Strukturelles Patriarchat: Der Fall Käßmann als Lehrstück
Freitag, 26.Februar 2010 von Matthias Ecke
Man stelle sich vor: der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), nennen wir ihn Dieter Käßmann, begeht einen folgenschweren privaten Fehler. Während eines Skiurlaubs verursacht er leichtsinnig einen Unfall. Ein Mensch kommt zu Tode. Herr Käßmann wird wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Doch an Rücktritt denkt er nicht. Vielmehr spricht er mit einer großen Boulevardzeitung über den Unfall und die daraus erwachsene moralische Läuterung. Erst Monate später muss er zurücktreten, aber nicht aus freien Stücken, sondern weil ihm das Vertrauen entzogen wird. Undenkbar? Nun ja.
Margot Käßmann hat ohne Zweifel einen schweren Fehler begangen, den man nicht banalisieren soll. Die Tatsache, dass bei ihrer Fahrt unter Alkoholeinfluss niemand zu Schaden kam, ist nicht zuletzt dem Zufall zu verdanken. Ob und wie sie daraus Schlüsse für ihre Amtsführung zieht, ist in erster Linie ihre persönliche Entscheidung. Die politisch interessante Frage ist vielmehr, ob und welche unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungshaltungen gegenüber Handelnden in Leitungsfunktionen existieren (und mindestens ebenso wichtig: welche Vorwegnahme dieser Erwartungshaltung durch die betroffenen Akteure). Haben sich diese Muster über lange Zeit verfestigt und selbst den Emanzipationsbewegungen der letzten hundert Jahre getrotzt?
Denn der Fall Käßmann ist – neben vielem anderen auch – ein Lehrstück für eine Gesellschaft, die geschlechtsspezifische Diskriminierung überwunden glaubt aber tatsächlich noch tief durchzogen ist von einem strukturellen Patriarchat. Also von objektiven, durch Strukturen und Verfahren verfestigten Hürden, aber mindestens ebenso stark von den feineren, verinnerlichten Verhaltensmustern. Es ist nicht „vulgärfeministisch“, wie einige Beobachter mutmaßen, sich diesem Fall aus einer Gleichstellungsperspektive zu nähern, es ist vielmehr notwendig. Denn auch wenn es derzeit keine überzeugenden Anzeichen dafür gibt, dass die EKD-Vorsitzende Opfer eines Männerkomplotts wurde, so ist sie doch Bürgerin einer Gesellschaft, in der die Existenz von Frauen in Führungspositionen (jedem Merkelismus zum Trotz) von vielen noch immer als rares Kuriosum gesehen wird, verbunden mit einem stillschweigenden Bewährungsvorbehalt: Zeig du mal, was du kannst.
Hätte ein Herr Käßmann eine letztlich folgenlose Alkoholfahrt als „schweren Fehler“ und „tiefen Fall“ gewertet, wie Margot Käßmann selbst dies getan hat? Oder ist es dieser gesellschaftlich konditionierte Eigenanspruch, besser sein zu wollen, glaubhafter, tadelloser, unfehlbarer, oder um der Akzeptanz Willen gar besser sein zu müssen, den Frauen und Männer in unterschiedlicher Weise erfahren? Ich glaube ja, und ich glaube, diese Frage ist zutiefst politisch. Denn es ist diese Haltung, die die Ämter und Positionen selbst derjenigen (wenigen) Frauen, die es bis dahin geschafft haben, prekärer macht als die ihrer männlichen Amtskollegen. Was die frühere Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter über Frauen in der Kirche sagt, trifft auch auf andere Gesellschaftsbereiche zu: „Wir haben noch nicht das Recht, genauso viele Fehler zu machen wie die männlichen Kollegen“
Es gibt kluge Spötter (kluge Spötterinnen übrigens auch) die sagen, dass Gleichstellung erst dann erreicht ist, wenn zum ersten Mal eine unfähige Frau ein hohes Amt bekleidet. Seit gestern können wir eine weitere Bedingung hinzufügen: Erst dann können wir von Gleichstellung sprechen, wenn auch Frauen schwere persönliche Fehler in hohen Ämtern überstehen.
Tags: Feminismus, Gleichstellung, Käßmann












Völliger Schwachsinn. Das _ist_ Vulgärfeminismus.
Gut oder schlecht:
0
0
Selten so einen Blödsinn gelesen!! Man kann sich aus allem irgendwas stricken, so wie hier. Einen Vergleich zu ziehen unter dem Namen Herr Käßmann ist ja völlig albern.
Wie gesagt: lächerlich und es stellt sich die Frage, ob der Autor überhaupt selbst glaubt, was er da schreibt.
Gut oder schlecht:
1
0
Ich habe hier weder Blödsinn noch Vulgärfeminismus gelesen, sondern eine durchaus berechtigte Frage (die der Autor aufwirft, aber nicht endgültig beantwortet).
Ja, es ist Spekulation, inwiefern ein “Männerkomplott” am Rücktritt Käßmanns in irgendeiner Weise beteiligt ist. Und ich selbst denke, dass Käßmanns persönliche Prinzipien in dieser Angelegenheit entscheidender für diesen Schritt waren, als Zureden und Unterstützung von außen.
Aber es ist eben doch ein Fakt, dass sehr, sehr wenige Frauen in solchen Positionen sind. Und es ist erst Recht ein Fakt, dass sich diese Frauen teilweise niveauloseste und sexistischste journalistische Berichterstattung in manchen Medien gefallen lassen müssen.
Und solange dies so ist, ist eine Diskussion, die auch nach eventuell existierender geschlechtspezifischer Diskriminierung fragt, durchaus gerechtfertigt und einer demokratischen, pluralistischen Meinungsbildung sicherlich nicht abträglich.
Gut oder schlecht:
0
0
Richtig…trotzdem wäre die Wunschvorstellung (also meine) eher, dass mehr Leute den Ämtern angemessene Konsequenzen ziehen (wer moralische Instanz sein will, muss da vermutlich anders ran als eine Person, die Machtpolitikerin sein will) – mehr unfähige Amtspersonen und mehr fehlerhafte Amtsführung sind keine politischen Ziele, die ich als Feministin unterstütze.
Interessant ist in diesem Fall auch der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol. Betrunkene Männer und betrunkene Frauen rufen unterschiedliche Reaktionen auf. Das gilt auch für andere Formen des Exzesses.
Übrigens: Ines Kappert fragt sich in der taz (http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/konsequente-selbstkritik/) auch, welche Rolle das Geschlecht und “protestantische Selbstbestrafung” im Fall Käßmann spielen.
Gut oder schlecht:
0
0
Interessant, wie die Herren auf diesen Artikel im Schnellschuss reagieren. Allergisch?
Ich finde den Rücktritt von Frau Käßmann die einzige richtige Handlungsoption. Ich würde mir von den Dieter Käßmanns dieser Welt wünschen, dass sie sich analog verhalten. Wer hohe politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche oder soziale Verantwortung trägt, muss sich in der durch die Medien geschaffenen Transparenz einfach damit abfinden, dass nicht nur sein Handeln im Amt bewertet wird, sondern dass auch sein persönliches Verhalten auf das Amt rückwirkt.
Das, was sich aus meiner Sicht also ändern muss, ist, dass man den hier genannten “Herrn Käßmann” und andere Männer zum Rücktritt z w i n g e n muss, nicht so sehr, dass Frau Käßmann und andere Frauen in jedem Fall darauf verzichten sollten.
Gut oder schlecht:
0
0
Ich bin selbst Protestant, habe selbst den Rücktritt als überzogen kritisiert, aber jetzt eine Feminismusdebatte draufzusatteln ist albern. Es zeigt nur eine tiefe Unkenntnis der Jusos über die Verfasstheit der evangelischen Kirche.
Gut oder schlecht:
0
0
Ich finde der Autor hat den Punkt getroffen. Es geht doch darum, wie unterschiedlich auf das Verhalten von Männern und Frauen in öffetnlich-politischen Positionen reagiert wird und wie diese bewertet werden.
Strategisches Handeln, Machtbewusstsein, konsequentes Vorgehen in Karrierefrage – all das sind Punkte, die Männern positiv zugeschrieben werden und Frauen negativ. Daher ist das Konstrukt des Herrn Käßmann auch nich übertrieben, sondern soll auf überspitze Art und Weise zeigen, wie eine unterschiedliche Bewertung von Frauen und Männern, die in der Öffentlichkeit stehen, vorgenommen wird.
Gut oder schlecht:
0
0
Gleich vorweg: Ich bin jemand, der weiterhin glaubt, dass die Gleichstellung von Mann und Frau noch nicht erreicht ist und wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Trotzdem habe ich mit diesem Artikel Bauchschmerzen.
Denn interessant ist auf den Kommentar über mir bezogen eher, wie hier Reflexe funktionieren. Frau Käßmann hat sich strafbar gemacht – nicht mehr, nicht weniger. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie Mann oder Frau ist, sie hat eine Straftat begangen, gegen die sie selbst ein Jahr vorher noch öffentlich als “Unverantwortlich” gewettert hat. Nun ist sie selbst unter Alkoholeinfluss hinter das Steuer gestiegen und erwischt worden. Der Rat der Evangelischen Kirche hat sich hinter Käßmann gestellt und viele andere in diesem Land, hätten es auch akzeptiert, wenn Frau Käßmann in ihrem Amt verblieben wäre. Sie hätten nicht wochenlang laut auf der Straße demonstrierend ihren Rücktritt gefordert, weil sie eine Frau ist, da bin ich mir ziemlich sicher.
Sie hat allerdings persönlich anders entschieden, weil sie ihre Glaubwürdigkeit beschädigt sah. Dafür gebührt ihr Respekt, nicht jeder würde in dem Fall so handeln. Nicht jeder, egal ob männlich oder weiblich übrigens. Beispiel für Frauen, die an Ämtern kleben, gibt es auch, das ist keine Eigenschaft, die sich ans Y-Chromosom kettet. Der Umstand, dass es weniger häufig sichtbar wird, leitet sich aus einer Ungerechtigkeit ab: In unserer Gesellschaft sind immer noch nicht genug Frauen auf Spitzenpositionen, um in diesen negativ aufzufallen. Wir sollten daran arbeiten, dass Männer gleichermaßen wie Frauen die Gelegenheit haben, sich zu blamieren, Ämter zu missbrauchen und Skandale auszulösen.
Spaß beiseite.
Frau Käßmann hat hier Geradlinigkeit bewiesen. Wundern tun mich eher die Kommentare hier, die ein solches Verhalten Männern pauschal absprechen (“was sich aus meiner Sicht also ändern muss, ist, dass man den hier genannten “Herrn Käßmann” und andere Männer zum Rücktritt z w i n g e n muss…”). Wer sagt denn, dass ein “Herr Käßmann” in der gleichen Situation nicht auch zurückgetreten wäre? Außerdem hat sie für diesen Schritt von allen Seiten größtes Lob bekommen. Ein Zeichen dafür, dass es nicht als Selbstverständlichkeit hingenommen, sondern ihr als Person hoch angerechnet wird. Es gab genauso Artikel in den Zeitungen, die sie verteidigt und den Rücktritt als unnötig beschrieben haben. Von Männern geschrieben.
Hier also den Eindruck zu erwecken, Frau Käßmann wäre vom System und dem machtgeilen Patriarchat zum Rücktritt gezwungen worden wirkt weit hergeholt.
Und deshalb ist es für mich seltsam, warum mit dieser Geschichte ein Geschlechtergrabenkampf ausgelöst wird bzw. ausgelöst werden muss. Das gilt besonders für den Satz
“Denn auch wenn es derzeit keine überzeugenden Anzeichen dafür gibt, dass die EKD-Vorsitzende Opfer eines Männerkomplotts wurde, so ist sie doch Bürgerin einer Gesellschaft, in der die Existenz von Frauen in Führungspositionen (jedem Merkelismus zum Trotz) von vielen noch immer als rares Kuriosum gesehen wird, verbunden mit einem stillschweigenden Bewährungsvorbehalt: Zeig du mal, was du kannst.”
Das heißt im Klartext: Ich habe keinen überzeugenden Beweis, dass dieser Vorfall mit dem Thema Geschlechterdiskriminierung zusammenhängt, aber ich stelle ihn trotzdem zwanghaft in einem Zusammengang. Der zweite Teil stimmt ja uneingeschränkt, eine Frau in Spitzenposition hat immer noch Seltenheitswert, ihren ckarakterstarken Rücktritt nach einer Straftat allerdings als Lehrstück für Frauendiskriminierung zu deuten, finde ich seltsam. Da habe ich eher den Eindruck, dass so manche Person still in sich hinein wütend darüber ist, was passiert ist und eine klasse Frau in Führungsposition deswegen für sich selbst entschieden hat ihre Ämter aufzugeben. Frei nach dem Motto: “Sie hätte doch genauso wie einige Ganoven einfach an ihrem Amt kleben können…” und weil sie es im Gegensatz zu manch anderer öffentlichen Personen nicht getan hat, soll jetzt das Patriarchat schuld sein. Nehmt es doch bitte, wie es ist.
Bitte lasst uns solche Themen doch nicht von so weit herholen und eher daran arbeiten, dass wir konkrete Benachteiligung aller Menschen Stück für Stück beseitigen. Da gibt es Baustellen (wie die Herdprämie), die erfordern dringend unsere Aufmerksamkeit.
Und zum Schluss nach wie vor Respekt und Anerkennung für Frau Käßmann und alle Menschen, die so geradlinig handeln.
Gut oder schlecht:
0
0
Käßmann ist sicherlich aus sehr übermoralischen Gründen gegangen. So etwas passiert nur guten Menschen. Das von den Scheiß Managern mehr Männer sind liegt auch daran, das insgesamt mehr Männer in Managerposten sind. Den Einzelfall jetzt als Präzedenzfall auszuschlachten mag vielleicht falsch sein, aber ein feministischer Blick ist durchaus richtig, wenn er allerdings mehr ne Massage an die Männer ist, sich nicht so aufzuplustern. Allerdings könnte man Geschlecht auch ganz rauslassen und diese Debatte auf Evangelisch-Katholisch führen usw. Wichtig ist nur, leute achtet auf eure Kommunikation, demut zu zeigen, rücksicht zu nehmen, mal nen Gang zurückzuschalten ist in unserer Gesellschaft nicht mit besonders Männlich dotiert und wird auch in der kapitalistischen neoliberalen Denke nicht wertgeschätzt. Insofern bestärkt Kapitalismus Frauendiskriminierung, was allerdings zu weit führt.
Außerdem fand ich es überzogen dass sie zurückgetreten ist. Denn Fehler gehören dazu und ein reflektierter Umgang damit wäre wünschenswerter gewesen.
Gut oder schlecht:
0
0
Was für ein Humbuck. Käßmann hat von allen Seiten der EKD zu hören bekommen, sie müsse NICHT zurücktreten. Das sie es doch getan hat, ist zwar meiner Meinung nach vernünftig, weil sie sicherlich Vertrauen eingebüßt hat, aber das hätte jeder Mann auch. Was zählt ist, sie hat es aus freien Stücken getan.
Was ich viel faszinierender finde ist, dass der Artikelschreiber hier selbst, der einzige zu sein scheint, den in diesem Geschlechterschema denkt und das ist echt auffällig. Das Geschlecht war aber meiner Meinung nach in diesem Fall absolut unerheblich, nur weil Althaus damals nicht sofort den Hut genommen hat ist das noch längst kein Indikator dafür, dass etwas in unserer Gesellschafft ein Problem mit Frauen hat. Es zeigt mir nur, dass Frau Käßmann ihre Aufgabe und die Auswirkung ihres Verhaltens wesentlich besser einschätzt als Althaus.
Gut oder schlecht:
0
0
Der Autor macht sich mit dieser Behauptung lächerlich. Sie hatte den Rückhalt der Kirche und ist dennoch zurückgetreten. Daraus nun solch antifeministischen “Fakten” zu konstruieren ist nun völlig am Thema vorbei.
Gut oder schlecht:
0
0
Spannend, welch harsche Reaktionen das Thema hervorruft.
Zur Klarstellung: Wer den Artikel aufmerksam liest, stellt fest, dass
- er nicht sagt, dass eine Ursache-Wirkungs-Beziehung besteht, er sagt nicht: Sie tritt zurück, weil sie eine Frau. Solche Zusammenhänge kann man in der Gesellschaftsanalyse gar nicht herstellen (@Jan: da hast du recht, aber der Text sagt auch nichts anderes).
- er nicht sagt, Frauen oder Männer handeln so oder so, weil sie biologisch so sind
- er keine Analyse der Situation in der EKD, des Protestantismus, oder der Eigenlogik des Kirche unternimmt. Ich glaube zwar auch, dass Frau Käßmann in der EKD Gegner/-innen hatte, und die Erklärung fand ich auch nicht soooo unterstützend. Man hat sie dort aber nicht zum Rücktritt gedrängt, zumindest nicht öffentlich.
- er nicht sagt, sie hätte im Amt bleiben sollen. Die Entscheidung finde ich repektabel, den begangenen Fehler durchaus schwerwiegend. Und er ist auch keine Aufforderung, an andere Frauen, ähnliche Fehler zu begehen udn dann im Amt zu bleiben.
Also lasst uns doch nicht darüber streiten, was der Artikel NICHT beleuchtet, sondern was er beleuchtet:
Der Kern der Geschichte aus feministischer Perspektive ist, dass es historisch gewachsene Strukturen, Rollenerwartungen und internalisierte Verhaltensmuster gibt, die TENDENZIELL dazu führen, dass Frauen nicht nur schwerer in Führungspositionen gelangen, sondern dort auch unter prekäreren bedingungen agieren müssen. Diesen Aspekt (nicht: diese Ursache!) hatten auch andere öffentlich gefallene oder verwundete Frauen (Simonis, Ypsilanti, Lieberknecht usw.) Einigen mag das egal sein, aus Gleichstellungssicht ist es ein Unding.
Es ist doch bezeichnend wenn ein Kommentar darüber spricht, hier ginge es darum, eine Debatte “draufzusatteln”. Als wenn man menschliches Handeln einfach von gesellschaftlichen Verhältnissen ablösen könnte.
Respekt vor Frau Käßmann. Die Debatte ist aber notwenig, auch wenn sie manchen weh tut und manche wutschnaubend macht.
Gut oder schlecht:
0
0
@ Matthias
Das Problem ist: Der Artikel suggeriert, dass ein Mann in dieser Situation nachsichtiger behandelt worden wäre. Und dass Käßmann ihr Fehler von der Öffentlichkeit nicht verziehen wird, eben weil sie eine “Frau in Führungsposition” ist.
Beides hat keine Grundlage, sondern basiert auf der Vorstellung des Autors “man stelle sich vor…” Und deshalb habe ich darauf hingewiesen, dass Frau Käßmann von der Öffentlichkeit eben nicht zerissen worden ist, sie eben nicht in eine ganz besonders prekäre Lage gtrieben wurde, sondern ein geteiltes Echo hervorgerufen hat, wie es bei einem männlichen Kollegen auch der Fall wäre. Ich habe darauf hingewiesen, dass es keinen Grund für eine solche Debatte anhand DIESES Falls gibt, und der Autor sagt dies im Prinzip ja selbst in seinem Text.
Worüber reden wir hier dann eigentlich?
Dass Frau Käßmann persönlich entschieden hat, ihren Hut zu nehmen, kann doch nicht als Vorwurf an die Gesellschaft gerichtet werden. Sie hätte es auch nicht tun können; mit den gleichen Konsequenzen für ihre Glaubwürdigkeit wie bei einem Mann auch. Machen wir uns doch nichts vor, und ich übertreibe jetzt mal bewusst:
Wenn man morgen den Papst mit Koks und Nutten im Puff findet, dann wird er wohl auch ein Problem haben. Selbst als Mann und Obermuffti in einer der männerfreundlichsten Organisation der Erde.
Und jetzt mal ganz im Ernst – Ich habe vorhin einen ähnlichen Artikel bei SPON von Alice Schwarzer gelesen, der das gleiche behauptet: Ein Mann wäre in dieser Situation nicht zurückgetreten. Pauschal.
Wenn das NICHT auch die Intention DIESES Textes ist, warum steht er dann hier mit der Überschrift “Strukturelles Patriarchat: Der Fall Käßmann als Lehrstück”? Ich verstehe ja, dass es durchaus Situationen gibt, in der Männer und Frauen unterschiedlich behandelt werden. Aber das ist hier einfach in keinem Punkt nachweisbar.
Der Fall ist eben KEIN Lehrstück.
Gut oder schlecht:
0
0
Finde es schade das man aus jedem X-beliebigen Vorfall nach irgendwelchen Mustern hauptsache irgendwas stricken muss.
Jede praktizierende Christin und jeder Christ hätte in dieser Situation so reagiert wie Frau Käßmann. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun sondern mit einer grundsätzlichen Überzeugung die man für dieses Amt haben sollte.
Gut oder schlecht:
0
0
Mir scheint die Tatsache, dass gerade Männer an Ihren Ämtern und Positionen kleben, nicht gerade neu. Deswegen vielleicht auch die Überraschung ob ihren Rücktritts? Nach dem Motto: Wegen eines solchen Vergehens gleich zurücktreten? Da müssten ja noch ganz anderen ihren Hut nehmen? Denn die Antwort wäre ja nur allzu oft: Ja, müssten sie, sollten sie!
Ich bedaure Frau Käßmanns Rücktritt sehr, finde ihn nach ihrem schweren Fehlverhalten aber richtig und konsequent. Das schließt für mich auch nicht aus, dass sie einen Weg zurück in die politische Diskussion finden wird.
Was allerdings ihre Nachfolge angeht bin ich sehr pessimistisch.. möchte jemand Wetten bezüglich des Geschlechts der Nachfolge anstellen?
Gut oder schlecht:
0
0
Also ich finde die Sichtweise des Artikels sehr interessant. Mit den Kirchen habe ich nicht viel am Hut und in den letzten Tagen hatte ich zum Fall Käßmann meist nur eins zu sagen: “Aber Kinder hat sie nicht angefasst und auch keine Missbrauchsfälle vertuscht.” Vulgär, ich weiß.
Der Vergleich mit dem Fall Althaus hat mich jedoch zum Nachdenken angeregt. Dieser Ministerpräsident einer “christlichen” Partei, der eine Frau umgebracht hat, fühlte sich selbst gegenüber nicht verpflichtet zurückzutreten. Ob das nun daran liegt, dass er ein Mann ist oder ob es der Tatsache geschuldet ist, dass er Ministerpräsident war und an einen solchen eben kein besonders hoher moralischer Anspruch besteht, vermag ich nicht zu sagen.
Der Vergleich ist jedenfalls interessant und bringt sicher einige Menschen zum Nachdenken. Und das sollten wir alle viel öfter mal wieder tun.
Gut oder schlecht:
0
0
Ich habe den Artikel auch vor allem als einen Denkanstoß verstanden. Nicht nur über das, was von Männern und Frauen erwartet wird und welche (unterschiedlichen) Ansprüche an die Erfüllung ihrer Rollen gestellt werden, sondern auch in wie weit diese Erwartungen internalisiert und zu eigenen Wertmaßstäben werden. Ich habe im Artikel nicht gesehen, dass es um die Evangelische Kirche oder (@Jan) primär darum geht, dass Herr Käßmann von den Medien nachsichtiger behandelt oder ihm der Fehler wahrscheinlicher verziehen worden wäre. Für mich bleibt spannend, wie Erwartungen der Umwelt/Gesellschaft in das Selbstbild übernommen werden und damit natürlich auch in “persönlichen” Entscheidungen wirken. Ob das bei Frau oder Herr Käßmann der Fall war, kann natürlich nur spekulativ bleiben. Diese Möglichkeit aber überhaupt zu denken und zu reflektieren, empfinde ich als absolut lohnenswert.
Gut oder schlecht:
0
0
Ich finde, dieser Vorfall zeugt für Vernunft und Würde von Frau Käßmann. Sie hätte auch Gründe gehabt, nicht zurückzutreten, da ihr von allen Seiten der Rücken gestärkt wurde. Herr Althaus scheint diese Würde nicht zu besitzen.
Eine starke Frau muss gehen, schade!
Gut oder schlecht:
0
0
das ist eh alles schwachsinn, was hier auf der Seite steht.
:D:D:D:D::D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D:D
Gut oder schlecht:
0
0
Frau Käßmann musste ja gar nicht zurücktreten. Sie hat diese Entscheidung selber getroffen, wohl, um sich ein letztes Fünkchen Integrität zu sichern.
Es ging hier ja wohl kaum darum, dass sie zufällig weiblich ist, sondern um ihr Amt, an das selbstmurmelnd noch ganz andere moralische Ansprüche gestellt werden, als an das eines Ministerpräsidenten oder andere käufliche Menschen.
Von Politikern erwartet man in diesem Land doch schon lange keine Integrität oder das Einhalten eines gewissen moralischen Verhaltenskodex, der der Würde ihres Amtes entspräche, mehr. Siehe Koch. Wen wundert es da, dass immer mehr versuchen, auf ihrem Posten kleben zu bleiben, selbst wenn sie mit den Fingern in der Keksdose erwischt wurden?
Ist Steinmeier etwa gegangen, nachdem herauskam, wie er Murat Kurnaz hängenliess? Nein, er wird Fraktionsvorsitzdender der SPD-Bundestagsfraktion. Zweifelt das etwa einer von den SPD-Heuchlern an? Nein, er ist ein “Mann mit viel Erfahrung” und “Kompetenz”. “Wir setzen unser Vertrauen in ihn.”
Gut oder schlecht:
0
0