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vollbeschäftigung ist möglich.

Sonntag, 2.August 2009 von

Aktuell, Arbeit & Soziales

industrial site41,6 ist meine ‚zahl der woche‘. 41,6 stunden arbeiten die deutschen laut einer eu-studie wöchentlich und bilden mit wenigen anderen ländern der eu die spitzegruppe in puncto arbeitszeiten. das ist aus mehreren gründen ein grund, sich über eine reform der arbeitszeitpolitik gedanken zu machen.
41,6 stunden arbeiten bedeutet, mehr als ein drittel der zeit (bezogen auf fünf arbeitstage) mit bezahltem arbeiten zu verbringen. zeit, die weder für die eigene freizeit, noch fürs ehrenamt oder gar die familie genutzt wird. da immer noch mehr männer als frauen vollzeit arbeiten und damit auch in den genuss von 41,6+x komme,n heißt solch eine zahl auch, dass eine gleichberechtigte aufteilung von „familienarbeit“ so nicht gelingen kann.
die tariflich vereinbarte durchschnittliche wochenarbeitszeit liegt bei 37,6 stunden, also 3,6 stunden darunter. die diskrepanz zwischen vereinbarter und tatsächlicher arbeitszeit liegt damit in deutschland besonders hoch. zum teil kann dies darauf zurückgeführt werden, dass immer weniger unternehmen und betriebe sich an tarifverträge binden und höhere wochenarbeitszeiten vereinbaren. es liegt aber auch an einer nicht geringen anzahl an überstunden (wohl gemerkt, nur die abgerechneten können in den 41,6 stunden erfasst werden…). nach auskunft des IAB werden in deutschland 1,3 milliarden (!) bezahlte überstunden geleistet. laut DGB sind das umgerechnet 800.000 vollzeitarbeitsplätze. eine ungerechte verteilung der arbeit.

wenn fw steinmeier nun morgen seinen deutschlandplan in punkte beschäftigungspolitik vorstellt und dort davon spricht, dass vollbeschäftigung möglich ist, bietet die eu-studie zwei weitere anknüpfungspunkte über die von ihm vorgeschlagene industrie- und strukturpolitik hinaus.
1. die überstunden müssen stärker gesetzlich begrenzt werden, so dass neue vollzeitarbeitsplätze entstehen können.
2. die tatsächliche arbeitszeit muss nicht nur durch geringere tariflich vereinbarte arbeitszeiten, sondern auch durch gesetzliche maßnahmen (frankreich hats vorgemacht) reduziert werden. auch so kann ein riesiges potenzial an zusätzlichen arbeitsplätzen freigesetzt werden.
wenn von guttenberg jetzt davon spricht, dass das ziel vollbeschäftigung nicht möglich ist, dann kann man nur sagen: es ist möglich. wer anderes behauptet, dem fehlt es an politischem willen. das ist bei ihm wohl der fall.

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7 Kommentare

  1. Daniel sagt:

    Das sind hohe und auch ehrenwerte Ziele, die man sich allerdings nicht leichtfertig auf die Fahnen schreiben sollte.

    Ich würde es im Artikel aber doch begrüßen, wenn man auf Groß- und Kleinschreibung achten würde, das käme der Lesbarkeit sicher zu Gute.

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  2. Matthias sagt:

    Nur würde den Teil der Bevölkerung, den Guttenberg vertritt, in seiner Machtposition nichts härter treffen als Vollbeschäftigung. So schlau ist er ja auch, dass er die Folgen der Vollbeschäftigung für die Verhandlungsfähigkeit von Arbeit einschätzen kann… Von den Konservativen braucht man nun wirklich keinerlei Anstrengung in Richtung mehr (gute) Arbeit zu erwarten…

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  3. Alex sagt:

    Schon irgendwie lächerlich und auch daneben, ehrlich, daß das mit ß wird mit doppel “s” geschrieben, aber auf Groß- und Kleinschreibung wird gepfiffen.
    Experten haben herausgefunden, daß schlecht formatierte Texte, vom Leser kaum angenommen werden. Auch hier, der erste Eindruck zählt, und alles nur klein schreiben, wirkt nicht nur anstrengend für’s Auge, sondern ist es dann meist auch.
    Aber wahrscheinlich soll die fehlende Groß- und Kleinschreibung die “Webtauglichkeit” der Jusos, insbesondere des Autors wi(e)derspiegeln, bzw. eine ganz bestimmte Gruppe ansprechen, die womöglich genauso wenig Ahnung von der deutschen Sprache haben als der Autor.
    Wenn man zynisch wäre, könnte man durchaus sagen…
    beängstigend.

    “…dass eine gleichberechtigte aufteilung von „familienarbeit“ so nicht gelingen kann.”

    Wie sieht eigentlich eine gleichberechtigte Aufteilung der Familienarbeit bei Alleinerziehenden aus (egal ob Frauen oder Männer)?
    Gleichberechtigte Aufteilung der Familienarbeit ist doch nun völliger Unsinn, da kann Mann machen was man will, letztendlich haben Mütter die Kinder auf die Welt gebracht, das ist mit nichts aufzuwiegen. Was man auch nicht vergessen darf, Kinder entscheiden meist selbst, wer bei ihnen die Nummer 1 in der Familienarbeit ist, und meist ist es die Mutter, ganz klar.
    Der typisch deutsche alte romantische Traum der Gleichmacherei, funktioniert meist nur nicht.

    Ich dachte Herr Steinmeier hätte ein Paar Asse im Ärmel, aber dann so mit Rechenakrobatik zu kommen, von wegen
    1,3 Milliarden (!) bezahlte Überstunden = 800.000 Vollzeitarbeitsplätze, irgendwie schon mehr als daneben, zumal er nicht der erste damit ist.
    Im Übrigen, da fehlen jetzt aber noch 3,2 Millionen Vollarbeitsplätze! Das weiss er schon, oder ?

    Das Bsp. mit Frankreich hinkt schon etwas, zumal ja innovative Ideen aus dem Ausland zig Jahre brauchen, bis sie in Deutschland ankommen, geschweigedenn umgesetzt werden.
    Wenn das Konzept von Herrn Steinmeier so super und genial ist, warum wird dann noch ein zu Guttenberg zitiert ? Warum dann auf die Konkurrenz schielen ?
    Für mich ein Zeichen von Schwäche sowie dem typischen Wahlkampfgeplänkel was auch nicht weiter ernst zu nehemn ist, leider.

    Vollbeschäftigung ist auf dem Papier möglich, aber in der Praxis kaum umsetzbar. Herr Steinmeier weiss das, sagt es nur nicht.

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  4. Thomas sagt:

    Also, allgemeines Grundeinkommen statt Vollbeschäftigung fände ich als Ziel irgendwie attraktiver..

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  5. Marcel sagt:

    Ist eure Shift-Taste kaputt?

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  6. kerstin Weidner sagt:

    werte fr. drohsel, ich verfolge seit langem ihre aussagen in den medien. ich sehe sie persönlich fehl am platz in der juso. sie vertreten eindeutig forderungen der linken. dies kratzt immer mehr an ihrer glaubwürdigkeit. wie wollen sie denn es noch länger vertreten, arbeitsplätze zu schaffen und ihre älteren genossen der spd vernichten diese tagtäglich. wie verträgt es sich, dass sie hartz IV ablehnen, aber ihre älteren genossen wollen hartz IV sogar verfestigen, mit sanktionen, mit kürzungen usw. hier läuft doch etwas gewaltig schief. sie sollten ernsthaft ihren beitritt und ihren vorsitz der juso überdenken, ansonsten machen sie sich lächerlich.

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  7. Stefan Müller sagt:

    Verehrte Frau Weidner, ihr Kommentar ist etwas fehl am Platz, zum einen hat diesen Text “Sonja” geschieben und nicht Frau Drohsel, zum anderen bekommen sie von beiden hier keine Antwort. Das Frau Drohsel linke Forderungen in der SPD vertritt finde ich nicht sehr ungewöhnlich und sogar wünschenswert. Das man die alte Garde nicht von einem Tag auf den anderen los wird sollte spätestens nach der Ankündigung Steinmeiers für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren klar sein.

    Nur welche Konsequenz sollte man daraus ziehen? Austreten und den anderen das Feld überlassen? In der SPD sind viele verschiedene Auffassungungen vertreten, nun als linker die Partei zu verlassen heisst aufzugeben die Partei in eine andere Richtung zu lenken. Ich hoffe Frau Drohsel wird sich weiter für Gerechtigkeit und gegen Ausbeutung einsetzen. Ich werde mich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen in die SPD einzutreten und dort für Veränderungen zu streiten.

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