirtschaft
Neueste Flickr Fotos

Polls

Ratingagenturen verbieten?

View Results

Loading ... Loading ...