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JSG-Kongress: “Bildungsgerechtigkeit erkämpfen!”

Sonntag, 15.April 2012 von

Aktuell

Und dann war es auch schon so weit – nach monatelanger Vorbereitung eröffnete ich am vergangenen Freitag den zweiten bundesweiten Kongress der Juso-SchülerInnen-Gruppe mit den Worten: „Herzlich Willkommen zum Kongress der Juso-SchülerInnen-Gruppe hier in der SPD-Parteizentrale, hier im Berliner Willy-Brandt-Haus!“ – und die Juso-Schülerinnen und Juso-Schüler waren gekommen. Zahlreich. Mit 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern starteten wir am Freitagabend nach der Eröffnungsrede, in der ich gleichzeitig die „Bildungspolitik“ der schwarz-gelben Bundesregierung kritisierte und versucht habe, Positionen der Juso-SchülerInnen-Gruppe vorzustellen, um für uns die Frage zu beantworten, was wir unter gerechter Bildung verstehen – das war ja die Frage des Abends – und nach dem lobenden Grußwort des Juso-Bundesvorsitzenden Sascha Vogt und dem vor allem auf Werteerziehung abzielenden Grußwort des Mitglieds des Bundesvorstandes der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung, Erhard Kohlrausch – nach diesen starteten wir also mit der Podiumsdiskussion zum Thema: „Bildungsgerechtigkeit in der Metropole – Bildungsgerechtigkeit umsetzen!“ um mit dem Berliner Staatssekretär für Bildung, Mark Rackles und Swen Schulz MdB darüber zu sprechen, was sie sich eigentlich unter gerechter Bildung vorstellen und wie sie meinen, dass diese umgesetzt werden kann.

Die Frage zum Beispiel, was Swen von den Kooperationsvereinbarungen der Länder mit der Bundeswehr hält, die dadurch ja in die Schulen dürfen, beantwortete er sehr klar: „Die Bundeswehr hat in den Schulen nichts zu suchen!“ – wo wir Juso-SchülerInnen ihm einfach Recht geben müssen. Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern, das im Rahmen der Föderalismusreform 2006 auch von der SPD mitgetragen wurde und weswegen der Bund die Länder finanziell nicht im Bildungsbereich unterstützen darf, war ein schon eher intensiver diskutiertes Thema. Während sich Swen zwar auch für dessen Abschaffung aussprach, stieß diese Forderung beim Landespolitiker Mark eher auf gemäßigte Vorfreude. So diskutierten wir bis in die Nacht über verschiedene allgemeine Ideen zum Thema Bildung, sprachen aber auch sehr konkret über einzelne Unterrichtsfächer, um am nächsten Tag das Wissen in den zwei Workshop-Phasen zu vertiefen, vor denen wir jeweils Grußworte von Mareike Strauß, Mitglied des Bundesvorstandes der Juso-Hochschulgruppen, von Julian Holter, Mitglied des Bundesvorstandes der SJD – Die Falken und Landesvorsitzender dieser unserer Partnerorganisation in Berlin hörten.

In der ersten Phase ging es z.B. darum, in einem Workshop das aktuelle Thema Inklusion zu besprechen und auf einen Antrag zum nächsten Juso-Bundeskongress hinzuarbeiten. Valentina Kerst, Mitglied des Gesprächskreises Netzpolitik des SPD-Parteivorstandes bearbeitete in ihrem Workshop das Thema Netzpolitik und im dritten Workshop stellte Julian vor, welche Möglichkeiten Kinder- und Jugendarbeit in der Erziehung hat und welche Verbindungen zur Schule hergestellt werden können. Vor der zweiten Phase freuten wir uns besonders darüber, Anna Bruckner als Projektkoordinatorin des Workers Youth Festival 2013 bei uns begrüßen zu dürfen, die auch gleich das Festival für die Schülerinnen und Schüler vorstellte – ein großes Projekt! Ihr Workshop zu sozialistischer SchülerInnenarbeit in Österreich fand genau so viel Anklang wie der von Mareike, in dem sie besprach, was linke Hochschulpolitik ist.

Eine Premiere für uns Juso-SchülerInnen stand nach der zweiten Workshopphase an: Gemeinsam liefen wir zum Potsdamer Platz in Berlin, um uns dort mit unserem großen Banner und einer Lautsprecherbox aufzustellen und lautstark an die Bundesregierung gerichtet endlich Verbesserungen im Schulsystem einzufordern und um für gerechte Bildung und gleiche Chancen einzustehen – die Aktion war ein voller Erfolg, hat Spaß gemacht und nach dem Empfinden der Teilnehmerinnen und Teilnehmer viele PassantInnen zum Nachdenken angeregt.

Das andere Highlight dieses zweiten Kongresstages stellte der Besuch vom renommierten Reformpädagogen, Psychologen und Autoren Otto Herz bei uns dar. Otto beantwortete die Frage, was Reformpädagogik eigentlich ist, sprach über den Sinn und Zweck der Schule und darüber, was unsere Rolle in dieser Welt sein könnte: „In der ganzen Welt mit Ausnahme von Deutschland, einigen Kantonen der Schweiz und in Österreich – und die verändern das gegenwärtig auch – in der ganzen Welt gehen alle Kinder bis zum Ende der Sekundarstufe I in eine gemeinsame Schule. Bis 16 Jahre gemeinsam, weil alle Entscheidungen, die früher getroffen werden, die werden nicht von den Kindern getroffen, sondern von den Eltern aufgrund ihrer sozialen Herkunft und daran liegt es, dass kein Bildungssystem der Welt so an die soziale Herkunft gekoppelt ist, wie Deutschland!“ – was könnten wir da noch hinzufügen?

Und um soziale Gerechtigkeit zu erreichen, um endlich gleiche Bildungschancen für alle Kinder in Deutschland zu erreichen, um endlich Bildungsgerechtigkeit nicht nur in Reden thematisiert, sondern konkret umgesetzt zu wissen – dafür werden wir Juso-SchülerInnen auch in der Zukunft einstehen, manchmal lautstark, manchmal in Diskussionen, manchmal mit Aktionen – aber immer sehr bestimmt – denn die Zukunft der Schülerinnen und Schüler darf nicht vom Geld der Eltern abhängen und dafür werden wir kämpfen!

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