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Fußball und Nationalismus – ein Versuch

Mittwoch, 30.Juni 2010 von

Antifa

Wer’s noch nicht bemerkt hat: die Fußball-Weltmeisterschaft läuft. Jedem politisch sensiblen Menschen drängt sich angesichts einer unheimlichen Präsenz nationaler Symbolik die Frage nach dem Wohl und Wehe des Nationalismus auf. Angesichts von Flaggen, Hüten, Tröten und anderem Nippes in Nationalfarben, permanenten Apellen an ein (diffuses, in der Regel aber männlich-heterosexuell-weißes) „Wir“ sowie einer feuilletonistischen Verheißung eines neuen, harmlosen, netten und sonnengetränkten Patriotismus, kann man der Debatte über Fußball und Nationalismus nicht mal mit der geschicktesten Körpertäuschung entgehen.

Spektakel und Kommerz

Fakt ist: Die Fußball-Weltmeisterschaft ist eine nationalistisches Spektakel. Sie grenzt über den Topos „Nation“ ab, weist Nationen Eigenschaften zu („rassige Chilenen“, „deutsche Tugenden“, „Samba-Brasilianer“ usw.) und inszeniert nationalen Wettstreit. Die Erzählung von der „Nation“ ist das bestimmende Narrativ einer WM. Ein Championat, bei dem Nationen gegeneinander antreten um den Sieger unter ihnen zu ermitteln nicht als nationalistisch zu bezeichnen, ist schlicht Begriffswillkür und Realitätsverweigerung. Let’s face it.

Sollten wir deswegen die WM ignorieren und ablehnen? Oder gar den Fußball als große Verblendungsmaschinerie brandmarken und gänzlich abschaffen, wie es Terry Eagleton fordert? Nein, das wäre barer Unsinn. Denn tatsächlich würde somit das Symptom erhöht und mit der Krankheit verwechselt. Denn so wirksam ist selbst die affektive Beziehung zwischen Fußball und Nationalismus nicht, als dass der Ballsport die Ungleichwertigkeitsideologie gleichsam als Halbzeitpausentee verabreichen könnte. Betrachtet man nämlich das in der Regel kurzzeitige Phänomen Flaggenmeer etwas näher, stellt es sich größtenteils als PR-Nummer raus. Nicht nur, dass der geradezu aberwitzige Mega-Trash, der mittlerweile in schwarz-rot-gold zu haben ist, jeder guten Sozialistin beweist, dass die kapitalistisch-kulturindustrielle Verwertungsmaschinerie vor nichts, aber auch schon gar nicht vor den ach so ehrwürdigen Emblemen der Nation Halt macht. Auch dieser zwanghafte, genormte, forcierte, ungelenke und unechte (so sinngemäß die letzte „11 Freunde“) Public-Viewing-Uniformismus, die wohltemperierte Aller-zwei-Jahre-Unterstützung völlig unreflektierter Eventfans, ist tatsächlich jedem wirklichen Fußballfan ein Graus – Nationalismus hin oder her. Die Omnipräsenz nationaler Symbolik ist also eher dem Kommerz als dem Fußball zuzurechnen.

Katalysator des nationalen Denkens

Tatsächlich liegen die Probleme tiefer. Der Fußball allein produziert wohl kaum vorher gänzlich unbekannte Ressentiments, Zuteilungen oder Aggressionen in der Bevölkerung. Vielmehr kann er (und tut es oft) Katalysator sein für Alltagsrassismus, Homophobie, Sexismus und weitere Dimensionen des „Extremismus der Mitte“. Fußballkontexte, ob im Stadion oder beim WM-Gucken im Freundeskreis, ermöglichen ein Ausweiten des Sagbarkeitsfeldes, also einen Kontext, indem „okay“ ist, was sonst zu Recht verpöhnt wird. Der Zusammenhang zwischen einer Fußball-WM und höheren Zustimmungsraten zu Ideologien der Ungleichwertigkeit und Menschenfeindlichkeit ist leider evident. Fußball ist nicht per se häßlich, gibt aber dem Häßlichen eine Bühne.

Was Nationalismus angeht, ist für uns Jusos die Sache klar. Wir lehnen nationalistische Denkmuster und Handlungen ab. Wir brauchen keine nationale Symbolik, denn wir setzen der nationale Denke eine universalistische entgegen. Alle Menschen, nicht nur „Deutsche“, stehen im Fokus unserer Politik. „Deutschland“ ist für uns kein normativ positiver Bezugsrahmen, es ist lediglich die administrative Einheit in der wir leben, und die wir demokratisch gestalten wollen.

Deswegen aber Plastikfahnen von Autos abzubrechen, ist reichlich kurz gesprungen. Wir sollten uns den Folgen des Nationskonstrukts dort entgegen stellen, wo sie wirkliches Unheil anrichten. Die Zugehörigkeit zur „Nation“ entscheidet nämlich selbst in liberal-demokratischen Staaten wie Deutschland darüber, ob man einreisen darf, sich frei bewegen darf, wählen darf, arbeiten darf oder soziale Leistungen in Anspruch nehmen darf. Daher darf die Analyse des Nationalismus nicht abstrakt bleiben, sondern muss stets die konkreten Umstände von Einschließung und Ausschluss verdeutlichen. Die Residenzpflicht für Asylbewerber/-innen, die Alltasgdiskriminierung von Nicht-Deutschen von Behörden oder die Subvention deutscher Automobilwerke, um „unsere“ Arbeitsplätze auf Kosten der „Ausländer“ zu retten, sind aus nationalismuskritischer Sicht allemal schwerwiegender als drei Jugendliche im DFB-Dress.

Und der Fußball?

Mit diesem Wissen lässt sich der vermeintlichen Gretchenfrage, ob es denn „okay“ sei, sich über ein Tor der DFB-Elf zu freuen, weit gelassener begegnen. Jede nach ihrer Facon. Manche jubeln Ghana zu, andere Italien und hier eben viele Deutschland. Solange ein Klima der Toleranz besteht (das ist nicht immer der Fall), besteht kein Anlass, ausgerechnet das zur politischen Schicksalsfrage zu erheben.

Sicher ist manchen Fahnenschwenker/-innen der Fußball ein willkommener Anlass, großdeutsche Sehnsüchte auszuleben (ob Mesut Özil denen ein guter Ersatz für Kaiser Wilhelm ist, mögen sie selbst entscheiden). Aber viele der Menschen, die Fußballteams zujubeln, würden das gleiche wohl nicht bei einer Militärparade tun. Für sie steht der Sport im Mittelpunkt. Diese Menschen, wirkliche Fans, erkennen auch das schöne, phantasievolle und klassische im Sport, die Ästhetik großen Fußballs. Nicht zuletzt spiegelt sich darin auch eine politische Utopie. Der große Fußball-Intellektuelle und Weltmeistertrainer von 1978, Cesar Luis Menotti , hat dies in sein bekanntes Diktum vom linken und rechten Fußball gefasst. „Beim rechten Fußball wird viel von Opfern und Arbeit geredet. Er wirft den Blick nur auf das Resultat, er degradiert die Spieler zu Söldnern des Punktgewinns.“ Der linke Fußball hingegen, „feiert die Intelligenz“, so Menotti, „er schaut auf die Mittel, mit denen das Ziel erreicht wird, er fördert die Fantasie.“ Kann eine DFB-Elf eigentlich linken Fußball spielen? Kreativ, phantasievoll, der Schönheit verpflichtet? Spätestens seit dem Spiel gegen England muss man sagen: Warum eigentlich nicht…?

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25 Kommentare

  1. Juso-Fan sagt:

    Na ja, nicht jedes um den Arsch geschlungene Deutschlandfahne ist derzeit gleich ein nationales Symbol und eine politische Aussage. Für den einen oder anderen Fan mag das auch nur ein Fanartikel sein, ähnlich wie der Bayern-Schal: Beides ist geschmacklos und ein Zeichen fehlenden Intellekts, aber doch eher ungefährlich.

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  2. [spm]-Blog sagt:

    Problem ist der Nationalismus, insbesondere der deutsche Nationalismus und die Tatsache, dass zwischen “gutem Patriotismus” und “schlechtem Nationalismus” unterschieden wird. Hier ein Text vom [spm]-Blog zu dem Thema:
    http://tinyurl.com/37rpr8b

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  3. bebe sagt:

    mmh, wer sich einen Bayernschal ausgerechnet um den Arsch schlingt, ist wirklich nicht sehr intelligent…

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  4. Georg sagt:

    Hallo Matthias,

    mit Nationalismus beim Sport,z.Zt. eben Fußball, kann ich
    eigentlich ganz gut leben. Für mich ein Ausdruck und
    Darstellung der verschiedenen Völker und Kulturen. Mir
    gefällt`s schon, wenn ich die Bilder der Fan`s beim
    Fußball sehe. Erinnert mich irgendwie an den Karneval.

    Was ich viel schlimmer finde ist, dass die WM in Süd-
    afrika stattfindet, wo doch der Kontinent so viele
    menschliche Katastrophen hat. Dies gerät hier völlig
    in Vergessenheit. Über dieses große Problem habe ich
    bereits am 05. Mai einen Kommentar zu dem Artikel von
    Franziska Drohsel geschrieben.

    LG

    Georg

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  5. Robert sagt:

    Das wirkliche Nationalismus-Problem liegtbie Nazis und nicht bei den vielen friedlichen Fußball-Fans … der Juso-Bundesvorstand beweist mal wieder Geschmacklosigkeit und Arroganz gegenüber dem ganz normalen Lenbensalltag von friedlichen Bürgern … schade!

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  6. Daniel Cammann sagt:

    Tja, Robert,

    zum “ganz normalen Lebensalltag” vieler Bürgerinnen und Bürger gehört aber auch, homophobe und rassistische Meinungen zu vertreten (ohne dass sie “Nazis” wären). Eine gewisse Skepsis gegenüber solcher Nahbereichempirie und dem positiven Bezug aufs gesunde Volksempfinden halte ich für eine elementare Grundlage emanzipatorischer Politik.

    Deswegen, zum Artikel: Ich finds einfach eine angenehm differenzierte Analyse, die sich natürlich gegen schwarz-rot-geilen Wohlfühlpatriotismus wendet, gleichzeitig aber nicht den Fehler vieler Linken macht, bei jedem Jubeln für die deutsche Nationalmannschaft gleich Aufmärsche von Herrenmenschen und das Vierte Reich zu befürchten.

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  7. Heiko sagt:

    Wie jetzt? Soll ich mich etwa dafür rechtfertigen, das ich mir ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft anziehe oder mir die Wangen in den Landesfarben schminke? Also langsam wirds albern und paranoid! Gibt es sonst keine wichtigeren Probleme, als das man wegen so einem Furz ein Fass aufmachen muss?

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  8. Susanne sagt:

    Hallo Matthias,

    kommt mir bekannt vor die Thematik :)

    Ich finde es schön, dass du einen solch differenzierten Blog-Eintrag noch einmal verfasst hast.

    An dieser Stelle wollte ich mal festhalten, dass ich es sehr sehr schade find, dass man oft nur Stimmen hört, die verkrustete extreme Positionen vertreten. Warum kann und soll man nicht differenzieren? Ich persönlich bin keine Befürworterin für das Zerstören von Fahnen, ich heiße es auch nicht gut meine MitbürgerInnen argwöhnisch anzuschauen, wenn diese sich für die deutsche Nationalmannschaft freuen (freue mich im übrigen auch mit dem DFB). Genauso wenig kann ich es nachvollziehen, wenn man total unkritisch schwarz-rot-geil abfeiert und von Selbstreflexion nix hören möchte. Kann es vielleicht auch möglich sein, nicht in schwarz-weiß-mustern zu denken sondern auch in den graustufen dazwischen, so ganz ohne gleich emotional verblendet zu werden?
    Es steht schon in dem Blogeintrag, aber ich kann es ja auch nochmal wiederholen: man kann das auch alles einfach mal differenziert betrachten, man kann fussball gucken, man kann sich für ne mannschaft freuen (ja auch für die deutsche nationalmannschaft, gar kein problem) und nein nicht jedeR mit ner Deutschlandwimpel ist’n Nazi. Aber man kann sich die WM anschauen und dennoch selbstreflektiert und selbstkritisch sein. “Ja aber das ist halt Fussball” ist eine Begründung, die ich so nicht gelten lassen will.
    Man muss sich das mal vorstellen bei Stammtischparolen: Da ist die Konsequenz ja auch nicht, dass die Leute sich nicht mehr zu einem Bierchen treffen sollen, weil es Stammtischparolen geben könnte. Geht zu euren Stammtischen. Aber wisst darum, dass ‘dahergesagtes’ von einem selbst und von anderen nicht unkritisch hin genommen werden kann nach dem Motto ‘ist ja nur so gesagt’.
    Auch hier: Geht zum Fussball. Freut euch mit dem Team, das ihr unterstützt. Aber schaltet euren Verstand nicht aus.

    Niemand will die vielen vielen friedlichen Fans, die einfach nur Spaß am Fussball haben stigmatisieren und mit Nazis gleich setzen. Das wäre falsch und entgegengesetzt von unserem Menschenbild. Aber wir sollten wie immer und in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens wachsam sein und die ‘braunen Schafe’ nicht übersehen, weil es doch “nur Fussball” ist.

    ah, hier sind noch zwei interessante links zu dem Thema, in denen auch differenziert analysiert wird:

    http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/fuehrt-fussball-nationalstolz-zu-rassismus-5555

    http://www.innovations-report.de/html/berichte/gesellschaftswissenschaften/bericht-1442.html

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  9. Serkan sagt:

    Bezeichnend wie dieser Verband immer aufs Neue seine gesellschaftliche Minderheitenposition zementiert.

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  10. Gesellschaftliche Minderheitenposition?
    Angepasst sind Andere!

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  11. Ich halte den Artikel für sehr gut gelungen. Gerade weil er auch Freude und Fahnenschwenken zulässt. Für mich ist dies nämlich eher eine Geschmacksfrage und weniger der Ausdruck irgendeiner politischen Haltung.

    Man muss sich aber trotzdem mal fragen was eigentlich mit Leuten passiert, die beim Public Viewing beispielsweise für Argentinen mitfiebern weil sie Argentiner sind oder weil ihnen der Fußball einfach besser gefällt. Dürfen die unbehelligt jubelen? Da wo ich herkomme ist das nicht immer so ohne weiteres möglich…

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  12. Serkan sagt:

    Der Artikel ist in Ordnung. Auch wenn ich ihn nicht voll teile und die ganze Auseinandersetzung für völlig übertrieben halte, ist er zumindest differenzierend geschrieben und in seinem Fazit ja durchaus versöhnlich.

    Anders einige Kommentare, die ich hier so lese. Und es geht mir nicht um angepasst oder konform, sondern darum ob man mit solchen Positionen Jugendliche da draußen erreicht. Die meisten Leute da draußen würden, wenn sie das lesen, nur den Kopf schütteln und sich fragen, welche Opfer sowas schreiben.

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  13. Matthias sagt:

    Ich kann die Debatte darüber, dass irgendetwas abzulehnen sei, weil es “das Lebensgefühl der Jugend” (was auch immer das ist) nicht widerspiegle, langsam nicht mehr hören. Gern inhaltliche Kritik, aber nur weil etwas eine “gesellschaftliche Minderheitenposition” darstellt, ist es nicht automatisch normativ unterlegen. Zahlreich sind die historischen Beispiele, dass erst aus einer gesellschaftlichen Minderheitenposition heraus Fortschritt erkämpft wurde, der schließlich Mehrheitsposition wurde. Wir hatten ja in der Debatte um jugendliche Lebenswelten festgestellt, dass es “die Jugend” nicht gibt, sondern sehr viele unterschiedliche sozi-ökonomische Gruppen und sozio-kulturelle Milieus. Nicht wenige von denen finden es wichtig, was die Jusos als linker Jugendverband dazu zu sagen haben. Und immer das gesunde Volksempfinden und die schweigende Mehrheit ins Feld zu führen, ist nun ja, nicht eben sehr fortschrittlich.

    Ansonsten gilt das Plädoyer, das Ganze von beiden Seiten aus ohne Schaum vorm Mund zu diskutieren. Das fällt mir eigentlich nicht so schwer, weil es mir bei Fußball in erster Linie um den Sport geht. Deshalb muss man aber nicht blind sein für dessen gesellschaftliche Begleiterscheinungen.

    Wenn es denn zwischen Fußball und Nationalismus gar keine Beziehung gibt, dürfte es ja nicht so schwer sein, das entspannt durch ein paar Argumente zu belegen. Das findet aber offenbar nicht statt.

    In any case: viel Spaß morgen!

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  14. R.L. sagt:

    Ich verstehe das nicht und teile nicht diese Meinung. Hier wird Public Viewing und Fahne zeigen immer mit Rassismus verbunden aber das sehe ich nicht so! Alle feiern zusammen viele Ausländer sind dabei und feiern und wir umarmen uns das schreibt hier keiner? Nein sogar sie werden von Antifa usw. angegriffen nur weil sie eine schwatz-rot-goldene Fahne aus dem Fenster gehängt haben, soviel zur Integration! Und hier wird auch geschrieben das “echte” Fußballfans nicht dahin gehen.. so ein quatsch. Außerdem das Problem mit Rassismus bzw. Nazis liegt nicht nur aller 4 Jahre bei der WM sondern anders wo und dies muss bekämpft werden und da ist Fahne zeigen ein kleines Problem! Achja und soll sich die Menschen von 1989/90 schämen weil sie damals Flagge gezeigt haben???

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  15. dominik sagt:

    ich feier selber bei jeder wm so richtig mit und habe auch mein Balkon mit deutschlandfahnen geschmückt ich finde es gar nicht so schlecht mal so einen zusammenhalt in deutschland zu sehen, dennoch denke ich das die fahnen eher nicht dem land deutschland gelten sondern unserer fußballnational mannschaft schließlich meckern wir ja auch nicht wenn wir dortmund oder schalke fahnen draußen hängen sehen, das ist nämlich ähnlich !

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  16. Serkan sagt:

    Der Artikel ist ja in seiner Schlussfolgerung recht simpel. Bei der WM spielen Nationen gegeneinander – also ist das ganze per definitionem eine nationalistische Veranstaltung und jeder, der sein Land (ja, sein Land, nicht nur seine Mannschaft) anfeuert macht hierbei mit.
    Fein, wenn das so ist, nenn mich Nationalist. Genauer gesagt, nenn mich sogar Doppel-Nationalist, weil ich bei der EM die Türkei und Deutschland (außer im Halbfinale) angefeuert habe. Und wenn Nationalismus dazu führt, dass Manfred aus Bottrop sich ein Özil-Trikot kauft, finde ich diese Art des Nationalismus ziemlich geil.

    Es ist sicher so, dass Fußball auch negative Begleiterscheinungen wie Rassismus im Stadion, Homophobie (Bsp. Daum) oder von mir aus auch Sexismus hat. Das kann man gerne 24/7 anmahnen und kritisieren aber jetzt noch das Konzept einer Fußball-Weltmeisterschaft so in Frage zu stellen, schießt einfach krass über das Ziel hinaus (wie Pereira vorhin). Da gibt es weitaus wichtigere Probleme, denen wir uns zuwenden sollten als diesen nutzlosen Fragestellungen.

    Und by the way: mit gesellschaftlicher Minderheitenposition meinte ich eher Kommentare wie den von Juso-Fan, der eine Deutschlandfahne oder einen Bayern-Schal als geschmacklos und als Zeichen mangelnden Intellekts bezeichnet hat. Wären die Jusos bei mir im Ort so drauf, wüsste ich in welchem Verein ich nicht aktiv wäre…

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  17. Klasse sagt:

    Wenn die Nationalmannschaft mich zu einem Nationalisten macht, macht mich dann mein Bundesligaclub zu einem Sektenmitglied oder ähnlichem? Wenn ich sonst auch am Wochenende mit Schal rumrenne und mein Team anfeuer, warum ist dass dann so ein Unterschied zur WM? Bloß weil es um Nationen geht? Es gab und gibt auch Organisationen, die scheiße sind. Das ist kein Argument.

    Ich freue mich, wenn ich Menschen anderer Herkunft im Deutschlandtrikot sehe. Es zeigt, dass es stellenweise doch mit der Integration geklappt hat, da anscheinend egal ist, welcher Rasse ich angehöre um zum “wir” zu gehören. Der Autor hat keine Ahnung davon, dass auf Public Viewing Events bloß der jüngere Durchschnitt der Gesellschaft widergespiegelt wird, denn ich sehe dort durchaus einige Menschen mit “anderen” Hautfarben. Vermutlich hat er selbst an einer solchen Veranstaltung nie teilgenommen, ist ja doch nur ein nationalistisches Spektakel unserer scheißkapitalistischen Massenkonsumsgesellschaft, let’s face it.

    Aber der Kommentar hier zeigt auch, dass die “Unabhängigkeit” der Jusos nichts weiter als eine bloße weltanschauliche Distanz zur SPD ist. Nur die wenigsten Mitglieder der SPD, die eine gewisse intellektuelle und alterliche Grenze überschritten haben, würden von einer “guten Sozialistin” (was soll eigentliche diese Unterdrückung des männlichen Geschlechts hier? Ich dachte es hieße “SozialistIn”.) reden, und auch nur die wenigsten Mitglieder würden derart paranoid mit der Flagge umgehen – die übrigens als Gegensymbol zur Schwarz-Weiß-Roten Flagge entworfen wurde, sich also bewusst vom Nationalismus früherer Jahrzehnte abwendet.

    Diese Distanz betitelt man dann als “unangepasst und eigenständig”, rührt dann aber im Wahlkampf ordentlich die Werbetrommel für die Positionen und Meinungen der alten Hasen. Die wissen das natürlich, halten aber dezent ihr Schnäuzchen und nehmen die Hilfe gerne in anspruch.

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  18. Kaspa sagt:

    Ich habe selten einen solchen Schwachsinn gelesen.

    Gerade bei dieser WM, wo der Anteil der Spieler mit einem Migrationshintergrund bei ~ 50 % liegt und somit dazu führt, dass sich auch die in Deutschland lebenden “Ausländer” mit der deutschen Nationalmannschaft identifizieren können, von Nationalismus statt Zusammenführung der Kulturen und Nationen zu sprechen ist stupide negative Überinterpretation.

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  19. Matthias sagt:

    Zum Thema demokratischer Sozialismus hat das Hamburger Parteiprogramm eigentlich genug gesagt…

    Serkan hat Recht. WMs sind per definitionem nationalistisch, aber das ist ja an sich nicht wertend. Das ist auch keine Infragestellung, sondern schlicht ne Beschreibung (man kann es natürlich auch infrage stellen – feel free – tu ich aber nicht). Nationalismus ist ein rein analytischer Begriff: eine politische Ideologie, die auf ein Zusammenfallen zwischen einer Nation und einem Staatsgebilde abzielt (http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalismus). Nationalismus ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Nationalschauvinismus. Ich denke nicht, dass WMs automatisch zu Nationalchauvinismus führen, aber dass sie die offene Äußerung nationalchauvinistischer Positionen begünstigen können (siehe die Links von Susanne).

    Tatsächlich geben natürlich auch Nationalteams bestimmte Projektionsflächen ab, und das deutsche ist eben auch Spiegelbild einer Einwanderungsgesellschaft, und das ist gut so. Ob das Zusammenleben von Menschen mit verschiedenen Hintergründen dadurch besser läuft, dass sich Manfred aus Bottrop ein Özil-Trikot kauft, da hab ich meine Zweifel. Leider ist es ja eher so, dass Leute wie Özil Ausnahmeerscheinungen sind, eine Represäntation (wenn man so will) findet ja nicht statt. Vielleicht kritisert Manfred aus Bottrop ja irgendwann einmal die erschreckende Unterrepräsentation von Menschen mit Migrationshintergrund in allen gesellschaftlichen Eliten, Wirtschaft, Politik, Justiz usw. Möglicherweise gelingt es ja, ich würde es mir wünschen.

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  20. Ah so... sagt:

    Wer in anderen Staaten Menschen massakrieren lässt, um teutonische Wirtschaftsinteressen zu wahren, sollte beim Thema Nationalismus lieber die Fresse halten.

    Ah, hat mit Nationalismus nichts zu tun, sondern mit Kapitalismus, auch egal.

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  21. Stephan aus Lichtenberg sagt:

    Ihr seid doch ehrlich gesagt nicht mehr ganz knusper liebe Genossinen und Genossen!

    In diesem Blog-Artikel wird eine arrogante Haltung angenommen, die ihres gleiches sucht. Was sich zwischen den Zeilen rausliest ist: Wir finden das alles zwar nicht gut, aber tolerieren es. Ihr überschätzt eure eigene Position maßlos!

    Und der Artikel ist mal wieder gesprickt von typischen Wortkonstruktionen (“Public-Viewing-Uniformismus”, “kapitalistisch-kulturindustrielle Verwertungsmaschinerie”) durch die sich der Autor zwar sehr intelligent fühlt aber eher als lächerlich Wahrgenommen wird.

    Der eigene Offenbahrungseid ist dann dann der Absatz:
    “Sicher ist manchen Fahnenschwenker/-innen der Fußball ein willkommener Anlass, großdeutsche Sehnsüchte auszuleben (ob Mesut Özil denen ein guter Ersatz für Kaiser Wilhelm ist, mögen sie selbst entscheiden).”

    Hast Du, lieber Matthias, in Geschichte nicht aufgepasst oder ist dir entgangen, dass Wilhem exakt deswegen Kaiser war, weil die Großdeutsche Lösung eben nicht von ihm angestrebt wurde? Oder meinst Du etwa gar nicht die Frage nach Groß- oder Kleindeutscher Lösung, sondern willst eine diffuse Assoziation zu dem Aufbauen, was die Nazis unter Großdeutsch verstanden? Damit hat aber wiederum keiner der Kaiser was zu tun, aber hey, differenzieren und Geschichtswissen ist ja eh total out! Da lobt man sich doch lieber Bandwortkonstruktionen und dumpfe Parolen.

    Was hier im Landesverband abgeht und auf der Homepage steht ist ja mal mit das finsterste was gerade in der SPD von statten geht! Da lobe ich mir ja meinen pragmatischen Kreis hier in Lichtenberg.

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  22. Stephan aus Lichtenberg sagt:

    @Ah so…
    Menschen massakriegen für teutonische Wirtschaftsinteressen? Ich glaube Du spielst auf Afghanistan an, oder?

    Ich will hier nicht niederschreiben, wie es dazu kam, das die Bundeswehr in Afghanistan ist (kleiner Tip, das fing alles an einem 11. September an), dazu gibts genug Artikel im Netz.

    Aber Du hast natürlich recht, Bundeswehr und andere Armeen raus auf Afghanistan! Dann herrschen da wieder die Taliban mit Zucht und Ordnung. Dann hat zumindest da endlich diese alberne Gleichheit von Mann und Frau ein Ende. Dann können die Taliban wieder Frauen auspeitschen, wo nur der Verdacht besteht sie hätten etwas mit einem Mann, wenn Sie sich öffentlich zeigt, dann gibts was mitm Stock und wo wir gerade beim Fußball sind, dann können im Stadium in der Halbzeitpause wieder Frauen aufm Spielfeld erschossen werden.
    Dafür lohnt es sich doch den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu fordern. Bloß keine Verantwortung für Menschen übernehmen! Die kommen schon selbst damit klar!

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  23. Konter sagt:

    Der Artikel ist mal wieder typsich Deutsch …
    Auch typisch für die so genannte deutsche Linke.
    An allem wird auf Grund einer latent vorhandenen Anti-Haltung herumkritisiert.
    Zwar setzt sich der Autor durchaus differenziert mit dem Thema auseinander, aber seine Ansichte teile ich ganz und gar nicht.
    Die Begeisterung für die DFB-Elf hatte nichts aber auch gar nichts mit Nationalismus zu tun, sie war viel mehr Ausdruck einer Eventkultur in diesem Land, die Leute hätten wohl, wäre es “in” gewesen auch jedem anderem Großereignis zugejubelt. Fußball übt, in Deutschland, nur eben eine andere Anziehungskraft aus.
    Für viel wichtiger halte ich aber einen anderen Punkt:
    In diesem Artikel wird Nationalismus einseitig gebrandmarkt. Und natürlich wird die Nazikeule ausgepackt.
    Patriotismus oder Verfassungspatriotismus wie wir ihn etwa in den USA finden, ist ein gutes Gefühl, für den einzelnen, aber auch für die Gemeinschaft. Den der Stolz auf die gemeinsame Nation schafft Zusammenhalt und bringt eine Gesellschaft zusammen. In den USA etwa ist dabei auch die Herkunft irrelevant, das Bekenntnis zur Verfassung reicht aus um Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Ich würde mir einen ähnliche Kultur auch in Deutschland zu unserem Grundgesetz wünschen.
    Und wenn dann Menschen einem Zapfenstreich der Bundeswehr als Parlamentsarmee zujubeln und sich ein gewisser Stolz auf die Bundesrepublik Deutschland und ihr freies und demokratisches (nicht zu vergessen sozialse!) GG ausbreitet, halte ich das für schön.
    Also schön vorsichtig sein, bei der einseitigen Verurteilung von Patriotismus.
    Denn es besteht in der Bevölkerung durchaus Sehnsucht nach diesem Gefül und wenn wir Demokraten es nicht besetzen, werden es die Braunen und Schwarzen tun und DAS würde man dann Nationalismus nennen.

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  24. Cerano sagt:

    “Fakt ist: Die Fußball-Weltmeisterschaft ist eine nationalistisches Spektakel.”

    Nein, nicht ganz, dort treffen Mannschaften aus verschiedenen Nationen aufeinander, um sich im Fußball zu messen, während Zuschauer unterschiedlicher Nationen dabei zuschauen, und sich dabei auch näher kommen können, manchmal entstehen so sogar Freundschaften, die ein Leben lang halten.

    “Sie grenzt über den Topos „Nation“ ab, weist Nationen Eigenschaften zu („rassige Chilenen“, „deutsche Tugenden“, „Samba-Brasilianer“ usw.) und inszeniert nationalen Wettstreit.”

    Das ist nicht das Problem der Fans, sondern ursächlich der deutschen Sport-Journalie, vlt. noch mit dem einem oder anderem Bier versetzt;sieht ja keiner im TV, wenn Moderator x y nebenbei ein Pils zischt.
    An was denken sie, Matthias Ecke, denn eigentlich, wenn sie Brasilien hören? An die VW-Produktion dort, oder nicht doch an Samba und Zuckerhut?

    “Ein Championat, bei dem Nationen gegeneinander antreten um den Sieger unter ihnen zu ermitteln nicht als nationalistisch zu bezeichnen, ist schlicht Begriffswillkür und Realitätsverweigerung.”

    Gleiches ließe sich über sie sagen, Realitätsverweigerung.
    Haben sie nun etwas gegen Fußball, Länderspiele, oder diesen Medienhyp drum herum?

    “Nicht nur, dass der geradezu aberwitzige Mega-Trash, der mittlerweile in schwarz-rot-gold zu haben ist, jeder guten Sozialistin beweist, dass die kapitalistisch-kulturindustrielle Verwertungsmaschinerie vor nichts, aber auch schon gar nicht vor den ach so ehrwürdigen Emblemen der Nation Halt macht.”

    Komisch, man könnte fast meinen sie seien ein Nationalist, dem es den Graus ist, wenn die Embleme seiner Nation vermarket und verwurstet werden. Weiter oben scheinen sie etwas gegen Nationalismus zu haben. Irgw.beißt sich da was, na aber Hauptsache der Artikel ist schön giftig und spritzig.

    “Alle Menschen, nicht nur „Deutsche“, stehen im Fokus unserer Politik.”

    Achso, wahrscheinlich kam da die Idee von den Jusos, daß
    nun Migranten in bestimmten Berufen besser bzw. mehr gefördert werden als Einheimische, die sich schon seit Jahren bemühen, nur eben schon ein gewisses Alter überschritten haben. Aber sich dann über Neid, der evtl. auch bis zur partiellen Ausländerfeindlichkeit ausweiten kann wundern.

    “Solange ein Klima der Toleranz besteht (das ist nicht immer der Fall), besteht kein Anlass, ausgerechnet das zur politischen Schicksalsfrage zu erheben.”

    Toleranz heißt für mich dulden. Es sollte besser Akzeptanz heißen. Schade, wenn die falschen Begriffe benutzt werden, kommt man nicht so weit, da kann man sich noch so links und sozial fühlen, wie meinten sie noch weiter oben,.. “Begriffswillkür und Realitätsverweigerung”.
    Ich beende jetzt diese Tragödie, könnte den Artikel noch weiter auseinandernehmen, aber die Lust ist mir nun dazu vergangen.

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  25. Wie wärs... sagt:

    …die SPD räumte erstmal bei sich selber auf?

    http://www.akweb.de/ak_s/ak544/42.htm

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