Sex to sell
Samstag, 25.Juli 2009 von Bettina Schulze
In der letzten Woche ist eine Diskussion über die sogenannten Sex-Flatrates entbrannt, die inzwischen auch in der breiten Medienlandschaft geführt wird.
Anlass ist eine neue Werbekampagne eines Bordells in Fellbach (bei Stuttgart) das mit sogenannten Sex Flatrates für 80-100 Euro wirbt. Das Bordell verspricht, dass für diesen Betrag so oft wie gewünscht in dem entsprechenden Bordell Sex „eingekauft“ werden könne. Hiergegen hat sich eine BürgerInnen-Kampagne gegründet, die auch von einigen Kommunal- und LandespolitikerInnen unterstützt wird. Sie möchte die Sex Flatrates verbieten, weil sie befürchtet, dass damit „unmenschliche und entwürdigende“ Arbeitsbedingungen für die Prostituierten eintreten könnten, da sie durch die „Flatrates“ keine Möglichkeit mehr hätten, Freier abzulehnen.
Inzwischen haben sich auch Vertreterinnen des Prostitutionsgewerbes zu Wort gemeldet, die daran eine vorgeschobene moralische Kampagne sehen, die sich in Wirklichkeit gegen das Prostitutionsgewerbe an sich wendet und Argumente vorschiebt und das gesamte Gewerbe zu beschädigen.
Ganz unabhängig davon, welcher Seite man argumentativ eher zugeneigt ist: Das ein Bordell mit „Flatrates“ wirbt, ist letztlich höchstwahrscheinlich ein „Werbegag“. Flatrates sind eben cool, egal in welchem Bereich. Ob diese Art von Angebot für die Prostituierten in ihrer Tätigkeit ganz konkrete Auswirkungen hat, ist eher fraglich.
Was aber an der Werbekampagne negativ aufstösst, ist der Grad der Kommerzialisierung sexueller Dienstleistungen. Es gibt eben Alkohol-, Internet- also warum nicht auch Sexflatrates? Es wird mit der Werbekampagne bewusst ausgeblendet, dass es hierbei um Menschen geht. Menschen die eine Dienstleistung anbieten, die sich ganz konkret auf Körper und Seele auswirkt, wie viele Studien nachweisen. Die Kampagne versucht den Anschein zu erwecken, als wäre Prostitution das gleiche, als wenn man abends in eine Kneipe oder in ein Internetcafe geht.
Moralische Verurteilungen des Prostitutionsgewerbes helfen den Frauen in ihrer konkreten Situation nicht weiter. Jedoch ist es sinnvoll, auch als Jusos daran zu erinnern, dass das Sexgewerbe bei vielen Frauen körperliche und seelische Schäden hinterlässt und auch der internationale Frauenhandel eine Folge des Gewerbes ist. Eine weitere Kommerzialisierung und damit einhergehende Verharmlosung dieses Bereiches ist daher aus unserer Sicht klar abzulehnen!
Tags: Gleichstellung












Das wichtigste ist, den Männern und Frauen entwürdigende Arbeitsbedingungen zu ersparen;traurig wäre es jedoch, wenn das Thema von konservativen PolitikerInnen dazu benützt würde, mal wieder den moralischen Zeigefinger zu erheben….
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auch spiegel online berichtet darüber:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,638257,00.html
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Bei uns in Deutschland wird es verboten und in anderen Ländern wie Polen,Tschechei wird es eingeführt also wird diese Dienstleistung eh nur wieder verlagert.
Leider ist das ein Kreislauf denn man nie stopen wird – immerhin ist das das älteste Gewerbe.
Gruss Hans
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Herkömmliche Werbe- und Wirtschaftsstrategien scheinen in jedem Gewerbe zu funktionieren. So ist die Sexflat eine gekonnte Werbestrategie mit Anreizstrukur. Man schafft etwas Neues, das hoffentlich neue Kunden anlockt und Kunden von anderen Bordellen abzieht.
Wirtschaftlich scheint sich das auch für die Prostituierten zu lohnen, denn sie haben eine gewisse Planungssicherheit und schaffen es im Schnitt auf ein höheres Abrechnungsniveau.
Soweit so gut, aber irgendwie wird man doch das Gefühl nicht los, dass da was nicht stimmt. Warum fühlt sich diese Vorstellung im Bauch zu merkwürdig mulmig an? Warum bekomme ich als Frau irgendwie eine Gänsehaut?
Vielleicht, weil Frauen nun mal wirklich keine Flasche Vodka sind, oder W-Lan oder ein All-you-can-eat-Buffet.
Dennoch bitten uns die Frauen nicht ihre Menschenrechte in ihrem Namen zu verteidigen, wenn sie das überhaupt nicht möchten. Wenn sie doch der unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu den Gewinnern dieses Modells zählen.
Was bleibt ist bei mir völlige Ratlosigkeit. Ich möchte nicht, dass Frauen wie herkömmliche Gebrauchsgegenstände vermarktet werden. Ich möchte aber auch nicht gegen diese Frauen handeln. – Für mich ein wirkliches Dilemma…
(Übrigens: Die Flat wurde in eine zeitlich begrenzte Flat umgewandelt. 25 Euro für 20 Minuten…)
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