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Kölner Verhältnisse beim Master-Desaster

Freitag, 27.August 2010 von

Aktuell

Seit der Nationalen Bologna-Konferenz am 17. Mai ist es doch eher still um das Thema Bologna-Prozess geworden. Wäre man gutgläubig, würde man sagen, die Probleme wurden erkannt und gelöst. Mitnichten ist leider der Fall. Den Beweis dafür sehen wir an einem Paradebeispiel Anfang August: An der Universität zu Köln haben gerade einmal ein Drittel der Bachelor-AbsolventInnen der Betriebswirtschaftslehre einen Master-Studienplatz erhalten. Über 600 AbsolventInnen waren nach ca. 800 StudienbeginnerInnen in diesem Jahrgang noch übrig. Die Hochschule hatte dabei oft beschwichtigt und vielen Studierenden z.T. mit überdurchschnittlichen Leistungen einen Master-Studiengang nach dem Bachelor in Aussicht gestellt.

Viele Studierende haben dem vertraut und auf eine Bewerbung an einer anderen Hochschule verzichtet. Die Rechnung der Hochschule konnte aber von vornherein nicht aufgehen: Gerade einmal 215 Master-Studienplätze bot sie überhaupt an, bundesweit 1700 Bewerbungen kamen für diesen Master-Studiengang an diesem Institut an. Das Institut zog daraufhin ein Selektionsverfahren ein, das einzig und allein auf den NC beruht und mit der Note 1,9 das drastischste Beispiel im bundesweiten Vergleich darstellt. Die Folge waren zahlreiche Absagen, auch an AbsolventInnen der eigenen Universität und auch an Studierende mit überdurchschnittlichen Leistungen. Zwar wird zum Teil nun darauf gewettert, die bösen FH-AbsolventInnen – die seit dem Bologna-Prozess einen den Universitäten gleichwertigen Abschluss anbieten, jedoch keine Master-Studienplätze anbieten dürfen – hätten das Problem verursacht und die verfügbaren Plätze übernommen. Bei nur einem Drittel an Master-Studienplätzen für die Zahl der AbsolventInnen ist das aber nichts weiter als ein Scheinargument.

Das Ziel darf nicht sein, andere Studieninteressierte zu diskreditieren. Das Ziel ist ein Master-Studium, das allen offen steht und allen Bachelor-AbsolventInnen eröffnet wird. Bis heute hat die Kultusministerkonferenz nicht öffentliche und verlässliche Zahlen herausgegeben, die zeigen, wie viele Master-Studienplätze im Vergleich zu Bachelor-Studierenden denn bundesweit geschaffen wurden bzw. bereitstehen. Trotzdem behaupten die Kultusminister unentwegt, es stünden ausreichend Master-Studienplätze bereit und würden sogar teils nicht einmal abgerufen. Solange sie das nicht belegen müssen, ist das natürlich eine schöne Behauptung. Das Beispiel in Köln zeigt aber: Die Hochschulen sind auf den Ansturm der geburtenstarken Bachelor-Jahrgänge keinesfalls vorbereitet. Die Politik überlässt die Frage der Autonomie der Hochschulen, ohne ausreichend Mittel bereit zu stellen.

Zwar wurden Mittel für weitere Studienplätze im Hochschulpakt II bereitgestellt, bei der knappen Lage haben die Universitäten aber zunächst dafür verwendet, in ausreichender Form Bachelor-Studienplätze anzubieten. Die Master-Studienplätze hatte davon kaum etwas. Hier sind die Master-Studienplatzangebote oftmals konstant geblieben, was natürlich zu einer Schere zwischen BA- und MA-Angeboten führt.

Die Rechnung bekommen jetzt die Studierenden. Sie haben nun nach dem Bachelor trotz teils sehr guter Noten keine Möglichkeit, einen Master zu machen. Oftmals hat das auch nicht nur karrieretechnische Gründe, der Master-Studiengang soll ja auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereiten und ist für eine Promotion zwingend notwendig. Der Sinn eines gestuften Systems sollte ebenfalls nicht sein, eine kleine Elite im Bildungssystem zu etablieren und eine Zwei-Klassen-Bildung zu etablieren. Der Sinn war es, Studierenden nach dem Bachelor die Entscheidung zu überlassen, den Berufsweg einzuschlagen, direkt an der Hochschule weiter zu studieren oder nach einigen Jahren der beruflichen Erfahrungen einen Master-Studiengang weiter zu studieren.

Die einzige Konsequenz aus diesen Problemen kann sein, dass endlich ausreichend Master-Studienplätze bereitgestellt werden. Das müssen nicht zwingend genauso viele Studienplätze sein wie es Bachelor-AbsolventInnen gibt – Erfahrungen zeigen, dass viele BA-AbsolventInnen anschließend auch den Berufseinstieg wagen – aber eine ausreichende Zahl an Studienplätzen ist zwingend erforderlich. An allen Universitäten! Denn nur so ist zu verhindern, dass einige wenige Master-Angebote anschließend überfüllt werden. Dazu müssen die Studierenden einen Rechtsanspruch auf einen Master-Studium nach dem Abschluss erhalten, nur so obliegt ihnen und nicht der Hochschule die freie Entscheidung über den weiteren Werdegang. Außerdem kann so gewährleistet werden, dass neue Mittel für Studienplätze für Bachelor UND für Master-Studiengänge bereitgestellt werden. Die Einzelschicksale der Kölner BWL-Bachelor-AbsolventInnen sollte für alle BildungspolitikerInnen ein warnendes Signal sein. Fälle wie diese sind es, die im vergangenen Jahr den Bildungsstreik so stark und bestimmend gemacht haben. Ein Fall der sich in dieser Frage noch einmal verstärken kann, wenn nicht endlich etwas gegen die Missstände getan wird.

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5 Kommentare

  1. Stephan aus Lichtenberg sagt:

    Wo liegt das Problem? Der NC ist gerade einmal 1,9. Ergo bekommt doch der, der sich bemüht auch einen Platz im Master-Studiengang!
    Wer also keinen bekommt, der hätte sich während seines Studiums mehr anstrengen müssen. Dann wäre es auch was geworden. Bleibt halt immer noch zu warten oder über eine Auswahlgespräch in den Studiengang zu kommen.

    Es gehört im übrigen richtigerweise zum Konzept, dass es weniger Master- als Bachelor-Plätze gibt.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. Erkan Ertan sagt:

    Lieber Stephan,
    ich hoffe du meinst das Ganze nicht ernst. Es ist eine Frechheit, AbsolventInnen eines Studiengangs der formell alle Voraussetzungen erfüllt ein Master-Studium zu verwehren.

    Mögicherweise gehört die Verknappung und somit versuchte Elitenbildung und Zwei-Klassen-Hochschulbildung zu deinem Konzept. Wir Juso-Hochschulgruppen und JungsozialistInnen haben da aber eine andere Vorstellung, nämlich freie Bildung für alle! Deshalb muss ein Rechtsanspruch bestehen, nach dem Bachelor-Abschluss ein Master-Studium aufnehmen zu können.

    Nicht zu müssen, aber die Möglichkeit zu haben, ist ein essentieller Bestandteil. Wer möchte kann immer noch wählen, ob der Berufsweg nicht zunächst einmal besser wäre und später an die Hochschule zurückkehren. Mit den derartigen Verhältnissen bleibt es aber mehr als ein Luftbild.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. Stephan aus Lichtenberg sagt:

    Hallo Erkan,

    zunächst bitte unterlasse solche Kindergartenpsychologie, die sich in folgendem Satz ausdrückt:

    “Mögicherweise gehört die Verknappung und somit versuchte Elitenbildung und Zwei-Klassen-Hochschulbildung zu deinem Konzept. Wir Juso-Hochschulgruppen und JungsozialistInnen haben da aber eine andere Vorstellung,(..)”

    Die Meinung des Gegenübers als absolute Einzelmeinung über das Wort “Deine” und die eigene jedoch als Meinung der absoluten Mehrheit über das Wort “Wir” darzustellen und darüber eine Beugung gegenüber der vermeindlichen Mehrheitsmeinung erreichen zu wollen ist so alt wie langweilig! Ich bin Mitglied der SPD und Jusos in Berlin-Lichtenberg, somit haut Dein “Wir” schonmal nicht hin.

    Wenn jemand nicht zum Master-Studium zugelassen wird, dann stimmt seine Qualifikation wohl doch nicht wie von Dir angenommen! Der von Dir geforderte Rechtsanspruch auf ein konsekutives Master-Studium auch nach langer Pause vom Studium lässt sich weder Logistisch, noch Planerisch und schon gar nicht finanziell realisieren.

    Die von Dir postulierte freie Bildung zeigt sich beim näheren hinsehen als Irrweg. So stellt eine Hochschulbildung eine Investition in sich selbst dar, wobei mir schleierhaft ist, warum die Allgemeinheit für meine Bildung aufkommen soll! Meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass man, sofern man neben dem Studium erwerbstätig ist, auch ohne Probleme Studiengebühren bezahlen kann.
    Des Weiteren ist mir schleierhaft warum Menschen die keine Hochschulbildung haben dafür Steuern zahlen sollen, dass ich besser Ausbildet bin und am Ende mehr verdiene als Sie oder vielleicht sie sogar ersetze.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. Christian S. sagt:

    “Wo liegt das Problem? Der NC ist gerade einmal 1,9. Ergo bekommt doch der, der sich bemüht auch einen Platz im Master-Studiengang!”

    Das ist doch Unfug. Einfache Rechnung: wenn es 200 Plätze gibt, sich aber 400 Leute bewerben, von denen 300 eine Endnote von besser als 1,9 erreicht haben, dann bekommen 100 Leute keinen Platz.

    Es ist also Zufall, ob man einen Platz bekommt, es kommt auf den eigenen Jahrgang an. Wenn sich mehr Leute bewerben, schafft man es auch mit einem perfekten Bachelor nicht zwingend, wenn sich niemand bewirbt, werden alle Bewerber genommen.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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