Kampf-Lesbe oder Sex-Objekt

Im Vorfeld der [Frauen-]Fußball-WM wurden Sachen Werbung alle Register gezogen, denn die Stadien müssen voll und der Party-Nationalismus angestachelt werden. Fraglich bleibt, ob das den Fußball voran bringt – oder ob es hier überhaupt um Fußball geht.

Das olle Deutschland-Trikot ist out – denn [Frauen-]Fußball ist chic! So lautet die Botschaft des Labels Football loves Couture. Mit hautengen Glitzershirts und Dirndl in schwarz-rot-gold, die von drei schlanken Schönheiten präsentiert werden, kann die moderne Frau von heute die Stadion-Treppe zum Catwalk machen (sofern sie den gängigen Schönheitsidealen entspricht). Für die Kleinen gibt’s passend dazu eine Fußball-Barbie: “Die Fußball-Barbie ist ein echtes Frauenprodukt. Wie gemacht für unsere Kerngruppe”, sagte Nationalmannschafts-Managerin Doris Fitschen jüngst der Zeit. Die Grundannahme lautet also: Es ist quasi ausgeschlossen, dass Frauen sich auf Grund des Sports für die Fußball-WM interessieren. Stattdessen müssen sie mit Dingen, für die sich Frauen eigentlich interessieren, ins Stadion gelockt werden – Mode, Schönheit und Plastikpuppen.

Aber auch für die Männer soll’s ja nett werden. Und die halten Fußball spielende Frauen generell für ‘unweiblich’ und ‘Kampflesben’ (alle Männer, auf die das nicht zutrifft, gehören vermutlich nicht zur „Kerngruppe“). Wie zeigt man also dem imaginierten Mehrheits-Mann, dass Fußballerinnen richtige Frauen sind? Richtig – indem man sie (halb)nackt für den Playboy ablichtet. Denn Frauenfußball muss sexy sein, das wissen wir seit dem letzten Tatort. Auch bei Männern wird also für unwahrscheinlich gehalten, dass sie sich für den Sport interessieren – komisch, denn das entspricht ja nun so gar nicht dem Klischee.

Allen, die Fußball wegen (man höre und staune) des Fußballs interessiert, sei gesagt: Sorry, ihr gehört offensichtlich nicht zur „Kerngruppe“. Denn in der Merchandising-Taktik im Vorfeld der Frauenfußball-WM kommen ausschließlich Frauen vor, die sich nur für Mode interessieren und Männer, für die Frauen nur nackt interessant sind. Schade, denn das wird dem Fußball, den wir in den nächsten Wochen zu sehen bekommen, nicht gerecht.

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17 Kommentare

  1. Elli Plag sagt:

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  3. Barbie sagt:

    @Libertäres Berlin: persönliche Beleidigungen verstoßen gegen den Netiquette…und es nervt auch…

    @Thema:
    Dass die Fußball WM vom Marketing her sexualisiert wird, ist nicht wirklich überraschend in dieser Gesellschaft. Mich überrascht eher das Ausmaß; aber auch, wie stark die Spielerinnen dabei mitmachen. Ich frag mich manchmal, ob die ganze Strategie nicht irgendwann diejenigen ZuschauerInnen hervorbringt, auf deren (vermeintliche) Existenz sie sich gründet.

    Ich schau mir dann mal den Fußball an und gehöre nicht zur Kerngruppe.

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  6. Georg sagt:

    Hallo Elena,

    ganz ehrlich, ich finde das siehst du zu steif. Kann hier
    deinem Beitrag leider nicht zustimmen. Was ist den daran
    so schlimm, wenn die Fußballerinnen ” Sexappeal ” haben ?

    Frauen bewerten doch auch die Fußballer. Da wird doch auch
    geredet, abgestimmt wer schön ist ! wer z.B. sexy Beine hat
    u.s.w.
    Also ich sehe das völlig entspannt, und wünsche der WM hier
    alles Gute.

    LG
    Georg

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  7. SebEm sagt:

    Vieles in diesem Artikel greift auch meine Auffassung über dieses “Event” auf. Denn mehr ist es nicht. Ein “Event”. Geplant vom DFB, der nun natürlich alles dafür tut, dass die 55 Millionen die er dafür ausgibt auch wieder reinkommt. Fußball ist nunmal ein Geschäft. Ein sehr lohnendes. Der Fußball an sich, egal, wer denn letztendlich auf dem Platz steht.

    Und das ist nicht erst zur FrauenWM so. Auch 2006 war ein medial erzeugtes Konstrukt. Die Welt zu Gast bei Freunden, Schwarz-Rot-Geil etc.pp. Von einem einzigen Partysommer war die Rede. Millionen auf Fanmeilen. Fast schon erstaunlich, dass die immer wieder nervenden 90 Minuten Fußball die Party nicht gestört haben. Alles war plastisch positiv und feierlich. Ereignisse wie nach dem Deutschlandspiel gegen Polen und den abendlichen Straßenschlachten in der Innenstand passten da natürlich nicht ins Bild.

    Es wird immer gesagt, man wolle den Frauenfußball nach vorne bringen. So wird es aber nicht kommen. Die Spielerinnen machen sich verfügbar für alles, für jegliche Publicity. Sie sind nützlich, mehr nicht. Wie will man den Frauenfußball fördern? Er hat kein Alleinstellungsmerkmal. Qualitativ hält er auch nicht mit dem männlichen Pendant mit.

    Und das Fußballerinnen auch gut Aussehen können? Das ist doch Wurst. Das Können zählt. Ein Ribery spielt auch nicht ob seiner extremen Schönheit. Sondern weil er schön spielt. Aber er hat eben den Vorteil ein Mann zu sein. Und das lässt sich leichter verkaufen.

    Diese Frauen WM wird die gleichen schmerzhaften Nachwehen haben wie die WM in Südafrika letztes Jahr. Dem Land hat es 0,0 gebracht. Außer einer nun tollen Infrastruktur und leeren, modernen Stadien.

    Nach einer tollen, aber eben auch künstlich medial erzeugten, Party kommt unweigerlich der Kater wenn dann alles vorbei ist.

    Gewinner ist nicht der Fußball, sondern eben die, die daran verdienen. Das mafiöse Konstrukt Fifa mit seinem Paten Blatter (der nun doch nicht “seinen” Block für 18.000 Euro in Frankfurt bekommt, dafür mein Mitleid ) und der DFB mit seinen medialen Saubermännern und vermeindlichen “Förderern”.

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  8. Georg sagt:

    @SebEm,

    dir stimme ich zu. Ja, es geht doch im Kern um´s Geld.
    Wie sonst überall auch !

    LG
    Georg

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  9. Matti Merker sagt:

    Hallo alle zusammen,

    bei soviel Blödsinn kann man nur mit Fakten dagegenhalten:

    - Riesen-Stimmung mit 73680 Zuschauern im Olympiastation Berlin

    - sensationelle TV-Quoten mit Durchschnittlich 14,09 Millionen Zuschauer(Marktanteil: 58,0 Prozent)

    - und große Erleichterung bei den deutschen Fußball-Frauen, welche mit ihrem 2:1 Sieg im Eröffnungspiel gut ins Tunier starten und die erste Hürde auf dem Weg zum Titel-Hattrick ist gemeistert.

    Viele Grüße euer Matti

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  10. SebEm sagt:

    @Matti Merker:

    Bleiben zwei Fragen bei diesen Fakten:

    1. Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus, sprich, bringt es den Frauenfußball wirklich weiter?

    Ich denke doch nicht. Er hat eben keine Alleinstellungsmerkmal, die Spieltage sind ebenso an Wochenenden und da geht man in München eben nicht zu den Fraune sondern zu den Männern. Auch was die Jugend angeht können sich nur die größeren Vereine eine Frauenmannschaft “leisten”. Leisten deshalb, weil eben nicht rentabel, da wird auch eine WM nix dran ändern. Als Mädchen vom Lande, dass jetzt durch diese WM Lust auf Fußball bekommen hat, wird es sicher sehr schwer, sich einem Verein anschließen zu können.

    2. Diese vermeindlichen Fakten sind auch ein Zeichen dafür, dass die brutale Werbung und Vermarktung der SpielerInnen und des Sports super funktioniert haben. Und dafür, wie medial lenkbar die Menschen doch sind.

    Natürlich nicht belegbar, aber ich fände es doch sehr interessant, ob man bei einer Curling-WM die Hallen mit so einer Strategie auch voll bekommen würde.

    Dämlicher Vergleich, im Endeffekt ist es eben Fußball. Und der bleibt des Deutschen liebstes Kind. Ganz egal ob Männlein oder Weiblein über den Rasen rennen.

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  11. Matti Merker sagt:

    @SebEm

    ad. 1) Es ist zu hoffen, dass es eine nachhaltige Auswirkung auf den Frauenfußball hat und dieser in den nächsten Jahren weiter Profitiert und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Wobei der Frauenfußball hier nicht nur mit den Männern, sondern auch mit vielen anderen Sportarten (z.B. Leichtathletik, Handball, Wintersport, Formel 1 oder Basketball) in Konsequenz tritt.

    ad. 2) Natürlich sind wir durch die Medien stark beeinflusst, was aber nicht nur bei dieser WM zu erkennen ist, sondern z.B. in jedem Wahlkampf ;) . Natürlich gibt es daneben auch Beispiele von anderen Sportveranstaltungen welche durch Werbung profitieren konnten z.B. die Handball-WM, Eishockey-WM oder die Leichtathletik-WM in Berlin. Überall waren die Plätze gefüllt und die Einschaltquoten gut :) .

    Der Startschuss der Massenbegeisterung war mit Sicherheit die Fußball-WM 2006, welche sich jetzt noch nachhaltig auf die Sportwelt wirkt. König-Fußball regiert nun mal in Deutschland.

    Viele Grüße Matti

    P.S.: Die nächsten Sportveranstaltungen sind übrigens schon geplant z.B. die Biathlon-Weltmeisterschaften 2012 in Ruhpolding oder die Tischtennisweltmeisterschaft 2012 in Dortmund … und hoffentlich auch die Olympischen Spiele 2018 in München :) .

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  13. E. Keith Owens sagt:

    Madchen wurden in rosafarbene Kleidchen gesteckt und bekamen Puppen zum Spielen Jungen wurden blau angezogen und bekamen Spielzeugsoldaten und FuBballtrikots. Verwandte schenkten Jasmine weiche kuschelige Spielsachen und Adam einen kleinen FuBball und ein winziges FuBballhemd. Sie redeten.20.. lauter boxten ihn spielerisch gegen die Schulter warfen ihn in die Luft und sprachen mit ihm uber eine Zukunft als FuBballspieler.

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  14. Matti Merker sagt:

    Hallo alle zusammen,

    anbei erneut Fakten zu unseren “Kampf-Lesben bzw. Sex-Objekten” :

    Nach hartem Kampf hat unsere Mannschaft bei der Frauen-WM den Viertelfinal-Einzug geschafft und bezwangen nach dem Auftaktsieg über Kanada im zweiten Gruppenspiel Nigeria mit 1:0 (0:0) vor 48.817 Zuschauern (ausverkauft) in Frankfurt.

    Viele Grüße euer Matti

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  16. Matti Merker sagt:

    Hallo alle zusammen,

    leider geht der erbarmungslose Sexsismus weiter:

    - Schon wieder schauten 16,24 Mio. (51,9 %) das Spiel zwischen Frankrreich und Deutschland

    - Das Spiel in Mönchengladbach war schon wieder ausverkauft

    - In Frankfurt feiert schon wieder 15.000 Menschen friedlich auf Deutschlands größter Fanmeile die Mannschaften

    Leider spielt unsere Mannschaft nun am Samstag im Viertelfinale gegen Japan. Vielen von uns fänden es sicher besser wenn wir ausgeschieden wären, damit der erbarmungslose Sexismus endlich aufhöhrt!

    Viele Grüße euer Matti

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  17. Filippos Kourtoglou sagt:

    Hallo an alle,

    ich stehe hier wahrscheinlich zwischen den Fronten.

    Einerseits sehe ich einen leichten “Sexismus” im Vorfeld der Frauen FussballWM (Wieso heißt es “Frauen Fussball WM” und das Pendant nicht “Männer FussballWM” ? ;) )

    Zum Hintergrund darf man nicht vergessen, seit wann das weibliche Geschlecht schon einigermaßen Professionell Fussball spielt und wann es der DFB erlaubt hat. Das ist an sich schon eine riesen Frechheit!

    Dann noch die im Vorfeld stattgefundene “Sexismus Offensive”. Das stimmt, denn man wollte mit diesen Marketingmittel vor allem die Männer vor dem Fernseher locken, wo die meisten doch den Fussball der Frauen sonst so verpöhnen.

    Zum Vergleich @ Matti. Wenn die Politikerinnen blank ziehen würden, um mehr Stimmen zu bekommen…. Das würdest du auch nicht unterstützen, oder? ;)

    Im Endeffekt haben die Frauen sich aber gut präsentiert und das hätten sie auch ohne diese “Sexismus-Offensive” geschafft. Ich finde es trotzdem schade, dass sie nun ausgeschieden sind.

    Aber was letztenendes zählt, ist doch der Sport, die Leistung und Fairplay :)

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