Sprünge in der gläsernen Decke?
Dienstag, 5.Juli 2011 von Elena Pieper
Das Unternehmen Deutsche Telekom hat bekannt gegeben, gleich zwei Frauen auf einmal in den bisher nur aus Männern bestehenden Vorstand zu berufen. Über die Berufung einer dritten Frau wird noch spekuliert. Und das auf Grund einer Selbstverpflichtung und ohne gesetzliche Quote. Brauchen wir die dann überhaupt?
Ist das der Befreiungsschlag? Zukünftig werden die Vorstandsressort Personal und Europa bei der Deutschen Telekom mit Frauen besetzt sein. Wenn es gelingt, noch eine dritte Frau zu berufen, entspräche das einer Steigerung des Frauenanteils im Vorstand von 0 auf 40%. Das klingt revolutionär, und so sehen sich die Gegner einer gesetzlichen Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte in ihrer ablehnenden Haltung bestätigt: Es geht doch auch so, ganz ohne Zwang.
Leider ist die Telekom in Sachen Frauenförderung auf den hohen Hierarchie-Ebenen eine Ausnahme: Deutschlandweit beträgt der Frauenanteil in Vorständen gerade mal 3%, in Aufsichtsräten 10%. Angesichts dieser erschreckenden Zahlen musste sogar Frauenministerin Kristina Schröder die offensichtliche Diskriminierung eingestehen und wandelte ihre strikte Quotenablehnung zum Vorschlag einer „Flexiquote“ um, einem Stufenplan, bei dem Unternehmen ab 2013 gesetzlich verpflichtet werden sollen, selbst festgelegte Quoten zu erfüllen. Da sind die meisten Unions-Politiker_innen schon weiter.
Festzuhalten bleibt: Dass die Telekom 2 Frauen in ihren Vorstand beruft, ist aus einer frauenpolitischen Perspektive grundsätzlich zu begrüßen. Einen bitteren Beigeschmack hinterlässt, dass gerade derjenige Vorstand, der sich am meisten für die unternehmensinterne Frauenquote einsetzte, nun das Nachsehen hat: Personalvorstand Thomas Sattelmann wird durch eine Frau ersetzt. Auch dieses Vorgehen zeigt, wie wichtig eine gesetzliche Frauenquote ist: Sie stärkt diejenigen, die sich innerhalb eines Unternehmens für Frauenförderung einsetzen. Und das ist angesichts der strukturellen Diskriminierung, der Frauen in Unternehmen ausgesetzt sind, bitter nötig.
Was noch anzumerken bleibt: Eine gesetzliche Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte ist wichtig und wünschenswert. Aber sie kann immer nur ein Teil einer konsequenten Frauenförderung sein. Sicherlich lässt sich die Benachteiligung von Frauen in den hohen Hierarchie-Ebenen leicht quantifizieren und damit sichtbar machen. Aber nicht nur dort sind Frauen von Diskriminierung betroffen. Und nicht alle wollen Karriere machen.
Tags: Frauen, Kristina Schröder, Quote, Telekom







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Ein Unternehmen ist Eigentum der Eigentümer. Im Falle einer Aktiengesellschaft sind dies die Aktionäre. Die Aktionäre stellen des Aufsichtsrat auf (wo in DE leider die Belegschaft dran beteiligt ist), welcher wieder den Vorstand aufstellt. Was die Eigentümer mit ihrem Eigentum machen ist ihre Sache. Somit ist es ihre Sache, wen sie in den Aufsichtsrat und damit indirekt in den Vorstand bringen.
Eine Quote schränkt das Eigentumsrecht ein und ist damit abzulehnen. Darüber hinaus ist es offensichtlich, was die die diese Quote fordern antreibt: Positionen ohne entsprechende vorherige Leistung. Man will sich sozusagen ins gemacht Nest setzen. Denn eine allumfassende gesellschaftliche Gleichstellung wird nicht angestrebt. So wird z.B. nicht eine Quote bei der Müllabfuhr und bei Obdachlosigkeit gefordert.
Obdachlose sind im übrigen zu 90% männlich. Interessanterweise schwurbelt hier keiner was von “struktureller Diskriminierung”. Komisch ist, dass diese Worthülse “strukturrel” sich seit den 60er Jahren hält.
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Ich bin auch der Auffassung, dass die Diskussion um Gleichstellung zu sehr auf die Quote in Führungsgremien fokussiert. Klar ist die Diskriminierung hier besonders offensichtlich, allerdings liegt das Problem tiefer: Frauen machen nunmal keine Karriere in einem Gesellschaftssystem, dass auf Sexismus und Ausbeutung gegründet ist. Die wenigen Frauen in den Aufsichtsräten sind dafür nur ein Symptom. Geändert werden muss die gesellschaftliche Arbeitsteilung!
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Es gab und gibt auch eine heimliche Männerquote: unfähige Manager, die aufgrund ihrer Seilschaften in ihren Chefsesseln sitzen (wie das unlängst Peter Jedlicka in seinem Buch “Gender Balance” beschrieb). Es ist nur fair, wenn eine transparente Frauenquote dem entgegengesetzt wird …
Konrad
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Hallo Elena,
also von mir aus kann eine Vorstandschaft zu 100 % aus
Frauen bestehen, warum nicht ?
Aber meine Frage an dich, was bringt das ? Glaubst du, dass
dann die Arbeitsbedingungen (z.B. eben endlich der gerechte
Lohn für weibliche Beschäftigte) sich verbessern ?
Hab da ehrlich gesagt meine Zweifel. Es ist doch letzten-
endes völlig egal, ob die Frauen oder die Männer in der
Vorstandschaft die Mehrheit haben, entscheidend für mich ist,
wie sozial handelt diese ” Vorstandschaft “, wie wird mit den
Beschäftigten umgegangen ?
Oder verstehe ich da etwas falsch ? dann klär mich bitte auf !
LG
Georg
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@Georg:
Ich behaupte nicht, dass Frauen die besseren Entscheidungen treffen oder gar eine “sozialere” Unternehmenspolitik machen. Auch das sind Stereotype und Klischees. Aber: Es darf keine Bereiche geben, aus denen Frauen strukturell ausgeschlossen sind, weil sie Frauen sind. Das ist bisher aber in Vorständen und Aufsichtsräten großer Unternehmen der Fall. Geschlechtsspezifische Diskriminierung muss also auch dort bekämpft werden und dafür ist die gesetzliche Frauenquote ein richtiger Schritt.
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@Elena,
danke für deine sehr sachliche und gut formulierte
Antwort. Damit kann ich was anfangen !
LG
Georg
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