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Gekränkte „Alphamännchen“ in der Politik oder über unpolitische Unprofessionalität

Montag, 12.Oktober 2009 von

Aktuell

grune-tonne1Natürlich hängt eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit immer auch von Personen ab. Klar, weil Personen die Zusammenarbeit gestalten. Deshalb darf man den „chemischen“ Faktor, egal bei welcher politischen Arbeit nicht unterschätzen. Die Frage ist nur, welchen Stellenwert so ein Faktor haben darf – im Vergleich zum Beispiel zu solchen Dingen wie der Politik, die man im Wahlkampf versprochen hat…

Die letzten Tage waren in diesem Sinne für mich ein Lehrstück an männlicher Eitelkeitenpolitik. Ja leider männlich in dem Fall, obwohl ich es darauf nicht reduzieren würde. Vielleicht ist es ja auch nur Zufall bzw. strukturell bedingt, dass hier Männer den Ausschlag geben, halten sie nun mal momentan noch die meisten Schaltstellen besetzt.

Nun gut, werfen wir mal den Scheinwerfer ins beschauliche Saarland. Da sind drei Parlamentssitze, die die Grünen errungen haben, das Zünglein an der Wage und die Grünen kosten dieses genüsslich aus, lassen es sich mit zwei Ministerposten vergolden und noch vielem mehr. Die politischen Zugeständnisse, die die Bürgerlichen machen mussten, will ich in Anbetracht der weitreichenderen Möglichkeiten, die die Grünen für ihre Politik in einem Rot-Rot-Grünen Bündnis gehabt hätten, nicht bewerten, immerhin haben sie noch etwas politisch raus geschlagen. Aber ist es nicht bezeichnend, dass nicht die inhaltlichen und personellen Angebote eines rot-rot-grünen Bündnisses laut Angaben des Grünensprechers Ulrich ausschlaggebend waren, sondern dass man ‘mit Lafontaine nicht zusammenarbeiten’ konnte. Zu tief seien die Wunden gewesen, die Lafontaine den Grünen in der letzten Zeit aber auch noch als SPD Ministerpräsident zugefügt hatte.

Arme Grüne. Klar, ist es auf der Grundlage schwierig, gemeinsam Politik zu machen.

Aber muss man solche Eitelkeiten, Animositäten oder wenn man das Ganze ernst nimmt , “tiefgreifende” Verletzungen nicht weg schieben in Anbetracht dessen, dass man für eine Millionen Menschen Politik machen möchte (und noch viel mehr, bezieht man das Stimmgewicht im Bundesrat mit ein…) und auch mit dem Anspruch angetreten ist, politische Projekte umzusetzen oder was hier zum Wahlbetrugsskandal wird, die Regierung Müller abzulösen?

Dürfen solche Begründungen legitim als Absage an eine Koalition auf Landesebene (nicht in irgendeinem Dorf wohlgemerkt) angesehen werden und derjenige, der sich rausposaunt, wird damit auch noch ernst genommen (sogar im eigenen Landesvorstand, auf dem eigenen Parteitag)?

Wo bleibt da eigentlich das Hohngelächter der Wählerinnen und Wähler, die sich zu Recht betrogen fühlen?

Aber es ist ja unglücklicherweise nicht nur ein Herr Ulrich im Saarland, sondern auch ein Herr Matschie in Thüringen (zugespitzt “Ich mag den Bodo nicht”), die SPD Führungsriege der Vergangenheit, die nicht nur, aber sicherlich auch aus persönlichen Gründen eine Bündnis mit der Linken ablehnte.

Man muss ja Lafontaine und Gysi, Ramelow und wen auch immer nicht aus ganzem Herzen mögen, vielleicht ja noch nicht mal mögen, aber: egal wie man zu diesen Personen steht, dieser Faktor darf nicht ausschlaggebend sein, für Koalitionen. Denn hier geht es um mehr als Eitelkeiten. Politik für die Menschen und Antworten für ihre Zukunft. So wie es jetzt läuft ist das unpolitisch und auch noch höchst unprofessionell dazu.

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Ein Kommentar

  1. Günter sagt:

    Liebe Sonja,

    das ist ja alles schön und richtig was da Deiner Tastatur entspringt, trotzdem fällt mir da am ehesten die Antwort ein: “Wer im Steinhaus sitzt, sollte nicht mit Gläsern werfen!”

    Klar erwähnst Du selbstkritisch (für die SPD) den Fall Thüringen und Herrn Matschie, der nichts anderes gemacht hat als die Grünen jetzt, nämlich die eigenen Wähler zu verhöhnen…

    …aber wenn ich dann lese, was eine Frau Nahles (Agenda 2010-Befürworterin), die innerhalb der SPD zum linken Flügel gerechnet wird, so von sich gibt: “Lafontaine agiere “als Steigbügelhalter für einen abgehalfterten Ministerpräsidenten» Peter Müller (CDU)”, dann fragt man sich als Wähler, wohin der Weg der SPD in Zukunft führen soll.

    Auch Herr Platzeck beeilt sich zu kommentieren, dass “ein rot-rotes Bündnis nicht aus Überzeugung angegangen wird”, weil er Angst vor dem “Ypsilanti-Effekt” hat.

    Hat denn niemand bei der SPD mehr den Arsch in der Hose, mal einen klaren Standpunkt zu vertreten? Angst essen Seele auf bei der SPD, Angst vor den Medien, die doch so lobende Worte gefunden haben, als die SPD sich zum Steigbügelhalter der CDU innerhalb einer großen Koalition gemacht hat…..

    Da geht man lieber hin, übt einen verzweifelten Opportunismus und gibt für den Wahlbetrug der Grünen im Saarland, dann mal eben den Linken die Schuld, die ja sowieso gerne für alles Elend dieser Welt verantwortlich gemacht werden!

    Wenn ich mir die SPD-Zukunft so vorstelle, dann sehe ich mit der künftigen Führungsriege leider nichts anderes, als dass die SPD in den nächsten 4 Jahren ihren eigenen Konkurs abwickelt…. traurig aber wahr.

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