Sag mir den höchsten Bildungsabschluss deiner Eltern…

… und ich sag dir, was du erreichen kannst?! Bildungschancen hängen in Deutschland sehr stark vom Ausbildungsstand der Eltern ab. In den letzten Jahren wurde viel darüber diskutiert, doch wirklich geändert hat sich daran wenig. Auch der neuste Sozialbericht des Statistischen Bundesamtes und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), der in dieser Woche präsentiert wurde, zeigt, wie sehr der Bildungserfolg junger Menschen von ihrem sozioökonomischen Hintergrund abhängt.
Das wird vor allem bei der Beteiligung an verschiedenen Schulformen deutlich: Während an Gymnasien 10% der Schülerinnen und Schüler im Referenzjahr 2009 aus einem Elternhaus stammen, in dem die Eltern einen Hauptschulabschluss oder keinen formalen Schulabschluss als höchsten Bildungsgrad besaßen, lag dieser Anteil an Hauptschulen bei 56%. Dafür betrug der Anteil der Schülerinnen und Schüler aus einem Elternhaus mit einer (Fach-)Hochschulreife an Gymnasien ganze 59%.
Unterschiede zeigen sich auch bei der Beteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, der je nach höherem angestrebtem Bildungsabschluss abnimmt: Während laut Bericht der Anteil an Hauptschulen bei 43% der gesamten SchülerInnen liegt, sind es an Gymnasien nur knapp 23%.
Gleichzeitig mit dem Sinken der Chancen auf einen höheren Bildungsabschluss für Kinder aus einem Elternhaus mit Hauptschluss oder ohne formalen Schulabschluss, nimmt auch die Aussicht auf eine berufliche Ausbildung für junge Menschen mit niedrigerem Schulabschluss ab. Rund 20% derer, die im Jahr 2009 einen Ausbildungsvertrag abschlossen, hatten Abitur oder Fachhochschulreife, 42% einen Realschulabschluss. Die Hälfte der jungen Menschen, die nach einem Hauptschulabschluss eine Ausbildung begannen, hatte bereits an weiteren berufsqualifizierenden Maßnahmen wie Berufsfachschulen oder ein Berufsvorbereitungsjahr durchlaufen.
Auch an Hochschulen zeigt sich immer wieder, dass vor allem Kindern mit nicht-akademischem Hintergrund der Weg ins Studium häufig verwehrt bleibt. Der Sozialbericht zeigt, dass schon im dreigliedrigen Schulsystem diejenigen benachteiligt werden, deren Eltern über einen niedrigen beziehungsweise keinen formalen Schulabschluss verfügen. Noch immer scheint ein Durchbrechen von Bildungshürden nur wenigen zu gelingen.
Der Bericht sollte uns noch einmal daran erinnern, dass eine Diskussion um eine Schulreform unumgänglich ist. Das dreigliedrige System ist höchst selektiv, wir brauchen Alternativen, um endlich allen Kindern gleiche Startvoraussetzungen bieten zu können. Dafür ist es dringend notwendig, dass die Ausgaben in Bildung deutlich erhöht werden. Um individuelle Betreuung und Förderung sowie Ganztagsangebote flächendeckend anbieten zu können, muss investiert werden. Denn Bildung darf nicht vom Elternhaus abhängen!

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4 Kommentare

  1. Georg sagt:

    Hallo Mareike,

    finde es zwar sehr schade, dass in unserer Gesellschaft
    die Hauptschule so abgewertet wird. Warum eigentlich ?

    Aber du hast natürlich grundsätzlich schon Recht, Bildung
    darf nich vom Einkommen der Eltern abhängen. Jedoch genau
    das tut es, wie du ja in deinem Beitrag dargestellt hast.

    Tja, ob sich da bald etwas ändert ? Wünschenswert und erforderlich wäre es !

    LG

    Georg

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  2. Lena sagt:

    Hallo Mareike,

    ein (leider) sehr wahrer Beitrag von dir.
    @Georg
    Die Hauptschule wird in unserer Gesellschaft so “abgewertet”, weil dort nur die Schüler landen, die wirklich keine Chancen mehr haben. Dies wissen sowohl die Lehrer, als auch die Schüler selbst. Sie wissen, dass sie sobald sie Ihren Abschluss haben, keine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben. Die Betriebe nehmen lieber die Realschüler. Dies ist nicht nur ein Imageproblem, sondern man sollte generell die frühe Unterteilung der Schüler in “schlecht”, “mittelmäßig” und “gut” abschaffen.
    Warum ist Deutschland eines der letzten Länder Europas, in denen schon nach der 4.(bzw. in einigen Bundesländern nach der 6.) so stark selektiert wird?
    Gemeinschaftsschule und jahrgangsübergreifendes Lernen sind schon mal ein guter Ansatz.
    Und natürlich wie Mareike schon meinte: Mehr Geld!

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  3. Gesine sagt:

    @ Lena:

    Ich denke, die Einführung der Realschule Plus ist auf alle Fälle ein großer Vorteil, gerade für die Ex-Hauptschüler. Zwar werden die RS-Plus von Gymnasiasten auch ab und an wie auch vorher die Hauptschulen als z.B. “Assi-Schulen” o.ä. beschimpft, aber ich denke,das wird sich niemals legen. Fakt ist, dass schonmal Ungleichheiten abgebaut worden sind, da man zwar verschiedene Abschlüsse machen kann, aber sowohl zusammen lernt als auch nicht mehr so stark nach dem Einkommen der Eltern klassifiziert wird. Prinzipiell fände ich es sehr sinnvoll, eine gemeinsame Orientiertungsstufe zu schaffen, die z.B. bis Klasse 6/7 geht,damit auch die “Spätzünder” die Chance aufs Gymnasium haben. Ich weiß nicht, ob gemeinsames Lernen bis zur 9.Klasse so sinnvoll ist, weil ich glaube, dass gerade gute Schüler sich schnell langweilen und dadurch ebtl. auch ihre Leistungsbereitschaft verloren geht.
    Allerdings liegt glaube ich gerade in der frühen Bildung das Problem wirklich beim Geld, da Kinder aus finanziell schwächeren Familien vieles nicht finanziert bekommen können – wie z.B. jeden Monat ein Buch, um das Leseverhalten durch Vorlesen oder selbst lesen zu verbessern. Da muss der Staat definitiv eingreifen, denn sonst bewegen wir uns auf eine Klassengesellschaft zu – und damit auf eine Elite, die nicht Elite ist, weil sie Potezial hat, sondern das entsprechende Geld auf dem Konto der Eltern.

    Gut oder schlecht: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. Rene sagt:

    Hallo Zusammen,
    Ich denke den Zusammenhang zwischen der Bildung der Eltern und der Bildung ihrer Kinder lässt sich nur sehr begrenzt entzerren durch Maßnahmen, die das Schulsystem betreffen.
    Ich habe die Erfahrung, dass es sich mehr um Bildungsaffinität dreht, also ob den Kindern von der Erziehung her eine gewisse Neugier und eine Wille zu wissen beigebracht wurde. Wenn müsste man also viel früher anfangen.. Kindergarten? Wenn denn mal alle Kinder in den Kindergarten dürften/könnten..

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