Abonnieren: Artikel / Kommentare / via E-mail

Arbeiten bis zum Umfallen?

Donnerstag, 15.April 2010 von

Aktuell, Arbeit & Soziales, Schwarz/ Gelb, SPD

Man mag der SPD im letzten Bundestagswahlkampf zu Recht vorgeworfen haben, mit der Rente mit 67 die Lebensrealität vieler älterer Beschäftigter aus dem Blick verloren zu haben. Doch was Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen nun in der Rheinischen Post von sich gab, ist entweder Wahlkampfgetöse um die konservativen WählerInnen in NRW anzusprechen oder aber die pure Ignoranz.

Von der Leyen forderte, keine Veränderungen an den Rente mit 67 vorzunehmen, schließlich könnten Beschäftigte, die aus gesundheitlichen Gründen aus ihrem Job aussteigen müssten einfach einen anderen mit einer geringeren körperlichen Belastung aufnehmen. Damit spricht sie zwar zu Recht an, dass in der Tat eine breite Diskussion darüber geführt werden muss, warum ältere Beschäftigte heute im Schnitt viele Jahre vor dem derzeitigen Renteneintrittsalter das Berufsleben verlassen müssen. Eine Weiterbildungsoffensive sowie der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen wären hier die politischen Ansatzpunkte. Doch zum einen fehlt es bislang an einer politischen Initiative der Bundesregierung genau zu diesen Themen. Und zum anderen ist und bleibt die Rente mit 67 eine faktische Rentenkürzung für diejenigen, die etwa aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden müssen. Oder anders formuliert: Erst wenn den meisten Beschäftigten ein längeres Verbleiben im Berufsleben faktisch ermöglicht wird, darf über eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit diskutiert werden. Es ist deshalb richtig, dass die SPD schon im Bundestagswahlkampf Ausnahmen gefordert hat.

Die Bundesministerin appellierte im gleichen Interview auch an die ‚Vernunft‘ der SPD. Das tun wir Jusos auch. Dabei haben wir aber wahrscheinlich ein anderes Verständnis von Vernunft. Spätestens nach dem in diesem Jahr zu erwartenden Bericht der Bundesregierung über die Beschäftigungschancen älterer ArbeitnehmerInnen muss sich die SPD diesem Thema widmen und eigene Antworten formulieren, die sich an den Lebensrealitäten der Menschen orientieren. Dabei muss genauso erörtert werden, wie flexible Übergänge in die Rente für diejenigen geschaffen werden können, die vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter aus dem Beruf aussteigen müssen, wie die Frage, wie mit ArbeitnehmerInnen umgegangen wird, die wegen eines frühen Berufseintritts sehr lange Beiträge gezahlt haben. Klar ist: Die SPD muss Antworten geben, die dem Bedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit gerecht werden. Die Politik der Bundesregierung macht deutlich, dass es eine solche Alternative braucht.

Be Sociable, Share!

Tags: , ,

2 Kommentare

  1. Philipp Dörner sagt:

    Der Hauptgrund für die Rente ab 67 ist in meinen Augen eine “Schonung” der Rentenkasse, welche weder Rücklagen noch sonst irgendetwas hat.
    Das ganze ist u.a. aufgrund des Demographischen Wandels so, aber auch aufgrund der privaten, die die besser verdienenden und wenig kranken Arbeitenden der gesetzlichen Rentenkasse vor der Nase wegschnappen, somit weniger einnahmen.
    Ein weiterer Grund für zu wenig einnahmen sind in meinen Augen die Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen, die einfach viel zu Niedrig bei den läppischen 4000 € (da um den dreh isse, zwischen 3500 und 4000) aufs Monatsgehalt.

    Man hofft halt dadurch ein paar weniger Kosten zu haben damit die Rentenversicherung entweder wieder Reserven aufbauen kann, oder der Staat wieder ein wenig mehr Geld zur Verfügung hat für andere Stellen (wo diese jetzt sind oder seien sollen sei mal dahingestellt).

    Den Grund, das man, durch die höhere Lebensdauer bedingt, auch länger arbeiten könne bezweifle ich gar nicht.
    Was aber de facto einfach nicht da ist währen eben diese Arbeitsplätze die für das längere Arbeiten auch benötigt werden.
    Ältere Arbeiter gelten als unproduktiv und werden entlassen oder in frühzeitige Rente geschickt oder sonstwie.
    Die wenigsten bleiben in ihrem Beruf tätig bis sie wirklich das Rentenalter erreicht haben.
    Wenn also die Arbeitsplätze nicht da ist, bringt es auch nichts, das man länger arbeiten kann.
    Damit so etwas funktioniert gehören eben 2 Dinge dazu, der Arbeitende und der Arbeitsplatz, wenn eines von beidem fehlt (das letztere in diesem Fall) bringt das ganze Konzept nichts.
    Wie man den Rentenkassen helfen könnte habe ich ja gepostet, damit wären alle mir bekannten Argumente für Rente 67 beseitigt und wiederlegt.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. Philipp Dörner sagt:

    Ich entschuldige mich für die Rechtschreib- und Grammatikfehler.
    Ich bin in Eile, verstehen kann man meinen Beitrag hoffentlich trotzdem.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Aktiv werden. Jetzt! Juso-Template downloaden und selbst bloggen!
Afghanistan Arbeit Armut Atomausstieg Atomenergie Banken Bildung Bundestagswahl CDU CSU Demokratie Dresden Dresden-Nazifrei EU Europa FDP Finanzmärkte Finanztransaktionssteuer fiskalpakt Frauen Freiheit Frieden Gegen Rechts Gerechtigkeit Gleichstellung Hartz IV Hochschule Hochschulpolitik Krise Merkel Nazis Netzpolitik Regierungsprogramm Rente Schwarz Gelb Sexismus Sozialpolitik SPD SPD erneuern Steinmeier Steuern Studiengebühren Umverteilung Wahlkampf Wirtschaft
Neueste Flickr Fotos

Polls

Internetzugang als Grundrecht im Grundgesetz?

  • Nein (100%, 5 Votes)
  • Ja (0%, 0 Votes)

Total Voters: 5

Loading ... Loading ...