Rassismus „Inside AStA“

Putzfrauen aus dem AStA-Imagefilm

Foto: AStA Uni Hamburg

An der Uni Hamburg wird der AStA seit Jahren von einer Koalition aus Juso-Hochschulgruppe, Liberale Hochschulgruppe und wohl eher unpolitischen Fachschaftslisten gestellt. Hohe Wellen der Empörung hat nun der neue AStA-Image-Film „Inside AStA“ ausgelöst. Schon alleine die Tatsache, dass ein AStA aus den Beiträgen der Studierenden für sich einen teuren Werbefilm drehen lässt, ist verwunderlich. Doch schlimmer ist der Inhalt des Films: Er ist voll mit plumpen rassistischen und sexistischen Stereotypen. In der Ankündigung des AStA wird der Filmanfang so beschrieben:

Der Morgen dämmert über dem Hamburger Univiertel – seine Bewohner schlafen natürlich noch. Nur im prächtigen Kuppelsaal des historischen Hauptgebäudes regt sich was: farbenprächtig gewandete Reinigungskräfte gehen gospelnd ihrer Arbeit nach – und wehren sich dabei routiniert gegen den Versuch einiger Kommilitonen, ihre Flyer auf der soeben gewischten Bestuhlung auszulegen.

Ursprünglich war wohl sogar im Text von „farbenprächtig gewandeten afrikanischen Reinigungskräften“ die Rede.

Klar: Die (ursprünglich als „afrikanisch“ bezeichneten) Reinigungskräfte putzen, natürlich „gospelnd“ für die weißen Studierenden und die AStA-Leute müssen „sich der Urgewalt von Werktätigkeit und Folklore“ (Film-O-Ton) entgegenstellen, um ihrer wichtigen intellektuell-politischen Arbeit nachgehen zu können. Der Film ist purer Rassismus (ausführlich begründet im Blog der GEW-Studis).

Witzig ist der Film jedenfalls nicht, die „Gags“ sind weitgehend unverständlich. Kabarettistisch – wie vom AStA in seiner aktuellen Erklärung dargestellt – wirkt das alles nicht. Vielmehr kommt über weite Teile ein sarrazinsches, menschenverachtendes Gesellschafts- und Weltbild zum Ausdruck. Im weiteren Verlauf des Films werden mit zahlreichen Klischees weitere nicht ins Menschenbild der AStA-Koalition passende Personengruppen der Lächerlichkeit preisgegeben: Obdachlose, die den Müll durchsuchen, linke Aktivisten, die Plakate aufhängen oder Flugblätter kopieren wollen und selbst die AStA-Mitarbeiter kommen schlecht weg. Die tatsächlichen sozialen und bildungspolitischen Probleme des heutigen Hochschulalltags kommen jedoch nirgends im Film vor. Statt sich gegen Rassismus und für die Belange der Studierenden einzusetzen, nutzt der AStA lieber rassistische Klischees zu Werbezwecken. Die unbeholfene  AStA-Erklärung „Zum Thema Rassismus“ macht nur das nach wie vor fehlende Problembewusstsein deutlich.

Wer sich selbst ein Bild machen will: Aktuell kann man sich den Film zwar (noch) nicht auf der Homepage des AStA anschauen. Von Youtube ließ der AStA den Film zwar aufgrund von „Urheberrechtsverletzungen“ entfernen, doch im Netz finden sich schon Aufzeichnungen der Filmpremiere.

Aktualisierung [17.2.2011]:

Inzwischen ist der Film auch vollständig, nicht abgefilmt im Internet verfügbar.

Be Sociable, Share!

Tags: , , ,

19 Kommentare

  1. Christian sagt:

    Haben die Bundesjusos denn schon mit der örtlichen Juso-HSG Kontakt aufgenommen oder versucht man einfach aus der Entfernung etwas Schmutz zu werfen?

    Aktive Debatte. Was denkst du? Daumen hoch 35 Daumen runter 32

  2. Jeni sagt:

    Wie kann man die Hamburger Jusos stoppen? Ich will nicht sagen, dass sie alle schlecht sind. Aber die meisten sind weder sozial noch demokratisch – sozialistisch ja eh nicht. Eine Bitte an alles Jusos, die das hier lesen… Schreibt euren Hamburger Hochschul-Genossen (jusos.uhh@gmail.com), dass ihr mit den Inhalten dieses Films nicht einverstanden seid. Danke…

    Beliebt. Gut oder schlecht: Daumen hoch 53 Daumen runter 25

  3. Asta Watch sagt:

    Das so einige Astas Mist bauen ist doch kein Geheimnis! So verschärbelte mal eine RCDS Asta der TU-Berlin die Druckerei. Ganz anders die Asta der Beuth Hochschule. Die öffnete ihre Druckerei für Hochschulfremde Extremisten des linken Spektrums, damit diese dort drucken können.

    Aktuell bezahlen so einige linke Astas aus dem Asta Geld Busreisen nach Dresden.

    Wirklich gut funktionieren eigentlich nur di Astas in denen es keine Jusos Hoschulegruppen sitzen, keine Linke.SDS keine RCDS und so.

    Aktive Debatte. Was denkst du? Daumen hoch 34 Daumen runter 40

  4. Jan sagt:

    Hab selber vier Jahre HoPo gemacht, und weis das das manchmal skuril sein kann. Hab selber ein Halbes Jahr über die Frage diskutieren müssen ob die Veranstaltung „Palästinensisch Kochen“ Antisemitisch ist oder nicht. Aber das was die Hamburger da liefern. Nein, das ist jenseits von gut und böse.

    Ich Schäme mich! Vor allem dafür dass so jemand wie Timo Hempel in der gleichen Partei ist wie ich!

    Beliebt. Gut oder schlecht: Daumen hoch 48 Daumen runter 24

  5. Colin sagt:

    Guter Artikel. Sicher kein Fehler, sich mit der Thematik intensiver zu befassen. Ich werde bestimmt die weiteren Beitraege verfolgen.

    Beliebt. Gut oder schlecht: Daumen hoch 34 Daumen runter 21

  6. Jochen sagt:

    @ Jan: Danke für Erwähnung von Namen und Parteizugehörigkeit des im Namen des AStA für diesen Film Verantwortlichen. Das hatte der Kommentar oben ja irgendwie übersehen…

    Es geht hier für Hamburg nicht mehr nur um die Frage schlechter Hochschulpolitik – TH kandidiert derzeit auf SPD-Liste für die Hamburger Bürgerschaft:

    http://nord.spd-hamburg.de/wahlkreis10.html

    Und jetzt weiss ich wieder, warum ich diese Partei nie wieder wählen sollte!

    Aktive Debatte. Was denkst du? Daumen hoch 28 Daumen runter 21

  7. Roland sagt:

    @Jochen: Er Kandidiert auf den letzten Platz einer Wahlkreisliste. Das sollte Mensch nicht überbewerten. Er macht sich gerade noch unbeliebter als er sich bereits gemacht hat: http://www.abgeordnetenwatch.de/timo_hempel-294-40923.html. Nur weil die Kahrs/Realo-Gruppe die Hamburger Juso-HSG feindlich übernommen hat ( http://bit.ly/CEIFq & http://bit.ly/dUoffx ), ist nicht gleich die gesamte SPD schlecht.

    Aktive Debatte. Was denkst du? Daumen hoch 27 Daumen runter 20

  8. Hk sagt:

    „Es geht hier für Hamburg nicht mehr nur um die Frage schlechter Hochschulpolitik – TH kandidiert derzeit auf SPD-Liste für die Hamburger Bürgerschaft“

    Nach dem neuen Hamburger Wahlrecht sollen möglichst viele Kandidaten in den Wahlkreisen aufgestellt werden, um den Bürgern möglichst viel Auswahl zu geben. In der Praxis wird aber nur der erste Platz beworben, es gibt sog. Fairnessregelungen innerhalb der SPD, dass die unteren Plätze nur zum Auffüllen verwendet werden.

    Aktive Debatte. Was denkst du? Daumen hoch 23 Daumen runter 23

  9. Links Watch sagt:

    Hab mich jetzt durch den Film gequält.

    Das vom Asta Produzierte Video hat nur wenig humoristische Qualität. Die Satire kommt wirklich nicht sonderlich gut rüber. Gute Satire sieht man z.B. in der Titanic, die im übrigen mit stereotypen von weitaus weiter geht.

    Auch bedenklich, dass für diesen Film wohl viel Geld geflossen ist.

    Schockierend ist aber auch die Reaktion den „Publikums“. Man sieht sehr gut wie gewissen Kreise mobilisieren können. In der weise die andere Meinungen niedergebrüllt werden und nur eigene Leute zu Wort kommen können fühlt man sich an die Vorkommnisse im Reichstag vor etwas weniger als 80 Jahren erinnert.

    Die Leute die da brüllen, mobilisieren etc. wären richtig gute Nazis gewesen, auch wenn sie heute behaupten das Gegenteils zu sein.

    Aktive Debatte. Was denkst du? Daumen hoch 35 Daumen runter 29

  10. Roland sagt:

    Kampagne gegen Kritiker. Wow, innerhalb weniger Minuten vier kritischen Kommentare zum Film und den Hamburgern Kahrs/Realo-Jusos innerhalb von wenigen Minuten von 15 Personen als schlecht bewertet und somit unsichtbar gemacht.

    Genau so gehen die rechten Hamburger Realo-Jusos mit berechtigter Kritik um: Menschen als „Spinner“, „Chaoten“ und „Linksextremisten“ beschimpfen, Videoaufnahmen mit den dokumentierten Vorgängen im Studierendenparlament der Universität Hamburg nicht veröffentlichen, die Videodokumentation der Filmpremiere mit der Kritik auf YouTube zensieren lassen und persönlich gegen kritische Studierende vorgehen (selbst gegen andere SPD-Mitglieder, die nicht eurem Flügel angehören).

    Da ihr ja mal wieder versucht berechtige und sachlich argumentierte Kritik zu zensieren, hier nochmals die Links zum System Kahrs der Hamburger Jusos: http://bit.ly/CEIFq & http://bit.ly/dUoffx .

    Vielen Dank für eure Engagement und sehr großes Lob an den Bundesverband der Jusos. Es erfordert sehr viel Mut und Courage sich als Bundesverband der Jusos sich hierzu gegen einen rechten Landesverband zu positionieren.

    Beliebt. Gut oder schlecht: Daumen hoch 36 Daumen runter 9

  11. Flo sagt:

    Moin Moin

    leute erst mal ein lob an den bundesverband für diesen guten artikel.

    Ich finde das viele hier gute komentare hinter lassen haben aber ich finde es schon sehr erschreckt das hier linke die sich gegen Rasismus stellen als gute nazi bezeicht werden.

    also ich kann schon verstehen das diese gepöbele im kino nervig ist aber da zu muss berücksichtig werden das viele dieser menschen sich diskrimiert gesehen haben und das ja auch schon im vorfeld versucht wurde mit TH und ASTA zu reden damit der film vorab gezeigt wird im SP Dies verweigerte TH und der Asta.

    deshalb ist es für mich verständlich das leute sauer waren und ihre wut freien lauf gelassen haben. Und deshalb finde ich es unerhört linke als nazis zu beschümfen.

    der asta hatte mehr mal die chase im vernümftigen rahmen mit kritikerinnen des filmes vernüftig zu reden aber das wollte der Asta nicht.

    In der SP Sitzung hat TH bei dem punkt astafilm sich lieber über die herkunft von SDS,ler lustig gemacht und hat diese nach gearmt wie sie sprechen.

    also danke noch mal aber bitte leute überlegt was ihr sag weil das was hier lauft kann ich es nur verstehen wenn TH angepöpelt wird

    lg flo

    Beliebt. Gut oder schlecht: Daumen hoch 21 Daumen runter 7

  12. Ratzplast sagt:

    Guten Tag,
    ein sehr lesenswerter offener Brief verschiedener Promotionsstudierenden und Mitarbeiter_innen der Uni Hamburg zum Image-Film – „Inside AStA? – Outside Academia!“ – findet sich hier: http://stupanews.wordpress.com/2011/02/17/gastbeitrag-inside-asta-outside-academia/.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Ratzplast

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 9 Daumen runter 4

  13. Mario sagt:

    Eine wirklich gute Kritik am Film liefert der Offene Brief mehrerer Wissenschaftlicher MitarbeiterInnen der Uni Hamburg. Sie weisen zu Recht darauf hin, dass der Film sich satirisch nur über unterprivilegierte Gruppen lustig macht. Burschenschafter, Profs, Lehrende, etc. tauchen überhaupt nicht auf.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 10 Daumen runter 5