Versammlungsrecht repressiv?!
Sonntag, 13.September 2009 von Martin Margraf
Am Rande der gestrigen Großdemonstration „Freiheit statt Angst“ in Berlin gab es auch unschöne Bilder. Seit Sonntag kursiert ein Youtube-Video auf zahlreichen Blogs, in Social Networks und nunmehr auch durch die Medienlandschaft, auf dem ein gewaltsamer Übergriff seitens einiger Polizeibeamter gegen einen friedlichen Demonstrationsteilnehmer zu sehen ist.
Das etwa vier Minuten lange Video bringt die Polizei nun in Erklärungsnot. In einer offiziellen Stellungnahme berichtet sie, der 37-jährige Radfahrer störte polizeiliche Maßnahmen und machte „keine Anstalten“, einem ihm erteilten Platzverweis nachzukommen. In den Aufnahmen, deren Echtheit die Polizei nicht anzweifelt, sprechen die Szenen jedoch eine andere Sprache. Beim Verlassen des Ortes wurde der Mann, der sich kurze Zeit vorher die Daten der Polizeibeamten notieren wollte, zurückgezogen und brutal zu Boden geworfen. Dabei kamen auch andere Personen zu schaden.
Youtube-Video des Übergriffs auf einen Versammlungsteilnehmer
Dieser Vorgang wirft im Nachhinein natürlich zahlreiche Fragen auf. Zwar ermittelt das Landeskriminalamt derzeit wegen Körperverletzung im Amt. Fraglich ist aber, welche Konsequenzen der Vorgang ohne das belastende Bildmaterial gehabt hätte. Die bis dahin friedlich verlaufende Demonstration richtete sich gerade gegen staatliche Repressionen und wurde in ihrer Intention durch den Zwischenfall mehrfach bestätigt. In einer von den Veranstaltern herausgegebenen Pressemitteilung wurden auch die Vorfelddurchsuchungen einzelner Demonstrationsteilnehmer sowie die anhaltende Videoüberwachung während der Demonstration angegriffen.
Wenn man das Gefühl haben muss, beim Protest gegen gesellschaftliche Missstände in den Fokus staatlicher Überwachung zu geraten, ist das deutliches Zeichen der Beschneidung des Versammlungsrechts. Die Garantie von Freiheitsrechten ist aber gerade Aufgabe des Staates. Deshalb wenden sich auch die Jusos, die gemeinsam mit etwa 160 anderen Organisationen zur Demonstration aufriefen, gegen den zunehmenden Überwachungswahn und fordern insbesondere bei den nun anstehenden landesgesetzlichen Regelungen des Versammlungsrechts mehr Freiheiten.
Außerdem muss die Deeskalationsstrategie der Polizei grundlegend überdacht werden. Deeskalation durch Stärke, wie es heute in Hamburg angedacht war, ist dabei sicher nicht der richtige Weg. Stimmen aus dem „antikapitalistischen Block“ wie die: „Gewaltmonopol des Staates heißt doch nichts anderes, als dass Bullen zuschlagen dürfen, wann sie wollen, einfach nur reinknüppeln!“, finden dadurch ihre Bestätigung. Forderungen nach einer Kennzeichnungspflicht bei Polizeieinsätzen, um Maßnahmen transparent zu machen und Übergriffe wie die in Berlin zu verhindern, müssen daher konsequent umgesetzt werden. Auch der Vorschlag der Humanistischen Union nach einem unabhängigen Polizeibeauftragten, der Einsätze auf rechtstaatliches Vorgehen überprüft, gehört überdacht.
Vorfelddurchsuchungen von VersammlungsteilnehmerInnen, Videoaufnahmen während friedlicher Demonstrationen, Einkesselungen, übermäßige Polizeipräsenz oder Anwendung von Gewalt sind mit Sicherheit keine angemessenen Maßnahmen zum Schutz der Versammlungsfreiheit. Kein Polizeibeamter muss sich mit Flaschen bewerfen lassen, aber Szenen wie die, die derzeit im Internet kursieren, tragen zur Entschärfung der Spannungen zwischen DemonstrantInnen und staatlichen Organen garantiert nicht bei. Deshalb sollte auch das kürzlich durch die Gewerkschaft der Polizei in Auftrag gegebene Gutachten zu Gewalt gegen Polizeibeamte differenzierte Lösungsansätze einer differenzierten Analyse aufzeigen.
Tags: Netzpolitik, Polizei, Übergriff, Versammlungsfreiheit











Moin!
Zuerst einmal: Ich spreche NICHT offiziell für die Schleswig-Holsteiner Jusos!
Es kann doch nicht sein dass mehrere! Polizisten sich an einem Demonstranten vergehen und dann noch nicht einmal vom Dienst suspendiert werden. Meiner Meinung nach ist nicht nur der Beamte beschuldigt, der als Erster zugeschlagen hat, sondern auch derjenige, welcher den Demonstranten auf eine Weise zu den anderen gezogen hat, die er auf keiner Polizeischule gelernt haben kann.
Der Begriff “Gewaltmonopol” trifft die Vorgänge hier offensichtlich sehr genau. Anscheinend nutzen einige Menschen ihre Uniform um, geschützt von anderen Polizisten, zusammen auf Unterlegene einzuprügeln und ihrem Frust über was auch immer Luft zu machen.
Solche Bilder kannte ich bis vor Kurzem nur aus den U.S.A. und ich dachte eigentlich dass es in Deutschland strengere Auswahlkriterien für Polizeianwärter gibt. Besonders im Bezug auf die charakterliche Eignung. Offensichtlich habe ich mich da getäuscht. Auf jeden Fall sollte der Fall aufs Genaueste untersucht werden. Eine Geldstrafe wird meiner Meinung nach nicht ausreichen.
Gruss
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Ich sehe diesen Artikel mit 2 Augen… Ich bin auf jedenfall von dem Verhalten des Polizisten enttäuscht, sowas geht nicht und muss geahndet werden, bzw. genau der Sachverhalt geklärt werden! Aber wie im JEDEN Beruf, gibt es halt auch bei der Polizei “schwarze Schafe”! Doch leider zeigen es Demos wie im Schanzenviertel HH, dass die Gewalt seltener von den Polizisten kommt! In trauriger jährlicher Regelmäßigkeiten lassen die Autonomen Linken ihre Wut an den Polizisten aus! Das hat eine große seelische Belastung zur Folge. In diesen Fällen MUSS die Polizei hart durchgreifen. Denn die gewaltätige Willkür erschreckt einen immer wieder, mit allem bewaffnet wird z.T. versucht möglichst viele Polizisten zu verletzen!
Dies ist natürlich keine Entschuldung für Fehltritte der Polizei, aber Aussagen wie: ACAB unterstützen dieses Unverständnis! Ich sag auch nicht nach der Fehldiagnose eines Arztes: All Doctors are Bastards!;-)
Wir haben in Deutschland eine der besten Polizeien der Welt, deshalb sollte man sich von einzelnen Nachrichten nicht blenden lassen!
Trotzdem wird Fehlverhalten geahndet! Also sieht die Situationen aus mehreren Blickwinkeln, bevor ihr euch eine Meinung bildet!
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