Fragwürdiges Gedenken
Montag, 20.Juli 2009 von Martin Margraf
Heute jährt sich das Attentat auf Adolf Hitler in der Wolfsschanze zum 65. Mal. Claus Schenk Graf von Stauffenberg deponierte seine Aktentasche samt Bombe unter dem Besprechungstisch des Führerhauptquartiers. Der Detonation entkam der Diktator jedoch mit nur leichten Verletzungen. Geplant war ein Putsch, der zur Umgestaltung der politischen Ordnung Deutschlands, unter Führung von Wehrmachtsverbänden, beitragen sollte.
Welche Folgen ein Ableben Hitlers gehabt hätte, bleibt aus heutiger Sicht sicher Spekulation. Ohne Zweifel wäre der Tod eines der größten, wenn nicht sogar des größten Verbrechers des letzten Jahrtausends, eines Massenmörders und Menschenfeindes, ein Höhepunkt im Laufe des antifaschistischen Widerstandes gewesen. Als versuchte Entmachtung des NS-Regimes wird dem Attentat und dem versuchten Staatsstreich vom 20. Juli 1944 heute als einem der stärksten Äußerungen des Widerstands von Deutschen gegen das Regime Adolf Hitlers in der Zeit des Nationalsozialismus gedacht. Straßen werden nach denen benannt, die an der Planung und Durchführung des Attentats beteiligt waren, Denkmäler werden errichtet.
Verkannt wird jedoch, dass Stauffenberg und alle übrigen Verschwörer keineswegs von Anfang an Gegner des Regimes waren. Auch planten sie nicht, den ideologischen Unterbau des Nationalsozialismus zu beseitigen. Vielmehr empfand der Berufssoldat Stauffenberg den Beginn des zweiten Weltkriegs als „Erlösung“. Während des Polenfeldzuges 1939 schrieb er an seine Frau: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.“
Trotz der durchaus achtenswerten Intention, das Regime um Adolf Hitler zu stürzen, muss man sich heute aber auch fragen lassen, ob eine derartige Heroisierung Stauffenbergs und anderer Systemoffiziere tatsächlich angebracht ist, ob man Straßennamen nach Menschen benennen darf, die sich mitnichten gegen die ideologischen Grundfesten des Nationalsozialismus zur Wehr setzten. Ist es nicht vielmehr unangemessen gegenüber den zahlreichen Widerstandsbewegungen aus der ArbeiterInnenschaft, der Opposition unter ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangenen, aus Kultur, Kirchen, antifaschistischen Bündnissen u.a.?
Tags: Hitler, Stauffenberg, Widerstand













Wow, besser lässt sich der ganze Stauffenberg-Wahn kaum zusammenfassen!
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Ein netter Artikel, leider teilweise einfach falsch. Wenn man die Person Stauffenbergs betrachtet, kommt man zu einem durchaus ambivalenten Bild. Die nationalkonservative Einstellung, die Stauffenberg durchaus verkörperte, ist aus unserer heutigen Sicht rückständig und nahe am Nationalsozialismus. Tatsächlich aber war dieses Denken weit verbreitet, bis hin in sozialdemokratische Kreise. Es macht außerdem einen Unterschied, ob man damals den Krieg oder die Massenvernichtungen befürwortete. Nur um es klar zu sagen: Beides ist verwerflich, aber die Gewalt gegen Zivilisten, die Vernichtungs- und Arbeitslager und die Missachtung der Genfer Konventionen waren ein trauriges Alleinstellungsmerkmal des Zweiten Weltkriegs.
Dagegen kämpften die Frauen und Männer des 20 Juli, darunter auch vielen Sozialdemokraten (z.B Julius Leber), Theologen (z.B Dietrich Bonhoeffer) oder Gewerkschafter (z.B. Fritz Voigt).
In vielen Städten ist das Gedenken an all dieser Menschen gleichermaßen gedacht. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur berichten, dass es in Wuppertal selbst für DIE LINKE kein Problem mehr ist, Stauffenberg (mit)zu gedenken.
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Der Artikel ist wirklich erfrischend und wirft Fragen auf die tatsächlich seltener gestellt werden als sie gestellt werden sollten. Ein Gedenken an den Kampf gegen den Nationalsozialismus grundsätzlich wäre wohl die Einzige moralisch vertretbare Lösung (ohne viele Namen und Daten).
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