Aus dem Lehrbuch
Mittwoch, 27.Januar 2010 von Sascha Vogt
Eigentlich wollte das Bundesverwaltungsgericht heute darüber urteilen, nun hat es seine Entscheidung auf morgen vertagt: Es geht um die Frage, ob der 2008 eingeführte Post-Mindestlohn rechtlich gültig ist. Doch wie auch immer das Urteil aussehen mag: Der bestehende Mindestlohn von 9,80 Euro in der Stunde hat ohnehin nur noch bis April Geltung. Damit handelt es sich nicht um eine juristische Entscheidung, sondern um eine politische, müsste die schwarz-gelbe Bundesregierung doch zu einer neuen Regelung kommen.
Passiert nichts, besteht dann ab spätestens Mai keine branchenspezifische Untergrenze mehr und dem Weg in den Niedriglohnsektor ist Tür und Tor geöffnet Dabei handelt es sich in dieser Branche eigentlich um ein Beispiel aus dem Lehrbuch, warum Mindestlöhne nicht nur sozialpolitisch sinnvoll sondern auch ökonomisch zumindest nicht schädlich sind: Beim Austragen von Briefen handelt es sich um personalintensive Dienstleistungen mit eher geringen Produktivitätsfortschritten, da die Möglichkeit von technischen Innovationen eher gering ist. Damit kann der Wettbewerb um die KundInnen (mal ganz davon abgesehen, ob es sich bei der Versorgung mit Postdienstleistungen nicht doch eher um einen Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge handelt), entweder über den Service (Anzahl der Postfilialen, Zeit der Zustellung) oder eben über ein Lohndumping (und entsprechenden Preissenkungen) erfolgen. Letzteres hat aber vor dem Hintergrund einer relativ großen Anzahl von Arbeitssuchenden mit geringerem Qualifikationsprofil für die Betroffenen zur Folge für Niedrigstlöhne arbeiten zu müssen. Und auch die öffentlichen Kassen verlieren indirekt in diesem Spiel: Etliche Postbeschäftigte werden gezwungen sein, zusätzlich zu ihrem Niedriglohn aufstockendes ALG II in Anspruch zu nehmen.
Mit einem Mindestlohn hätten sich diese Probleme zumindest zu einem Teil erledigt. Und die von den GegenerInnen des Mindestlohns befürchtete Arbeitslosigkeit würde sich zumindest in diesem Fall auch nicht einstellen, da auch bei gleichbleibender Lohnhöhe wohl kaum ein Rückgang der Nachfrage zu befürchten wäre. Die Bundesregierung aber sieht keinen Handlungsbedarf und lehnt Mindestlöhne allgemein ab. Die profitierenden Unternehmen wird’s freuen. Und – wer weiß – vielleicht gibt’s ja demnächst auch kostengünstigere Briefmarken für FDP-Mitglieder?










ich kann nicht verstehen, warum Sie sich für Branchenspezifische Mindestlöhne ausprechen.
Sicherlich, ich bin auch für einen bundeseinheitlichen, flächendeckenden, gleichen Mindestlohn.
Aber ist es nicht so, dass bei dem Postbeispiel andere Faktoren im Spiel waren und die Post sich durch den Mindestlohn nur lästige Konkurrenten von ihrem “quasi”-Monopol fernhalten wollten?
Das ist doch keine begrüßenswerte Form von Mindestlohn, oder?
Mindestlohn zur Schaffung eines Monopols…
Die sollte doch nicht der Sinn von Mindestlöhnen sein!
Also ich kann dem Kommentar von Karl überhaupt nicht zustimmen. Konkurrenz sollte durch bessere Leistung und mehr Sevice etc. möglich sein – aber eben nicht dadurch dass man eben noch weniger an die Angestellten zahlt.
Und dieses Urteil bestätigt eben nur dass es die Politik einfach nicht schafft Rahmenbedingungen zu schaffen die für Unternehmen bindend sind und eben eine menschenwürdige Bezahlung der Arbeit zwingend vorschreiben. Hier ist wirklich der Weg in eine Verstärkung der Billiglöhne freigesetzt worden.
Ich kann nur hoffen, dass irgendwann doch eingesehen wird, dass diese Billiglöhne letztendlich für die gesamte Gesellschaft nur Nachteile bringen. Was hilft es mir wenn ich meine Brife eben um ein paar Cent billiger abschicken kann, wenn dafür die Sozialabgaben des Staates steigen und der Staat dann über höhere Steuern – oder durch Verzicht auf irgendwelche Leistungen dies wieder ausgleichen muss. Irgendwei sicht das Ganze nach dem Motto aus “Heute gehts uns gut und alles wird billiger” – was in 20 oder 30 Jahren ist wenn dann plötzlich die Rentenzahlungen auf ein Minimum gesenkt werden und all die “Billigarbeiter” Sozialfälle geworden sind scheint niemanden wirklich zu interessieren.