Sind Sie eigentlich nervös?
Dienstag, 27.April 2010 von Sonja
„Ein Aktionär wollte es ganz genau wissen: „Ist man vor so einer Premiere eigentlich sehr nervös?“, fragte er Simone Bargel-Trah, die neue Aufsichtsratsvorsitzende des Henkel-Konzerns. Die schlanke Frau mit den langen blonden Haaren, hätte am Montag allen Grund gehabt, aufgeregt zu sein“…. (Süddeutsche Zeitung, 20.4.2010)
Die erfreuliche Meldung, dass endlich eine Frau an der Spitze eines Aufsichtsrates eines großen Konzerns steht, geht in dieser Artikeleinleitung fast unter – unter in der Wut, dass man so was heute in einer großen – meines Erachtens renommierten Zeitung – noch zu lesen bekommt. Der Verweis auf den männlichen Autor des Artikels lindert meine Wut kein Stück – warum auch?
Vorwurf 1:
Es sind sicherlich tausend interessante Fragen von Aktionärinnen und Aktionären auf der Konferenz gestellt worden, welche zum Unternehmen, zum Programm von Frau Bargel-Trah, aber auch dazu, wie sie die Unternehmenspolitik in Richtung mehr Frauen in Führungspositionen beeinflussen will. Aber: nein, der Autor entscheidet sich für diese softe Frage, die die neue Frau an der Spitze direkt in eine Niedlichkeitsecke drückt . „Oh, ist unsere nette, kleine neue Aufsichtsratsvorsitzende eigentlich nervös? Och, macht nichts Kindchen, das schaffst du schon.“ Noch nie habe ich einen Artikel über einen Mann gelesen, der so anfing…
Vorwurf 2:
Mir ist doch wirklich total egal, ob die Haar blond und lang oder lila und kurz sind, obwohl letzteres für den Aufsichtsratsvorsitz eher ungewöhnlich wäre und schon fast wieder eine Erwähnung wert wäre. Schlank ist sie auch noch die neue Frau an der Spitze. Super. Da wird sie ihren Job bestimmt direkt viel besser machen können. Fehlte nur noch die Frage nach der Familienplanung (aber später findet sich der Verweis, dass sie 41 ist, was auch zur Frage hätte führen können, wer denn jetzt auf die Kinder aufpasst, wenn sie denn welche hat). Aber die hat sich offensichtlich hier mal niemand getraut zu stellen – oder der Autor musste doch noch ein paar Sachinformationen unterbringen…. Diese Reduzierung auf das Aussehen springt hier so eklatant ins Auge, dass es schon wehtut. Wann hört die Gesellschaft – ja ich verallgemeinere jetzt, aber finde das in Anbetracht zahlreicher Beispiele auch legitim – endlich an, Frauen in ihrer Kompetenz wahrzunehmen?
Vorwurf 3:
Man hätte den Artikel, ja auch die Einleitung dazu nutzen können, mal zu feiern oder zumindest anerkennend anzumerken, dass wenigstens ein Großkonzern mal eine Frau an die Spitze des Aufsichtsrates stellt.
Um unserem Autor nicht Unrecht zu tun: Das wird auch direkt nach dieser grottigen Einleitung erwähnt, dann schließt sich aber an: „Doch schon nach der Begrüßung… wird klar: Hier steht eine selbstbewusste Frau.“ Doch??? Was soll das denn jetzt? Obwohl sie eine Frau ist, ist sie selbstbewusst? Klasse. Und das noch zusammen mit blond und schlank. Da vermutet man ja fast, dass diese Frau eher geklont ist, als ein Produkt natürlicher Fortpflanzung und gesellschaftlicher Sozialisation.
Fazit:
Die Wut wird nicht weniger, je weiter man liest. Einzelne Worte, die Auswahl der Zitate, alles zeugt von einem geschlechterunreflektierten Verständnis der Welt. Man könnte es nur auf den Autor schieben. Doch ein Einzelfall ist er leider nicht.
Tags: Fight for Feminism, Gleichstellung












Und war sie nun nervös? – Ist es eigentlich jetzt ein Gewinn wenn jemand im Aufsichtsrat eines der größten Schweine-Konzerne aus dem DAX sitzt? Ist es ein Gewinn für die Frauenwelt wenn sie die gleiche Scheiße macht wie die Männerdominierte Kapitalistenwelt? Mitnichten. Ansonsten wäre es ja auch ein großer Gewinn wenn mehr Frauen in Gefängnissen sitzen würden als Männer.
Nun jetzt hat der Kapitalismus ein weibliches Gesicht mehr. Hurra. Henkel. Ein Mörderkonzern setzt sich ne Frau an die Spitze. Wer findet das toll?
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Ja, was ich bei so etwas mitlese, auch wenn es da nicht steht: Endlich hat es mal eine Frau geschafft, sich für so einen Job zu qualifizieren. Dabei ist Frau Bargel- Trah bestimmt nicht wesentlich intelligenter und besser ausgebildet als viele ihrer Geschlechtsgenossinnen. Es gab da aber wohl ein paar Männer, die eine Frau zugelassen haben.
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Stimme dir voll und ganz zu, hätte eigentlich nur noch ne Prise Ironie vermischt mit süßem Sarkasmus gefehlt.
Die Medien heutzutage sind allerdings auch sehr unbrauchbar, überall wird um den heißen Brei geredet damit keiner wirklich Ahnung hat was Sache ist und das wirklich interessante wird sowieso immer weggelassen.
Naja, wird man nichts dran ändern können, Medien sind eben auch konsumorientiert.
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