STOPP! Dieser Artikel ist kostenpflichtig!

Es immer wieder interessant, welche Verlinkungen auf Facebook oder anderen Netzwerken Tag für Tag auftauchen. Ein riesen Informationsgewinn für alle diejenigen, die nicht die Zeit haben, regelmäßig Presseportale zu durchsuchen. Will man Neuigkeiten rasch verbreiten, reicht ein kurzer Kommentar und der Verweis auf den entsprechenden Artikel, beispielsweise auf Spiegel Online. Mit entsprechendem Miniaturbild erfährt so das gesamte Netzwerk in Sekundenschnelle, dass Dieter Althaus mittlerweile einen Mitleidsbonus mit seinem Skiunfall sammelt, obwohl alle anderen Parteien eben dieses Thema respektvoll aus dem Wahlkampf raushalten. Die Jagd auf den „Schwulen-Mörder von Tel Aviv“ wird dem aktiven Facebook-User so kaum entgangen sein.

Eine Frage, die sich dabei bisher nie stellte, ist der Preis für solche Links. Wenn es nach Axel Springer, Bauer, Gruner & Jahr, Burda Media oder dem Heise Zeitschriften Verlag ginge, gäbe es zumindest einen. In der Anfang Juni unterzeichneten, sogenannten „Hamburger Erklärung zum Schutz geistigen Eigentums“ fordern die Verlagshäuser mit nunmehr über 160 weiteren Unterstützern der europäischen Verleger ein Leistungsschutzrecht, das Zitate aus Artikeln in ihren Zeitungen schützt und diese damit kostenpflichtig macht.
Das würde nicht nur die Einrichtung einer Gema für Onlinetexte bedeuten, die im Netz nach illegaler Nutzung fahndet und fällige Gebühren eintreibt. Für Zitate von Überschriften und Textabschnitten aus Zeitungen, wie es Google News praktiziert oder gar für Verlinkungen dieser Artikel müsste fortan gezahlt werden, eine Verwertungslogik sondergleichen.
In der Erklärung der Verlage heißt es dazu: „Freier Zugang zu Webseiten bedeutet nicht zwingend kostenlosen Zugang.“ Mit anderen Worten, lesen darf man die Artikel auch weiterhin, man muss es sich nur leisten können. Informationsfreiheit in Abhängigkeit vom Geldbeutel, so wünschen es sich Springer, Burda & Co. Grundrechte nur noch für Besserverdienende hieße das im Klartext!

google-newsAls großes Feindbild im Netz, das den Verlagen die Auflagen angeblich streitig macht und Werbeträger aus den Printmedien zieht, wird Google News an die Spitze der medialen Revolution gemalt. Dabei kann etwa Zeit Online mit nur zwei Zeilen im Rootverzeichnis ihres Servers, der robots.txt, Google von der eigenen Seite aussperren. Dies wird freilich nicht gemacht, denn entsprechende Online-Medien wollen eben die „Klicks“ über Google News und anderen, um ihre Seiten attraktiv zu machen – ein Widerspruch!
Ihr Wunsch ist vielmehr – und das geht weit über den Preis der Informationen hinaus – die Auswahl der Seiten zu kontrollieren. Um möglichst weit oben gelistet zu werden, sollen die Kriterien der Internetprovider, die das Ranking der Seiten nach Schlagworten bestimmen, kontrollierbar werden. Die Identifikation der Nutzer mittels Providerdaten und staatlicher Kontrolle des Internets wäre die Folge, eine Zensur-Infrastruktur, die weit über die kürzlich beschlossenen Netzsperren hinaus ginge.

Hinter der sanften Forderung nach einem weiten Leistungsschutzrecht und der Transparenz des Internets steckt Lobbyarbeit in eigener Sache, jedoch nicht zugunsten einer freien Presse. Leider stößt dies allzu häufig auf offene Ohren in der Politik. Vorsicht deshalb vor dem Wunsch nach:

  • einer vom Staat anzuschiebende Zwangsgebühr namens Kulturflatrate
  • einer staatlichen Beaufsichtigung der Suchmaschinen,
  • einer vom Staat zu erzwingenden Umverteilung der Anzeigenerlöse der Suchmaschinen,
  • einem vom Staat zu verabschiedenden Leistungsschutzrecht, das die Grundvoraussetzung für die Schaffung einer Gema für Onlinetexte wäre sowie
    einer staatlichen Überwachung des Internets.
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