Wegsperren als Lösungsstrategie – Gedanken zur Jugendgewalt
Die Geschehnisse am S-Bahnhof in München am vorigen Samstag, bei denen zwei Jugendliche einen Mann zu Tode geprügelt haben, sind schockierend. Gewalt im öffentlichen Raum ist keine Seltenheit. Eine Gesellschaft muss überlegen, was sie dem entgegnet. Was sind die Ursachen solch krasser Vorfälle von Jugendgewalt und wie kann man sie verhindern?
Die Union und andere tönen fast reflexartig: Die Jugendstrafen seien zu lasch! Wir brauchen härtere Strafen! Die Videoüberwachung muss ausbaut werden! Von Kuscheljustiz und zuviel Toleranz – im negativen Sinne – ist die Rede. Doch kann man ein Problem lösen in dem man es wegsperrt? Sind diese Jugendlichen zu „lasch“ behandelt worden und wenn ja, was wäre dann die richtige „Behandlung“?
Politiker, Pädagogen, Juristen und viele andere streiten sich seit langem über diese Frage. Was tun mit der Jugendgewalt?
Einsperren ist für mich kein Lösung, sondern nur eine Reaktion auf die Symptome. Ein Rechtssystem funktioniert über das Mittel der Sanktion, jedoch hält es die Täter in der Regel nicht davon ab, eine Straftat zu begehen. Man macht es sich sehr einfach, wenn man denkt, man könne die Gewalt einfach wegsperren und sich damit des Problems entledigen. Bei der Videoüberwachung ist es ähnlich. Videos verhindern keine Straftaten, sondern sie zeichnen sie nur auf und sie schränken zudem die Freiheitsrechte der BürgerInnen ein. Ich jedenfalls, möchte nicht in einem Staat leben, in dem ich permanenter Überwachung ausgesetzt bin.
Was nun tun gegen Jugendgewalt dieses Ausmaßes? Ich bin keine Expertin, aber ich denke, dass die Wurzeln der Gewalt tief in unserer Gesellschaft verhaftet sind. Ich denke, dass es die zentrale Aufgabe sein sollte, soziale Schieflagen unsere Gesellschaft zu beseitigen. Aus der Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit kann Gewalt erwachsen. Wir haben in Deutschland Menschen, die komplett von gesellschaftlicher Beteiligung abgekoppelt sind bzw. abgekoppelt wurden. Die Ausgrenzung dieser Menschen zu verhindern, sollte das Ziel politischen Handelns sein. Dazu gehört ein Bildungssystem, das allen eine Chance bietet und dazu gehört eine soziale Grundsicherung, die Kinder eine gesunde Ernährung und eine Freizeitgestaltung ermöglicht.
Wichtige andere Faktoren wären für mich: Medien- und Internetkompetenz stärken, Familien und Eltern unterstützen, Pädagogische und soziale Betreuung finanzieren, Freizeitangebote ausbauen. Ich glaube, Jugendgewalt ist kein Schicksal, sondern kann und muss präventiv bekämpft werden. Wer einfach nur Wegsperren fordert, ist populistisch. Das ist gefährlich, weil damit die wahren Ursachen verkannt, die Probleme nicht gelöst und zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen wird.
Tags: Ausgrenzung, CDU, Jugendkriminalität













Dienstag, 15.September 2009 von Bettina Schulze
Aktuell, Arbeit & Soziales