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Von Wikileaks und Soldaten Twitter

Donnerstag, 29.Juli 2010 von

Aktuell, Internationales

“Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd” – Otto von Bismarck

Krieg vom Sofa aus

Spätestens seit dem Vietnam Krieg weiß man um die Macht der Medien und vor allem der Bilder. Erstmals wurden damals Bilder des Vietnam Krieges durch die Fernseher direkt in die Wohnzimmer der Bevölkerung gespült und trugen damals maßgeblich zu der sich immer mehr verstärkenden Ablehnung desselben bei.

Im Internetzeitalter erreichen Bilder und Dokumente noch eine ganz andere Reichweite. Bilder von militärischen Kampfeinsätzen kann man via Laptop von Youtube runterladen und seit Neuestem sogar geheime Militärprotokolle auf Wikileaks lesen. Der Bevölkerung Informationen zu vorzuenthalten wird immer schwieriger.

Die Afghanistan Protokolle

Die Reaktionen der politisch Verantwortlichen bezüglich dieses Faktums wirken eher hilflos. Nichts Neues stehe in den Dokumenten, behaupten die Einen, von einer Gefährdung der SoldatInnen vor Ort oder gar einem „kriminellen Akt“ sprechen die Anderen. Fakt ist: von einem „Stabilisierungseinsatz“ spricht eigentlich keiner mehr. Die Protokolle belegen schonungslos die gesamte Grausamkeit des Krieges und die Ausweglosigkeit der Gesamtsituation. Dinge, die die Öffentlichkeit besser nicht wissen sollte:

  • Die Task Force 373 eine US-Eliteeinheit arbeitet sogenannte „capture/kill lists“ ab und operiert auch aus dem von deutschem Einsatzgebiet aus. Bei den Einsätzen kamen durch Fehlschläge laut den Dokumenten insgesamt mindestens 195 Zivilisten ums Leben. Gesteuert wird die Gruppe direkt aus dem Pentagon.
  • Die Aufständischen in Afghanistan sind anscheinend wesentlich besser ausgerüstet als bisher angenommen.
  • Die Sicherheitslage in Afghanistan ist wesentlich schlechter als berichtet. Auch im Norden Afghanistans kommt es zu immer mehr Angriffen.

Aus dem Dokument gehen kaum Maßnahmen hervor, die ergriffen werden, um Zivilisten zu schützen oder den Aufbau des Landes abzusichern. Ebenfalls geht nicht hervor, was getan wird, um die Stabilisierung des Landes und Region voranzutreiben und den Menschen ein Leben in Frieden zu ermöglichen. Die Protokolle belegen stattdessen schlichtweg die “ganz normale Realität” eines offensiv geführten Krieges. Blumige Vokabeln werden den PolitikerInnen gegenüber der Bevölkerung nicht mehr weiterhelfen. In Afghanistan herrscht Krieg – mit allen Konsequenzen, die dieser mit sich bringt.

Strategiewechsel Jetzt!

Es wird Zeit, dass die PolitikerInnen erkennen, dass der nach dem 11. September gefasste Entschluss Truppen nach Afghanistan zu entsenden, völlig überstürzt und undurchdacht war. Das Primat der Gewalt in Afghanistan hat nicht zu dem verkündeten Ziel von mehr Sicherheit und Stabilität, sondern ins Gegenteil geführt.

Aus der Spirale der Gewalt kann nur ein Strategiewechsel führen. Wie Sascha in der taz heute sagt, gilt es nun den zivilen Wiederaufbau zu stärken. Dass „Deutsche Interessen am Hindukusch verteidigt werden” ist mehr denn je “Unsinn“. – Dies muss nun auch endlich die Sozialdemokratie einsehen.

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11 Kommentare

  1. Georg sagt:

    Hallo Bettina,

    schön dass du so ehrlich die Warheit ansprichst.
    Fühle mich in meinem Pazifismus nur noch bestärgt.

    LG

    Georg

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. Christian S. sagt:

    “Aus der Spirale der Gewalt kann nur ein Strategiewechsel führen. Wie Sascha in der taz heute sagt, gilt es nun den zivilen Wiederaufbau zu stärken. Dass „Deutsche Interessen am Hindukusch verteidigt werden” ist mehr denn je “Unsinn“. – Dies muss nun auch endlich die Sozialdemokratie einsehen.”

    Sascha und Du können also mit Sicherheit sagen, dass es auch ohne den Afghanistan-Einsatz keine Anschläge in Deutschland gegeben hätte? Sehr gewagt.

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  3. Aletheia sagt:

    Das sehe ich in der Tat auch so. Beim Afghanistan-Einsatz mag vieles (auch grundlegend) falsch gelaufen sein und natürlich hätten sich insbesondere deutsche Soldat_innen niemals daran beteiligen dürfen. Dennoch ist ein Regime wie die Taliban sowohl vor als auch nach dem 11.09.2001 nicht tolerierbar und (@ Georg) Pazifismus hat niemals dazu beigetragen, herrschende Verhältnisse zu überwinden. Im Falle Afghanistan hätte er sie bestenfalls zementiert. Von daher plädiere ich für ein angemessen differenziertes Urteil – die “Abzug sofort!”-Doktrin” jedenfalls hilft der politischen Linken nicht weiter.

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  4. Georg sagt:

    @ Aletheia:

    Glauben Sie wirklich wir sind in Afghanistan wegen
    Taliban und Co ? Oder wegen der Menschenrechte. Dies
    glaube ich schon lange nicht mehr. Dann müssten wir
    doch in mind. hundert Staaten der Erde (z.B. Iran o.
    China) einmaschieren. Nein, hier geht`s grundsätzlich
    um Rohstoffe (Öl etc.). Wenn es rein um Menschenrechte
    auf der Welt militärische Einsätze gäbe, dann wäre ich
    auch dafür. Ist aber nicht so, deshalb bin ich ein
    Pazifist.

    MfG

    Georg

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  5. Gnurpsnewoel sagt:

    @Georg: Bist du dann nicht eher Antimilitarist? Ich glaube, mit dem Begriff könnte auch @Aletheia leben!

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  6. Georg sagt:

    Nein, schon Pazifist. Wenn man bedenkt, dass z.B.
    im 2. Weltkrieg über 50 Millionen Tote zu beklagen
    waren, da muss man Pazifist sein. Es gab in der
    Menschheitsgeschichte immer Kriege mit unvorstell-
    baren menschlichen Leid (Tote, Verwunderte, u.s.w.),
    da denke ich wäre Pazifismus eigentlich schon
    angebracht.

    LG

    Georg

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  7. Aletheia sagt:

    Ja,
    voll die Gute Idee. Denn die Nazis haben sich ja dann aus derselben reinen Vernunft, die sie vorher dazu brachte, über 6 Millionen Jüdinnen und Juden zu ermorden, einfach mal von ganz alleine dazu entschieden, das lieber sein zu lassen. Entschuldigt bitte die Ironie, aber sich angesichts des 2. WKs zum Pazifisten zu erklären ist an Absurdität kaum noch zu übertreffen. Regime, die derartige Gewalt ausüben, müssen logischerweise auch mit Gewalt bekämpft werden.

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  8. Matthias Huschens sagt:

    @Georg:
    Ich halte Pazifismus im Bezug auf Afghanistan für sehr naiv. Sicherlich können sie den Afghanistan-Einsatz aus ideologischen Gründen ablehnen. Aber wenn man gesagt hätte, man darf nicht in Afghanistan einmarschieren, dann würden die Taliban heute immer noch ihren Steinzeit-Islamismus zelebrieren, Osama bin Laden würde immer noch Terroristen in Afghanistan ausbilden und die Welt würde zusehen, wie Frauen gesteinigt werden.
    Und zum 2.Weltkrieg:
    Was wäre gewesen, wenn Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt Pazifisten gewesen wären ?! Diese beiden Männer sind vielleicht diejenigen, denen Deutschland am meisten zu verdanken hat – weil sie keine Pazifisten waren.

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  9. Georg sagt:

    Aber wie schon gesagt, dann müssten wir doch in
    vielen Staaten der Erde einmaschieren. Es gibt
    leider viele Staaten, wo es genauso schlimm wie
    in Afghanistan zugeht. Das ist doch alles eine
    verlogene Sache.

    Zu Churchill und Roosevelt: Diese Herren hatten
    auch nie ein Interesse daran den deutschen Wider-
    stand zu unterstützen. Hatten auch scheinbar kein
    Problem damit z.B. Dresden im Februar`45 in Schutt
    und Asche zu bombadieren. Das der militärische Nutzen
    gleich Null war, ist allgemein bekannt. Mir ist schon
    klar, dass die Nazis damit begonnen hatten zivile
    Städte zu bombadieren.

    Ich glaube, es reicht mit den Kriegen !

    LG

    Georg

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  10. Dirk sagt:

    @ Georg

    WIr sind in Afghanistan einmarschiert weil dort die Al-qaida ihre Ausbidungscamps hatte und weil dort die Drahtzieher vom 11.09. waren und weil die Taliban sich weigerten diese auszuliefern. Ich darf dich daran erinnern, dass die NATO damals den Bündnisfall ausgerufen hat und wir als NATO-Mitglied eine Verpflichtung hatten und weiterhin haben. Ich darf dich weiterhin daran erinnern, dass wir in Zeiten des Kalten Krieges sehr gerne den Schutz der NATO genossen haben. Und was die angeblichen wirtschaftlichen Interessen angeht muss man doch sehen das due USA und ihre Verbündeten schon zig Mrd. in diesen Einsatz und den Wiederaufbau gesteckt haben. Wirtschaftliche Erwägungen haben daher sicher keine Rolle gespielt! Das beim Afghanisteneinsatz auch Fehler gemacht wurden und werden und das auch woanders auf der Welt schlimme Sachen passieren ist unbestritten.

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  11. Yannick Boelsen sagt:

    Den Afghanistan-Krieg mit Interesse an Öl zu verurteilen ist schlichtweg zu kurzsichtig und ignorant. Wenn es wirklich danach ginge, würden wir tatsächlich in andere Länder einmarschieren, in denen es größere Rohstoffvorkommen gibt.
    Das es keine Friedensmission mehr ist, ist eindeutig. Dafür wurden zu viele Fehler in der Stabilisierung der afghanischen Sicherheitsorgane und einem fähigen Verwaltungssystem begangen. Jedoch war die Grundidee schon die Al-Qaida im Kern zu erwischen, indem die Ausbildungslager, die unumstritten in Afghanistan sind aufzuspüren und zu zerstören. Ebenso werden bereits für den Jemen Vorkehrungen getroffen, da vermutet wird dass sich die Aktivitäten anch dahin verschieben. Die Organisation im Keim ersticken, anders lässt sich ein nicht-territoriales, nicht-verhandlungsfähiges Terrornetzwerk nich bekämpfen.
    Abzug Sofort ist nicht möglich! Dennoch sollte in den zivilen Wiederaufbau und in eine bessere Ausbildung der Sicherheitsorgane investiert werden! Die Stichwörete sind: Rechtstaat, Sozialstaat, Konfliktkulur und Affektkontrolle! Dann ist vielleicht ein lang- oder vielleicht auch mittelfristiger Abzug der Truppen möglich.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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