Eigentor Atom-Appell
Samstag, 21.August 2010 von Ralf Höschele
Da haben die Herren ja ein ziemliches Eigentor geschossen: Mit ihrem “Energiepolitischen Appell” wollten die Herren Ackermann, Bierhoff, Schily, Grube (alles wahre Sympatheträger – fehlt eigentlich nur Mr. Burns von den Simpsons) … und natürlich die Chefs der Atomkonzerne die Kanzlerin richtig unter Druck setzen und die Öffentlchkeit von Atomstrom überzeugen. Dazu wurden vorne in den Samstagszeitungen teure ganzseitige Anzeigen geschaltet und überhastet eine Homepage ins Netz gestellt. Die Zeitungsanzeige ist von 41 wichtigen Männern/Managern unterzeichnet, auf der Internetseite kann dann der Normalbürger (und sogar Frauen!) den Appell unterzeichnen. Stand 10:30: 172 Unterzeichner.
Das ging ziemlich nach hinten los: Das Medienecho ist vernichtend. Die Berliner Zeitung schreibt z.B. auf der ersten Seite “”Manager mobben Merkel” und wird im wunderbar zu lesenden Leitartikel dann richtig deutlich:
Eine derart unverhohlene Erpressung seitens Leuten, die sich in der Wirtschafts- und Finanzkrise gerade Milliarden von Regierung und Steuerzahlern überweisen ließen, sprengt alles bislang Dagewesene. [...]
Man liest und schaut und staunt: Geht es um die Menschenrechte? Ist Deutschland in Gefahr? Droht eine neue Weltwirtschaftskrise? Nein. Es geht um die Brennelementesteuer. 2,3 Milliarden Euro will die Regierung von den Stromkonzernen dafür, dass sie ihnen mit einer Verlängerung der Laufzeiten für die Kernkraftwerke ein Vielfaches an Gewinnen ermöglicht. 2,3 Milliarden. Das sind für diese Unternehmen mit Verlaub: Peanuts!
D
er größte Teil der Bevölkerung ist für den Atomausstieg. Diese plumpe Kampagne wird daran nichts ändern – viele dürften darauf eher empört reagieren. Merkel kann den unverfrorenen Forderungen der Manager kaum entgegenkommen,w ill sie nicht wieder als Kanzlerin erscheinen, die nur von egoistischen Lobbyinteressen gesteuert wird – siehe Hotel-Steuer.
Die Mehrheit der Menschen will keinen Atomstrom mehr. Über den Atomausstieg wird sicherlich nicht durch Millionen-Euro-teure, von den Atomkonzernen finanzierte Anzeigenkampagnen entschieden: 41 Manager unterschreiben einen Anzeige – am 18. September werden wieder Zehntausende in Berlin gegen Atomkraft demonstrieren. Die Atomindustrie hat schon länger den Atomkonsens aufgekündigt. Wenn die Bundesregierung den Atomkonsens aufkündigt, wird sie einen heißen Herbst erleben.
Tags: Atomausstieg, Atomenergie












Genau, keine Frau! “Atom-Barbie und die 40 Räuber”:
http://www.fischfresse.de/2010/08/energiepolitischer-appell-glosse-atom-barbie-und-die-40-raeuber-satire-atomkraft/
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Schade, dass mit Clement und Schily 2 wichtige Bundesminister der rot-grünen Bundesregierung den Appell unterzeichnet haben. Damit haben sie sich von einem der wenigen unumstrittenen Erfolgsprojekte der Regierung Schröder distanziert. Sie waren also nie aus Überzeugung dabei?
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Die SPD ist gegen die Verstrahlung. Aber natürlich nur in Deutschland:
http://uranmunition.de/cms/bwabschaffen/broschueren/uran/index.htm
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Was nützt ein Atomausstieg in Deutschland? Das ist der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.
Die Atomenergie ist ein kontinentales Problem, jedenfalls in Hinblick auf die Verstrahlungsgefahr für Deutschland und ein weltweites in Hinblick auf den Atommüll oder die potenzielle Nutzung als Waffe.
Was nützt der Atomausstieg in Deutschland, bei einer Kernschmelze in einem osteuropäischen Land?
Wenn man schon nicht gegen die Lobby gewinnen kann, weshalb schlägt man dann keine Kompromisse vor? Verhandelt? Stärkere Auflagen oder kürzere Laufzeiten, um wenigstens das Risiko eines Unglücks zu mindern?
Und genau dass ist DAS Problem, alle fordern das sofortige Aus für Atomenergie, aber das ist momentan nicht realistisch! Zugegeben ich bin kein Energieexperte, aber selbst ich kann mir vorstellen, das bei sofortiger Ausschaltung der Atomkraftwerke ein Defizit an verfügbarer Energie vorherrschen würde, speziell in den Ballungsgebieten.
Woher soll der Strom (in Anbetracht der Aktuellen Situation) kommen?
Kohlekraftwerke ? Das größere Übel gegen ein kleineres Übel tauschen?
Ist der Sektor “Regenerative Energie” schon soweit, das es den ganzen Markt versorgen könnte?
Was nützt das grünste Deutschland, bei einer schwarzen Umgebung?
Vielleicht bringt es den Stein ins Rollen…
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@Tobias: Siehe AKW in der Nähe Hamburg. Heiß gelaufen, ausgeschaltet und dann? Irgendwie kann ich nicht von ständigen Stromnetzeinbrüchen in Norddeutschland in den Zeitungen lesen
Abschalten funktioniert! Abschalten birgt keine Gefahr! Abschalten jetzt!
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@Felanse,
ich behaupte nicht das abschalten nicht funktionieren würde, aber nur in der Konsequenz einer erhöhten Arbeitsleistung von Kohlekraftwerken und das ist meiner Meinung nach ein Wechsel von einem großen Übel in ein kleineres Übel, aber keine Lösung..
Außerdem würde ich behaupten das bei einer einzelnen Abschaltung die Lücke gestopft werden kann bzw. aufgefangen wird.
Problematischer könnte es im Ruhrpott werden, aber wie gesagt ich bin kein Energieexperte..daher sind das alles nur Vermutungen..
Ich bin auch für das Abschalten, aber nicht um jeden Preis, wenn dieser intensive Schritt getan wird, dann richtig!
Und weil wir in einem System leben, welches die Menschen durch Geld vergiftet, ist es außerdem eine Frage des Geldes, dieser Weg würde Arbeitsstellen und Milliarden von Euros vernichten (gleichzeitig natürlich schaffen insofern man auf regenerative Energie setzt, aber das sehen die Leute nicht), somit auch viele Wählerstimmen und wen stört diese Konsequenz
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@Tobias: Jap, jetzt versteh ich dein “nicht um jeden Preis” besser
EINVERSTANDEN!
Anderer Gedankengang:
Ist es nicht ein Supercoup statt ein Eigentor? Reden nicht alle nun von der Brennelementensteuer (ja/nein/wieviel) und nicht mehr über die Kündigung des Atomkonsens?
Ich freu mich auf zahlreiche Gegendarstellungen
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Ja,
die Brennelementensteuer ist ein schönes Werkzeug oder sagen wir lieber Spielzeug.
Man verscherzt es sich nicht mit den Wählerstimmen, aber macht trotzdessen die Atomenergie nieder
Ohne die Brennelementensteuer hat die Atomenergie weiterhin eine “Zukunft”, denn keine Partei lehnt sich gegen die so geliebten Arbeitsplätze und somit Wählerstimmen auf.
Je nach Höhe der Steuer kann es das AUS der Atomenergie bedeuten, indem es einfach nicht mehr wirtschaftlich ist oder wenigstens schon eine andere Richtung signalisiert und die Energielieferanten werden sich dadurch auf profitablere Objekte stürzen, denn wenn die Steuer einmal eingesetzt wurde, wird sie in Absehbarer Zeit erhöht..außerdem werden die Rohstoffe auch teuerer, da uns das Uran in naher Zukunft ausgehen wird bzw. die Förderung sich als zu Aufwändig präsentiert…
Ist alles sehr viel Theorie. Was sich wie praktisch umsetzen lässt ist eine andere Frage.
Im Endeffekt muss man schauen wie die Medien reagieren. Z.B. wird Merkel nun gerade als ein Fels in der Brandung dargestellt, weil sie der Atomlobby droht.. es ist also eine gute Möglichkeit die Brennelemtensteuer durchzuboxen, ohne den Zorn der Bevölkerung inne zu haben..
Wer weiß was die Zukunft bringt, aber die Steuer ist auf jeden fall ein Weg zur Abschaltung. Wobei man die Steuer aber auch als Zweischneidiges Schwert betrachten kann, denn es hat die Hoffnung zur Abschaltung inne, aber auch das Potenzial, das die Lieferanten Einsparrungen beschließen die zu lasten der Sicherheit gehen könnten..
Who know?
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Das Plakat ist wirklich klasse, so etwas würde ich gerne mal im Wahlkampf sehen.
Mal im Ernst: endlich können wir wieder über eine neue Steuer diskutieren, die schwächlichste Art des Regierens. Nichts verbieten, nichts regeln, nur die Hand aufhalten und Kohle damit machen. Wie Mister Burns sagen würde: Ausgezeichnet
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@Dietmar,
politisches bzw. taktisches Feingefühl würde ich nicht als Schwäche interpretieren.
Du kannst nicht einer ganzen Branche von Heute auf Morgen den Gar ausmachen.. das ist politischer Selbstmord…
Kannst dir doch leicht vorstellen.. wird die Person als Held gefeiert oder verteufelt weil sie 10000 ach so wichtige Jobs vernichtet hat
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Ich möchte hier kurz auf eine Initiative des “Institut solidarische moderne” hinweisen:
http://www.solidarische-moderne.de/de/topic/50.aufruf.html
Zahlreiche Jusos in meiner Umgebung haben hier schon unterschrieben. Zudem finde ich den Text sehr gut geschrieben (außer diese “nur von Männern unterzeichnet” bla).
Gruß
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