Das Grundeinkommen kritisieren
Donnerstag, 2.Dezember 2010 von Jan Schwarz
Die Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen wurde hier ja schon intensiv geführt. Hier nun einige weitere Überlegungen zu der Debatte aus einer theoretischen Sicht und geht der Frage nach, inwieweit das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens linken Zukunftsperspektiven entspricht.
Der Arbeitstag besteht aus zwei Teilen: der notwendigen Arbeitszeit einerseits und der Mehrarbeitszeit andererseits. Die notwendige Arbeitszeit ist der Teil des Arbeitstages, in dem so viel Wert hergestellt wird, wie nötig ist, damit die Arbeitskraft wiederhergestellt werden kann. Die Mindestdauer des Arbeitstages ist diese notwendige Arbeitszeit. Der zweite Teil des Arbeitstages ist der Mehrwert bildende Teil des Arbeitstages. Wenn dieser Mehrwert auf dem Markt realisiert werden kann, dann bildet er Profit für das Unternehmen. Es ist die logische und notwendige Aufgabe eines Unternehmens, die notwendige Arbeitszeit so gering wie möglich und den Mehrwert so hoch wie möglich zu gestalten.
Das Grundeinkommen ersetzt nun die notwendige Arbeitszeit, weil es so hoch sein soll, dass die Arbeitskraft ohne Lohnarbeit reproduziert werden kann. Für den Arbeitslohn hat das eine drastische Konsequenz. Der Wert der Arbeitskraft bemisst sich – wie oben dargestellt – danach, wie viel Wert produziert werden muss, um die Arbeitskraft zu reproduzieren. Ist die Reproduktion der Arbeitskraft gesichert, ohne zu arbeiten, dann ist der Wert der Arbeitskraft, der durch Lohn befriedigt werden muss, gleich Null. Darum wird der Lohn für all diejenigen, die arbeiten, sinken. Gesamtgesellschaftlich gesehen muss der Wert der Arbeitskraft zwar noch produziert werden, das Unternehmen muss diesen Teil aber nicht mehr bezahlen.
Bisher wurde die Reproduktion der Arbeitskraft von den Unternehmen bezahlt, die die Arbeitskraft auch konsumiert haben. Diese Kosten übernimmt mit dem Grundeinkommen die Gesellschaft. Der Faktor Arbeit wird nicht nur entlastet, er wird von der Sorge um die Reproduktion der Arbeitskraft befreit. An der Reproduktion der von ihm verbrauchten Arbeitszeit ist ein Unternehmen dann nur noch indirekt beteiligt und zwar nur dann, wenn es Steuern zahlt. In den Modellen, die sich allein über Konsumsteuern finanzieren und auf die Besteuerung von Investitionen verzichten, wäre der Kostenanteil von Unternehmen an der Reproduktion verschwindend gering.
Die Veränderung zum heutigen Stand ist dann, dass nicht mehr nur die Reproduktion der potenziellen Arbeitskraft der industriellen Reservearmee (bspw. das Heer der Arbeitslosen) vom Steuerzahler finanziert wird, sondern jede Arbeitskraft vom Steuerzahler reproduziert wird.
Der gesellschaftliche Reichtum würde zwar weiterhin in den Unternehmen gesellschaftlich produziert und von den Unternehmern individuell angeeignet, aber die Unternehmen bräuchten sich überhaupt nicht mehr um den Erhalt der Grundlage ihres Reichtums kümmern. Sie könnten den Arbeitslohn nach unten drücken, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen, dass die Arbeitskraft von diesem Lohn erhalten werden muss.
Das Grundeinkommen ist somit ein Freifahrtschein für extrem niedrige Löhne ohne störendes schlechtes Gewissen. Zumal es die Auseinandersetzungen um den Lebensstandart der ArbeitnehmerInnen von den Unternehmen hin zum Staat verlagert.
Für die Anregung zu diesem Beitrag möchte ich mich herzlich bei Björn bedanken.
Tags: BGE, Grundeinkommen, Klassenkampf, Mehrwert, notwendige Arbeit












Die notwendige Arbeitszeit – die Zeit die gearbeitet werden muss um den Wert der Ware Arbeitskraft zu reproduzieren – ist bei uns Dank unseres hohen Produktivit tsniveaus sehr gering. Die notwendige Arbeitszeit ist der Teil des Arbeitstages in dem so viel Wert hergestellt wird wie n tig ist damit die Arbeitskraft wiederhergestellt – reproduziert – werden kann.
Gut oder schlecht:
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@Monex Investigation
Schön, daß auch mal jemand auf den Text eingeht.
Es fragt sich welche notwendige Arbeitszeit z.B. bei 7 Mio Erwerbstätigen, die für “Organisation des Ganzen” zuständig sind, anfallen:
2001: 7,580 Mio
2002: 7,545 Mio
…672 …646 Unternehmer, Geschäftsführer
…..80 …..84 Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und verwandte Berufe
…742 …756 Unternehmensleitung, -beratung und -prüfung
…315 …354 Abgeordnete, administrativ entscheidende Berufstätige
1.195 1.195 Rechnungskaufleute, Informatiker
1.876 1.850 Bürofachkräfte, Kaufmännische Angestellte
2.700 2.660 andere Büroberufe, Kaufmännische Angestellte
Und welche “Ware” produzieren Menschen die in der “Bewachung des Ganzen” zuständig sind:
2001: 1,371 Mio
2002: 1,355 Mio
…446 …456 Dienst-, Wachberufe
…696 …654 Sicherheitsberufe
…..91 …..96 Berufe im Rechts- und Vollstreckungswesen
…138 …149 Rechtsvertreter, Rechtsberater
Oder das Gesundheitswesen, das ziemlich vollständig durch die entsprechenden Sozialabgaben “finanziert” wird.
(Link für die Zahlen kann ich hier nicht posten.)
Das mitunter Leute sich dumm und dämlich verdienen, heißt nicht, daß wir es mit “Mehrwertproduktion” zu tun haben.
Der Fehler, den die Jusos und andere begehen, ist, daß sie bei der “Mehrwerttheorie” den Gewinn bzw den Profit mit dem Mehrwert verwechseln. Der Mehrwert ist aber erheblich größer und verschwindet zu einem großen Teil über diverse Steuern z.B. in die Staatskasse (oder Krankenversicherung) und nur deswegen, können so viele Wachleute, Lehrer, Sozialarbeiter, Gesundheitsdienstleister, Unternehmensberater, Bankangestellte, Fußballprofis, Volksvertreter, Rechnungskaufleute usw überhaupt existieren. (Siehe auch meine Artikel weiter oben in dem ganzen Spam, oder link unter “Internetspaziergänger”.)
Andererseits gehn in die “Mehrwertproduktion” natürlich auch wieder staatliche Mittel (langfristige Subventionen, z.B. Kindergeld, kurzfristiges wie Abwrackprämien) ein, so daß letztendlich die ganze Mehrwerttheorie für unsre heutigen Verhältnisse denkbar ungeeignet ist. Die ökonomische Struktur heute hat mehr Ähnlichkeit mit der von den ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaaten, als etwa mit der von 1848. In den sozialistischen Staaten führten die Betriebe den “Mehrwert” komplett an die Staatskasse ab, der Staat verteilte ihn nach einem Plan wieder an die verschiedenen Bereiche und Betriebe. 1848 dagegen blieb der Mehrwert innerhalb einer “Klasse”. Man schaue z.B. in Marx-Werken (oder woanders), den englischen Staatshaushalt, der da immer wieder vorgestellt wird. Da war nur Armee, Kolonialverwaltung, Königsfamilie, “Volksvertreter”, Richter und ein bißchen Armenspeise. Der Staat konnte ökonomisch gar nicht die Verantwortung für die Existenz aller seiner Einwohner übernehmen.
Erst nach gigantischen Klassenschlachten und enormen technischen (und sozialen) Fortschritt haben wir den heutigen Stand: UNSER Staat hat die ökonomische Möglichkeit jedem Bürger eine minimale Existenz, Essen, Kleidung, Wohnen zu garantieren, er ist sogar nach dem Grundgesetz dazu verpflichtet (z.B. auch im Knast) und unsre oberschlauen Jusos, bzw auch andere Edel”marxisten” wollen zurück ins Jahr 1848: Jeder “Arbeitgeber” (wer immer das auch sein mag) soll voll verantwortlich sein für “seine” Arbeitnehmer, die nun umgekehrt mitsamt ihrer Familie auf Gedeih und Verderb von so einen “Arbeitgeber” abhängig sein soll. Wenn ihr Job flöten geht, haben sie erstmal NICHTS und dürfen Schlange stehen und Anträge stellen, wenn sie eine Ausbildung oder Umschulung mache: wieder NICHTS, Schlange, stehen Anträge stellen, wenn sie länger nichts finden, wie ja nun seit 30 Jahren MASSENARBEITSLOSIGKEIT, werden sie von einer gigantischen halbstaatlichen Armutsindustrie bis in die Betten hinein kontrolliert, schikaniert, mit Einstellung aller Leistungen oder auch Rückzahlungen aller bisherigen Leistungen bedroht, getreten, gegängelt, als Schmarotzer oder Betrüger diffamiert. Und das im Namen der Sozialidemokratie!
…meint Internetspaziergänger zum Thema zurückkommend
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Stefan aus Lichtenberg:
“Oh nein, da irrst Du ganz elementar und grundsätzlich! Ich habe keine Verantwortung für den Holocaust. Ich kann keine Verantwortung für Ereignisse haben, die ca. 40 Jahre vor meiner Geburt stattgefunden haben. Ich trage keine Verantwortung für Ereignisse Aufgrund der ethnischen Gruppe in die ich geboren wurde!
Ihr könnt euch sehr gerne an eurem nachträglichen Sieg über Hitler abmühen, macht das aber mit eurem eigenen Geld!”
Ich glaube – zumindest hoffe ich es – dass, du da soeben “Verantwortung” mit “Schuld” verwechselst. Denn Schuld hast du keine, da hast du absolut recht. Denn Schuld liegt beim Individuum selbst. Verantwortung aber, die hast du. Du hast die Verantwortung dafür zu sorgen, dass das, was deine Großeltern und Urgroßeltern zugelassen haben, zu verhindern. Du hast eine Verantwortung dafür, dich der Verbrechen durch die Deutschen durch Hitler stets zu erinnern, alleine wegen der Betroffenen. Denn sie werden es nie vergessen. Und jemand, der bewusst vergisst und verdrängt und jegliche Verantwortung ablehnt, dem können sie nicht verzeihen. Verantwortung liegt nun einmal bei jedem Deutschen. Es ist weniger finanzielle als moralische Verantwortung.
Beispiel: Stellt euch vor, dass Hitlers “Mein Kampf” wieder auf den allgemeinen Büchermarkt soll. Ich habe keinerlei Bedenken, dass dadurch mehr Leute Nazis werden. Erstens kennen wir ja die Konsequenzen des Ganzen und stehen mittlerweile mit beiden Füßen auf dem Fundament der Demokratie und der Freiheitsrechte. Zweitens ist das Buch wirklich in einem grottenschlechten Stil geschrieben, kaum wer wird es bis zum Ende lesen können ..
Von daher: Kein Problem! Wir können das Buch gerne wieder auf den Markt bringen. Die rechte Szene hat das Buch übrigens ohnehin schon, das könnt ihr mir glauben.
Wie aber sieht es aus, wenn auf einmal ein Israeli nach Deutschland kommt, den Flughafen verlässt und auf einmal einen Bücherstand mit der Aufschrift liest: Endlich wieder da! Adolf Hitler’s ‘Mein Kampf’ …
Verantwortung ist ein Problem der Ethik.
btw: Das, was einige hier anstreben, nennt man auch Anarchie: Man ist an nichts gebunden, absolut frei, kann nach eigenem Gutdünken Gruppierungen bilden, arbeiten und leben. Erinnert doch sehr an das klassische Anarchie-Modell (nicht diese von Pseudo-Marxisten geprägte Neo-Anarchy, mit der man heute oft den Begriff Anarchie verbindet, mein ich).
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Oh, habt ihr euch ausgetrollt, jungs?
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