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Von Milliardenspenden und anderen Kleinigkeiten

Mittwoch, 18.August 2010 von

Aktuell

Toll, was diese Milliarde in den USA alles so machen. Sie bereichern sich jahrelang (ja nur aus eigener Arbeit und nie auf Kosten anderer) und sind dann auch noch so großzügig und selbstlos, bis zu ihrem Tod xy Prozent ihres Vermögens (da hat jeder andere Grenzen der Großzügigkeit) zu spenden (und das dann auch noch abzusetzen, aber das hatten sie ja gar nicht im Blick…)

Und was in den USA schon toll ist (obwohl sogar da die Presseberichterstattung fast ungewöhnlich kritisch war) muss natürlich dann auch direkt hierzulande eingefordert werden.

Spendet ihr Reichen und Superreichen. gebt euer Geld für von euch deklarierte gut gemeinte Zwecke aus. Spendet, spendet, spendet.

Und nichts wird gut.

Ich will ja jetzt gar nicht sagen, dass ich es nicht gut finde, wenn jemand spendet. Doch ich finde das ehrlich ganz toll. Wirklich.

Das Problem liegt nur schon viel tiefer und deswegen kann ich Debatte um spendet, spendet, spendet nicht mehr hören, schalte ich eine mit vermeintlichen ExpertInnen und Betroffenen (haha) besetzte Runde von Anne Will moderiert wutentbrannt aus, konnte ich in der letzten Woche fast kein Radio hören und ärgerte mich permanent über PolitikerInnen, die mit auf den Spendendampfer sprangen (nein, das kann man nicht mit Sommertheater entschuldigen).

Zwei Punkte:

  1. Der Staat mit den demokratisch legitimierten VertreterInnen ist die Instanz, die die Verteilung der Mittel vornehmen sollte. Klar, kann es auch hier zu Fehllenkungen, Geldverschwendung und Fehlinvestitionen kommen, aber der Großteil sind doch essentielle Leistungen so wie sie im Sozialbudget geleistet werden. Und außerdem, warum sollen diejenigen, die Geld haben, darüber bestimmen, was für das Gemeinwohl wichtig ist, was wünschenswerte gesellschaftliche Entwicklungen sind (die Finanzierung von Initiativen gegen die Homoehe, wie sie von gewissen Milliardären in den USA  vorgenommen wird, fällt nämlich auch unter die ach so guten Spenden…)?
  2. Wenn man von staatlicher Seite den Bedarf sieht, das Gelder fehlen – und das tun sie in Milliardenhöhe, im sozialen, kommunalen Bereich, im Bildungsbereich, im öffentlichen Dienst usw. – dann muss man eben mehr Mittel generieren, und das geht über Steuern. Und wenn man dann nicht die Reichen und Superreichen zur Kasse bittet, und zwar nicht nur einmalig, sondern kontinuierlich, dann hat man den richtigen Ansatz gefunden.

Wer dann noch spenden möchte, kann es ja immer noch tun.

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19 Kommentare

  1. Paul sagt:

    Schöner Beitrag!
    Spricht mir aus der Seele :-) .

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  2. Michael Emig sagt:

    Da geb ich dir Recht. Es ist eine riesengroße Schweinerei, dass der Staat um das Geld der Reichen bettelt.
    Diese Menschen leben in dieser Gesellschaft und können von mir aus gerade mal 50% ihres Vermögens abdrücken und dafür ein “das wurde auch mal Zeit” bekommen.
    Steuern für Reiche rauf und die Armen entlasten.
    Es gibt ja schon gar keine “Mittelschicht” mehr. Nur noch eine “Unterschicht” und eine “obere Unterschicht”.

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  3. soschautsaus sagt:

    Und mal wieder die allgemeinen Hasstiraden. Du brauchst nicht betonen “dass du das wirklich gut” findest, wenn du zwischen den Zeilen klar machst, dass dem so überhaupt nicht ist. Dass diese Milliadäre in den USA hunderttausende Jobs geschaffen haben, ja sogar das Betriebssystem auf dem ihr gerade schreibt, ist egal. Es war mal wieder auf kosten anderer, der neoliberale Turbokapitalismus hat diese Menschen reich gemacht, die jetzt auch noch auf die dumme Idee kommen Aids, Malaria und Tuberkulose in Afrika auszurotten, wo das Geld doch so viel besser in unseren Kitas aufgehoben wäre. Schließlich entscheidet der Staat, wer wann wie wo Geld braucht.

    Bereits versteuertes nochmal besteuern (aka. “Reiche zur Kasse bitten”), um damit “die Binnenachfrage” zu stärken, dazu ein bisschen ökosozialistisches Geschwafel und fertig ist das Wirtschaftskonzept des linken Spektrums. Natürlich steht in diesem Eintrag nur zum ersten Punkt was, aber das Gesamtbild ergibt sich leider so. Liefert hier lieber was zu euren Vorstellungen vom Gesamtkonzept Sozialismus, anstatt immer nur kleine Pünktchen zu liefern, von denen sowieso schon jeder wusste dass ihr sie so betrachtet.

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  4. Stephan aus Lichtenberg sagt:

    Zu Sonjas Beitrag fällt mir nur eins ein: Ekelhaft!
    Es ist ekelhaft wie hier um Blog der Jusos niederen Gefühlen wie Neid und Missgunst eine Platform geboten wird und man am Text auch noch merkt wie der Autorin der Schaum vor Mund klebte. Neben den niederen Gefühlen , die in Sonjas Artikel sichtbar werden, sehe ich auch eine mangelnde Verfassungstreue, denn Respekt vor dem Eigentum anderer Menschen liegt augenscheinlich nicht vor.

    Ebenfalls ekelhaft sind die zustimmenden Kommentare. Das gibt mir ganz ehrlich zu denken ob die Zwangsmitgliedschaft bei den Jusos sobald man in der SPD wirklich das richtige ist! Leider kann ich nicht separat aus den Jusos austreten! Obwohl ja mein Kreis hier in Berlin-Lichtenberg zum Glück recht pragmatisch ist!

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  5. Matthias Huschens sagt:

    @Sonja:

    Dieser Beitrag íst populistisch und schlicht unsinnig !!! Anstatt sich Gedanken zu machen, was mit Deutschland in den nächsten Jahren passieren sollte, wird nur dumm auf “die Reichen” geschimpft !!! Ich bin auch Juso, aber ich habe trotzdem Respekt vor “den Reichen”. Viele von “den Reichen” haben ihr Leben lang gearbeitet, haben jahrelang, 7 Tage in der Woche, täglich 18 Stunden gearbeitet. Warum soll man diesen Menschen dann auch noch die Hälfte ihres Einkommens nehmen ? Ist es denn wirklich schlimm, wenn man einer von “den Reichen” ist ?

    Solche inhaltslosen Artikel sind auch eine Gefahr für unsere Republik.
    Den Spitzensteuersatz auf 50% anheben ? Klingt doch toll !!! Wir können ihn auch auf 70%, 80% oder 100% anheben !!! So etwas nennt man dann Enteignung !!! Und wenn wir schon mal dabei sin: Warum verstaatlichen wir nicht auch noch gleich Deutsche Bank, Commerzbank, Deutsche Post, Telekom, E.ON und RWE ? Das nennt man dann Verstaatlichung !!! Und dann hätten wir schon fast die DDR wieder !!!

    ICH WILL DAS NICHT !!! UNSERER REPUBLIK IST ES SO WIE JETZT 60 JAHRE LANG GUT GEGANGEN !!! LASSEN WIR SIE DOCH SO UND VERTEIDIGEN DIESES SYSTEM LIEBER !!!!

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  6. H. Hoerster sagt:

    Diese Einstellung zu privatem Eigentum ist haarsträubend. Vor allem dem ersten o. g. Kritikpunkt läßt sich nur abhelfen, indem man das individuelle Spenden verbietet.

    Der letzte Satz verschlägt mir die Sprache: “Wer dann” (nach den wie vorstehend dargelegt: gebotenen und exorbitanten Steuerraubtaten) immer noch spenden wolle, der könne es ja ruhig tun — dann und erst dann hat die Autorin kein Interesse mehr daran, ihn für seine Gabe zu tadeln.

    Ich finde diese Einstellung unglaublich.

    Was ich dennoch an den Jusos und überhaupt an vielen Parteijugendorganisationen schätze, ist ihre Klarheit: “Der Staat … ist die Instanz, die die Verteilung der Mittel vornehmen sollte”. Danach streben zwar viele Linke, aber nur wenige formulieren ihr Ideal so deutlich.

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  7. ui sagt:

    Das hat Sahra Wagenknecht lange vorher noch etwas elaborierter fornuliert.

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  8. Maik sagt:

    Respekt den Reichen gegenüber ist völlig angebracht, jedoch muss ich der Autorin, nur nicht in der ganzen Radikalität, zustimmen. Dass die Spender für ihre glorreichen Gaben so gefeiert werden und die deutschen Politiker auch noch aufrufen, dass hier ansässige Reiche dem Beispiel folgen sollen, halte ich für fragwürdig, da jene aus eigenem Interesse gar keine Lust dazu haben dürften.

    Wie Sonja es beschreibt, und wie auch jedem anderem klar sein sollte, wird ein Großteil der Spenden abgesetzt. In den USA ist dies sogar in einem umfangreicherem Maße möglich. Statt den Steuern von den Reichen, die amerikanische Regierung dann in ihrem Ermessen verwenden könnte, suchen sich die Reichen die Empfänger des Geldes nach ihren Interessen aus. Dass jene nicht immer dem allgemeinem Wohl entsprechen drüften, liegt ja auf der Hand. In Deutschland kann nur ein geringerer Prozentsatz der Spenden abgesetzt werden, was auch die Hemmungen der Reichen erklären dürfte. Deswegen hat Sonja schon recht, muss der Staat einschreiten, und zwar nicht nur mit Bitten, sondern mit der Erhebung von Steuern. Das muss ja gar nciht der Spitzensteuersatz sein, dessen Steigerung der Herr Huschens hier schon schwarz an die Wand malt, sondern sollte die Vermögenssteuer sein, wie sie schon lange gefordert und jetzt hoffentlich auch wieder ins Parteiprogramm aufgenommen wird.

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  9. Patrick sagt:

    Es ist unglaublich, dass die Reichen mit solchen Aktionen den Staat im warsten Sinne des Wortes erpressbar machen können. Den Reichen, die einen Teil ihres Vermögens gespendet haben, gbührt natürlich Respekt und Dankbarkeit, ich denke, dass das überhaupt keine Frage ist. Allerdings kann man solche hohen Summen nicht einfach in die Hände derer legen, die sie nach Lust und Laune spenden. Denn diese haben nicht die notwendigen Kenntnise, um sich für die Gemeinschaft einzusetzen, ausserdem macht man die Reichen dadurch mächtiger. Und unser Land soll keines werden, welches von Superreichen regiert wird, wie sie es wollen. In einer Gemeinschaft zu leben, und das tun wir Menschen, ob wir das nun wollen oder nicht, hat mit Verantwortung zu tun. Und deshalb müssen die Stärkeren helfen, die Schwächeren zu unterstützen.

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  10. H. Hoerster sagt:

    An Patrick: »Die Reichen« machen den Staat nicht erpreßbar. Die private Spende eines Reichen an einen anderen Privaten geht vielmehr am Staat VORBEI und entzieht sich staatlicher Kontrolle — das ist es doch, was vielen Linken bitter aufstößt.

    Sowohl Patrick als auch Maik reden zwar von angebrachtem »Respekt« gegenüber »den Reichen«, fordern aber sogleich das Gegenteil, nämlich deren Entmündigung: Man könne »solche hohen Summen nicht einfach in die Hände derer legen, die sie nach Lust und Laune spenden« (aber: dort LIEGEN diese »hohen Summen« doch bereits und werden vielmehr gerade ausgegeben, werden zumindest nicht erst in diese Hände gelegt); sie hätten »nicht die notwendigen Kenntnise, um sich für die Gemeinschaft einzusetzen«: Das ist meines Erachtens eine Grundsatzfrage: Dürfen sie IHR Geld spenden, wie sie wollen — ganz EGAL, welche Kenntnisse sie haben oder welche Kenntnisse für richtiges Spenden notwendig sind?

    Ich vermisse in dieser Debatte viel zu oft die Unterscheidung zwischen »mein« und »dein«. Wer Geld hat, darf es voraussetzungslos verschenken und verspenden, an wen auch immer es ihm beliebt. Richtig oder falsch?

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  11. Maik sagt:

    Da ich hier von Herrn Hoerster mit Patrick in einen Topf geworfen werde, möchte ich micht erstmal von seiner Äußerung distanzieren. Ich finde weder, dass der Staat durch das Eigentum von Reichen erpressbar geworden ist, noch dass das Geld in deren Hände gelegt wird.

    Was ich vielmehr sagen wollte, und das scheint auch Herrn Hoerster nicht klar geworden zu sein, dass es einen Unterschied macht ob ein Reicher in den USA spendet, oder ob er in Deutschland spendet.

    In Deutschland sind Spenden, wie schon gesagt, in wesentlich geringerem Maße absetzbar, was die Unlust unserer Vermögenden am Spenden erklären dürfte. Da die Oberschicht immer mehr Geld besitzt , sehe ich jedoch eine Gefahr für den Staat, da er schließlich den wachsenden Anteil der Sozialleistungsempfänger finanzieren muss. Deswegen plädiere ich dafür, dass man eine Vermögenssteuer einführt, damit die Reichen einen Teil ihres (zurecht) verdienten Gelds, der Gesellschaft zur Verfügung stellen, da sie das scheinbar nicht frewilig tun (selbst nach den Bitten der Politiker, flossen wenig Spenden).

    In den USA besteht einfach das Problem der hohen Absetzbarkeit der Spenden, sodass Reiche, statt Geld an den Staat zu zahlen, es lieber in ihrem Interesse verteilen.

    Zu guter letzt: Natürlich darf jemand Geld hat es an jeden beliebigen spenden oder verschenken. ABER erst nachdem er seiner sozialen Pflicht nachgekommen ist, und seinen Teil dem Staat zur Verfügung gestellt hat. Und nicht wie in den USA, seiner Verpflichtung nicht nachkommt. Schließlich hat, wer mehr Geld hat, auch mehr Verantwortung. Richtig oder falsch? :-P

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  12. H. Hoerster sagt:

    An Maik: teils richtig. Eine Reihenfolge („… erst nachdem er seiner sozialen Pflicht …“) von Steuerschuld und freiwilliger Spende ist sicher nicht gemeint, sondern eine Priorität. Das ist wohlfeil; Steuern sind Pflicht, Spenden sind freiwillig, und auswärts gilt kein deutsches Steuerrecht. Den amerikanischen Spendern kann man wohl auch keine Pflichtverletzung („… seiner Verpflichtung nicht nachkommt …“), sondern – so ist es ja gemeint – allenfalls dem amerikanischen Steuerrecht Konstruktionsfehler o. dgl. vorwerfen.

    Wenn ich Sie recht verstehe, betonen Sie also lediglich, daß Sie Spenden als vollwertige Ersatzhandlung fürs Steuernzahlen ablehnen, vor allem um die Verteilung und Zweckbestimmung staatlichen Stellen zu überlassen und sie dem Eigentümer des Geldes zu entziehen. Was würden Sie aber sagen, wenn diese jüngsten amerikanischen Spenden nun zufällig gerade zu solchen Zwecken und an solche Empfänger flössen, die Sie selbst für höchst bedürftig und bestens geeignet hielten? Oder anders gefragt: Angenommen, Sie wären selbst sehr reich: Wären Sie denn dann nicht in der Lage, Ihr Geld gerecht und sozial (und vor allem selbst) zu verteilen?

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  13. Maik sagt:

    Natürlich will ich nicht den amerikanischen Spendern einen Vorwurf machen (höchstens den, dass sie sich übermäßig damit schmücken), sondern das Steuerrecht der USA kritisieren. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Zur ersten Frage, wie meine Meinung aussehen würde, wenn die Spenden in meinem Ermessen genau richtig getätigt worden wären: Dann hätte ich jene gelobt, aber weiterhin das Steuersystem etc. kritisiert, da es weiterhin eine Art Umgehung der Steuerpflicht ist. Von mir aus könnten sie grad ihre Spenden in Richtung Pakistan schicken, was natürlich vernünftig wäre, aber 1. kann auch das der Staat machen (also warum den Staat umgehen) und 2. ist das eine Untergrabung der Staatsmacht, was ich einfach für fragwürdig halte, da er schließlich von allen beauftragt wurde seine Macht auszuüben.

    Zur letzten Frage: Jein. 1. Halte ich mich nicht in allen wichtigen Bereichen bewandert genug, um wirklich objektiv zu beurteilen, wer grad wie viel Geld von mir bekommen sollte (der Staat, der Hartz IV-Empfänder, Pakistan oder doch vllt die katholische Kirche) und 2. sehe ich nicht, warum ich denn mein Geld unbedingt selber verteilen muss, wenn es extra eine andere, ebenso legitimierte Macht, die das nötige Wissen sich wesentlich einfacher beschaffen kann, existiert.

    Und falls ich dann immer noch unzufrieden bin mit der Verteilung, sollte ich den politischen Weg gehen und über jenen versuchen meine Ideen der gerechten und sozialenen Vermögensverteilung einzubringen, anstatt meine Spenden von den Steuern abzusetzten.

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  14. Stephan aus Lichtenberg sagt:

    @Maik
    Nichts arbeitet ineffektiver als der Staat! Staatliche Verwaltung erzeugt in etwa einen Reibungsverlust von 50% des Geldflusses. Private initiativen und Spenden sind hierbei weitaus effizienter.

    Und natürlich kann jeder selbst entscheiden, wohin er sein Geld spendet. Und er kann es sicherlich besser als Staatliche Lenker. Das was Du hier als besseres System bezeichnest ist nichts anderes als ein durchschimmern totalitärer Züge. Denn Du bist halt der Meinung, dass der einzelne unmündig gehalten werden muss und nicht entscheiden darf, was er mit dem erarbeiteten machen soll.

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  15. H. Hoerster sagt:

    An Maik: Ich finde diesen Diskurs interessant und Ihre Position durchaus plausibel, wenngleich ich selbst — völlig anders — auf Privatinitiative und Privatautonomie setze. „… also warum den Staat umgehen …“ — das ist in Wahrheit nicht Frage, sondern bereits Meinung und Aussage. Ich selbst „frage“ anders herum: „Warum nicht alles selbst machen?“ Der Staat ist ein Artefakt. Das einzig Reale, was den Staat auch einzig tragen kann, sind Individuen (es gibt keinen Staat ohne Menschen, aber Menschen ohne Staat). Der Grund, warum man „Staat“ unbedingt ins Spiel bringen will, könnte sein, daß die Zweckbestimmung und Verteilung dem Mehrheitswillen folgen und ihm überlassen werden soll. Dem stelle ich den individuellen Willen desjenigen entgegen, der das Geld erarbeitet und verdient hat. Er entscheidet über die Verwendung; das ist gerecht; Steuern sind eine ungerechte Ausnahme, die restriktiv gehandhabt werden muß. Inwieweit Spenden — gerade auch individuell und eigenwillig gewidmete Spenden — Steuern, die nach dem Mehrheitswillen rsp. von staatlichen Stellen verteilt würden, ersetzen sollen (inwieweit Spenden steuerlich absetzbar sein sollen), ist einerseits nur eine juristisch-technische, steuerrechtliche Frage (die in den USA anders als hierzulande beantwortet wird), zugleich aber auch eine Art Richtungsentscheidung (die EBENFALLS in den USA anders ausfällt) zwischen Privatautonomie einerseits und Diktatur der Mehrheit andererseits. Kurz und gut: So viel wie irgend möglich soll dem Individuum überlassen bleiben und nur so wenig wie unbedingt nötig dem Mehrheitswillen oder staatlichen Stellen — die sich zumindest konzeptionell aus demokratischen Mehrheiten legitimieren — übergeben werden. Noch kürzer: Ihr entscheidet nicht über meins, auch wenn ihr zwei und ich nur eins.

    Wenn Sie sich also selbst — zumindest teilweise — die Kompetenz absprechen, richtig und gut und klug zu spenden und Ihr Vermögen sozial und gerecht zu verteilen, so würde ich antworten: Das macht nichts; es sollte trotzdem einzig Ihre Privatsache bleiben; die Auswahl von Spendenempfängern, die Sie treffen, ist allein schon deshalb unbedingt richtig, weil SIE sie treffen und weil es IHR Geld ist. Auch inkompetenter Einsatz von Privatvermögen muß erlaubt sein. Der Staat ist dazu mitnichten stärker oder auch nur „ebenso legitimiert“ wie ein Individuum, aus dem er sich herleitet. Selbst wenn eine staatliche Stelle Zugang zu Wissen leichter oder umfassender erlangt, steht immer noch der Wille — sogar der irrtümliche Wille — des einzelnen dagegen. Im übrigen gibt es eine Fülle von Beispielen für irrationalen und ineffektiven staatlichen Einsatz von Steuergeld — an der überwiegenden Kompetenz des Staates habe ich daher ebenso Zweifel wie an seiner überwiegenden Legitimation, Privatvermögen einzuziehen und umzuverteilen.

    Sie stellen weiter oben sinngemäß die Korrelation her: Je mehr Vermögen, desto mehr Verantwortung. Zugleich schneiden Sie diese Verantwortung aber wieder ab, indem Sie „partielle Enteignung“ (z. B. Steuererhebung) und Verteilung von Privatvermögen grundsätzlich und eher extensiv sozialisieren.

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  16. Maik sagt:

    Zur Herrn Lichtenberg: Aber niemand ist in dem Umfang legitimiert. Und bleiben Sie doch bitte sachlich und versuchen mich nicht gleich in irgendwelche Schubladen zu stecken. Ich bin keinesfalls dafür, dass Individuen unmündig gehalten werden sollten. Einzig und allein möchte ich, dass Vermögende, wenn schon nicht freiwillig (fast keine deutschen Reiche sind der Aufforderung zum Spenden nachgekommen) ihrer, auffrund des großen Vermögens, großen sozialen Aufgabe der Mehrheit gegenüber nachkommen und sie notfalls auch dazu per Gesetz dazu verpflichten.

    Zu Herrn Hoerster: Jetzt sind wir an dem Punkt, wo es wirklich nur noch über verschiedene Auffassungen geht, die darauf beruhen, für wie mündig man Vermögende hält und wie viel Eigenverantwortung erlaubt sein sollte. Und auch das beruht im Prinzip nur darauf, für wie “gut” man den einzelnen hält. Wie sozial er ist, wie viel Vermögen er freiwillig abgibt und inwiefern deren Spenden dem Gemeinwohl dienen. Darüber lässt sich lange streiten/diskutieren, ohne dass man sagen kann, was richtig ist und was falsch.

    Doch auf Deutschland bezogen finde ich, dass die Vermögenden ihrer Pflicht (gerade aufgrund des demografischen Wandels, der wachsenden Arbeitslosenzahlen, die irgendwie versorgt werden müssen und der zunehmenden Schuldenlast) nicht genügend frewillig nachkommen. Deswegen plädiere ich für die “partielle Enteignung”, da die Mehrheit auch (über)leben will.

    Ansonsten überlasse ich einfach jedem seiner eigenen Verantwortung und dann werden die Vermögenden, wenn sie weiterhin ihrer “sozialen Verantwortung” nicht nachkommen, nachts von der Mehrheit ausgeraubt. (Nicht meine Meinung; nur zugespitzt; Satire)

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  17. Stephan aus Lichtenberg sagt:

    Hallo Maik,

    ich heiße mit Nachnamen nicht Lichtenberg. Nach Deinen Positionen nach zu Urteilen vermute ich, dass Du wie ich ein Mitglied der Jusos bist. Von daher finde ich es befremdlich gesiezt zu werden.

    Im welchen Umfang ist niemand legitimiert? Der Satz sagt reichlich wenig aus.

    Ich Deutschland ist aus ganz einfachen Gründen niemand dem Aufruf nachgekommen:
    - Es werden einem bereits jetzt 66% des Einkommens wegversteuert.
    - Es werden Steuern auf die Erträge des Bereits versteuerten Geldes erhoben (obwohl hier mit einer 25% Flat-Tax Steuer bereits erheblich mehr Licht am Ende des Tunnels ist, als bei der Besteuerung des Einkommens)
    - Es werden andauernd Debatten zur Einführung einer weiteren Neidsteuer namens Vermögenssteuer geführt, die dann auch noch die Substanz des gesparten Geldes besteuert wird.
    - Es wird andauernd gegen die “Reichen” Stimmung gemacht, wobei ständig thematisiert wird, wie man diesen ihr Eigentum wegnehmen kann.

    Bei diesen vier Punkten muss kann man sich nicht wundern, dass die Bereitschaft nach einem Aufruf von Politikern (die mit den o.g. Punkten ihr täglich Brot “verdienen”) ziemlich gering wird.

    Darüber hinaus ist die Bevölkerung in Europa tendenziell eher Staatsgläubig und mag es autoritär regiert zu werden, wohingegen die Amerikaner eher liberal und staatskritisch sind und ihre Freiheit (richtigerweise) als ihr höchstes gut ansehen.

    Die Belastung ist bereits am Limit! Wie gesagt 66% des Einkommens werden einem Wegversteuert. Hier noch von zusätzlicher Belastung zu reden überschreitet schon die Grenze zum Raub.

    Und eine staatliche “Umverteilung” ist eben das ineffizienteste was es gibt und schafft sogar mehr Armut! Ich habe mir oft selbst überlegt was ich eigentlich machen würde, wäre ich Reich. Ich ich bin zu dem Schluss gekommen Nachwuchs in meinem Fachgebiet zu fördern (Informatik). Programmierkurse in Jugend-Kellern (wenn ich Reich wär hätte ich Zeit und könnte ja auch die Hardware kaufen) um den Kiddies die Informatik näher zu bringen, über eine Realitätsnahe Informatik AG an einer Schule, bis hin zur Finanzierung der Auslandpraktika von Studenten meines ehemaligen Studiengangens (Medieninformatik an der HTW-Berlin, wo das Praktikum im Ausland Pflicht ist).
    Als Beispiel sollte hier Hasso Plattner von SAP genannt sein, der über die Dividende seiner SAP Aktien das Hallo Plattner Institut in Potsdam finanziert (was im übrigen bei der Neid.. ähm ich meine Vermögenstsuer nicht mehr finanzierbar wäre, weil diese höher wäre als die Dividende).

    Und diese Ideen sind mir tausend mal lieber als pauschal Knete z. B. an zwei Arbeitslose zu verteilen, die sich selbst ihr Leben nicht finanzieren und dann auch noch ein Kind in die Welt setzen, was sie selbst nicht finazieren können und diese Finanzierung von der Allgemeinheit verlangen.

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  18. Stephan aus Lichtenberg sagt:

    @Maik

    Und im übrigen: Mit Sätzen wie:
    “Deswegen plädiere ich für die “partielle Enteignung”, (..)”

    bestätigst Du meine Kritik, dass Du eine Affinität zu autoritären Regimen hast. Du plädierst nämlich in letzter Konsequenz für nichts anderes, dass Menschen mit Waffengewalt (nicht anderes wendet der Staat mit seiner Polizei am Ende an) ihr legal erhaltenes Eigentum weg genommen wird.

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  19. Maik sagt:

    :-D Ich habe Stephan von Lichtenberg gelesen. Und nein, ich bin noch kein Juso-Mitglied, aber dass du das von mir denkst, scheint meinen Mitgliedsantrag zu bestätigen ;-)

    Den letzten Satz “Deswegen plädiere ich für die “partielle Enteignung”, war sicherlich nicht in der Drastik wie die Formulierung vermuten lässt gemeint, sondern nur ein kleiner Bezug zu meinem Vorredner ;-)

    Wie schon gesagt: den Konflikt zwischen Freiheit und Gleichheit ist uralt und nicht lösbar (von daher kannst du nur sagen, dass es aus deiner Sicht richtig von den USA ist, Freiheit als größtes/wichtigstes Gut anzusehen).

    Meine Meinung zu dem ganzen ist einfach, dass, Freiheit hin und her, niemand auf der Welt mehr als 1 Mil. € verdient. Manche jedoch bekommen soviel, wenn nicht sogar mehr (brutto oder netto spielt jetzt keine große Rolle) und das ist meines Erachtens einfach falsch. Denen könnte auch egal sein, ob sie 66% oder 55% müssen, spenden könnten sie trotzdem. Tun sie aber nicht! Weil sie denken, dass sie ihrer Pflicht schon nachgekommen sind (was du ja anscheinend auch denkst).
    Jetzt gelten die 66% aber nur für deren Einkommen. Bei mind. 440.000€ (die Millionen – die 66% Abgaben) bleibt jedoch mehr als genug Geld übrig, welches gespart wird. Dann kommen dazu womöglich noch Erbschaften oder Bonuszahlungen. Und jegliche Erträge aus Zinsen oder Renditen, die relativ große Ausmaße bei den Beträgen haben, werden in Deutschland nicht versteuert. Da liegt meiner Meinung nach der Fehler. Denn die Zinsen, sind Geld, welches eigentlich gar nicht durch Wertschöpfung erwirtschaftet wird, sondern es existiert ohne sachlichen Gegenwert. Dem kleinen Unternehmer mag das gut tun und den zu unterstützen ist wohl richtig, aber der Millionär braucht es nicht, deswegen sollte er es Abgegeben (wie du es in deinem Beispiel beschrieben hast), aber das passiert viel zu selten und da Rufe ich Vater Staat. Denn wenn die oberen 10% der Gesellschaft 60% des Vermögens besitzen, dann läuft da etwas schief und dann darf man in meinen Augen auch gerne mal die Freiheit etwas einschränken.

    Zu dem Zitat „pauschal Knete z. B. an zwei Arbeitslose zu verteilen“: 1. Geschieht das sowieso, aufgrund unserer sozialen Absicherung die jedem gewährt ist und die sicherlich richtig ist und 2. habe ich nie gesagt, dass ich mit den Mehreinnahmen die Hartz IV-Sätze oder so erhöhen möchte. In meinen Augen haben die bereits genug (soweit bin ich Realist genug, um zu sehen, dass sie sonst wirklich faul werden). Besser ist es in meinen Augen die schrumpfende Mittelschicht durch Steuerentlastungen (Spitzensteuersatz erst bei höherem Einkommen einsetzten lassen) und durch Bildung retten.

    Noch eines zu deinem Vorhaben, falls du mal reich wirst: Sehr vorbildlich, aber die wenigsten verwenden ihre Zeit und ihr Geld dazu, da es auch einfach mit viel Arbeit verbunden ist.

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