Junge Menschen brauchen einen fairen Berufseinstieg
Mittwoch, 8.August 2012 von GastautorIn

Ob Auszubildende, Studierende oder junge Einwander*innen – wer kennt es nicht: Das erste mal ‚so richtig’ Geld verdienen, endlich ausgelernt haben und der großen weiten (Arbeits-) Welt zeigen, was mensch so kann. Aber beim Berufseinstieg stellen sich häufig viele Fragen: Wie läuft die Ausbildung ab und werde ich danach übernommen? Bekomme ich nach der Ausbildung oder meinem Studium einen festen Job? Muss ich vorher vielleicht doch noch ein Praktikum, Volontariat oder eine Traineestelle annehmen um bessere Chancen zu haben und mit der Konkurrenz mithalten zu können? Wie sieht es mit der Bezahlung und Qualität des ersten Jobs aus? Und reicht das Geld um meinen eigenen Lebensunterhalt zu sichern oder gar meine eigene kleine Familie zu ernähren?
Für uns Jungsozialistinnen und Jungsozialisten ist klar, dass wir für eine Gesellschaft kämpfen, in der jede und jeder nicht nur selbstbestimmt leben sondern auch arbeiten kann. Wir setzen uns dafür ein, dass jungen Menschen Arbeit und Ausbildung zu guten Bedingungen angeboten werden und streiten für sichere Beschäftigungsmöglichkeiten mit individuellen Entwicklungsperspektiven.
Gute Ausbildungsbedingungen und Übernahmegarantien
Auszubildende werden häufig als billige Arbeitskräfte herangezogen und übernehmen nicht selten ausbildungsfremde Hilfstätigkeiten bei oft viel zu geringer Entlohnung. Wir Jusos sowie Gewerkschaftsjugenden und Sozialverbände haben bereits gute Forderungen formuliert: eine Ausbildungsgarantie als Basis, qualitativ hochwertigere Ausbildungsplätze, Berufsausbildung als gleichwertige Hochschulzugangsberechtigung sowie ausreichend hohe Ausbildungsvergütungen. Außerdem wird viel und scharf über eine Übernahmegarantie diskutiert – beispielsweise eine Weiterbeschäftigung von mindestens einem Jahr nach Ausbildungsabschluss. Diese Garantie kann womöglich auch in einem Anreizsystem über die Ausbildungs-Abschlussnote bestehen. Nach der Ausbildung arbeitet die Hälfte aller jungen Menschen unter 24 Jahren heutzutage unter befristeten Verträgen. Das sind 20,2% mehr als noch 1995 und sollte zu Denken geben. Eine weitere, nur faire, Forderung ist es, die Ausbildungszeit bei den Rentenansprüchen geltend zu machen.
Schluss mit der „Generation Praktikum“
Faire und gute Praktika können eine feine Sache sein. Sie können jungen Menschen die Chance bieten, erste berufliche Erfahrungen in Unternehmen, der Wissenschaft oder der öffentlichen Verwaltung zu sammeln, Einblicke in die Arbeitswelt zu erhalten und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Auch nach der Ausbildung oder dem Studium kann ein Praktikum unter Umständen zur beruflichen Orientierung sinnvoll sein. Kritisch wird es allerdings dann, wenn Praktika für junge Menschen zur Regel werden und der Einstieg ins Berufsleben ohne das Absolvieren mehrerer Praktika quasi unmöglich wird. Denn diese werden oft schlecht oder sogar überhaupt nicht vergütet. Junge Praktikant*innen werden de facto rechtswidrig als übliche Arbeitskräfte eingesetzt, aber nicht entsprechend bezahlt. Das Lernen, welches immer Hauptbestandteil eines Praktikums sein sollte, wird von der reinen Arbeitsleistung in den Hintergrund gedrängt. Diese „Scheinpraktika“ sind ein klarer Fall von Missbrauch, bei dem junge Berufseinsteiger*innen als qualifizierte, aber billige Fachkräfte ausgebeutet werden.
Daher ist mit der „Generation Praktikum“ eindeutig abzuschließen: Praktika dürfen nicht zur Selbstverständlichkeit sowie Notwendigkeit für den Berufseinstieg werden. Sie müssen ein sinnvolles Lehrverhältnis darstellen, gerecht entlohnt werden (beispielsweise mit mindestens 400 Euro), eine zeitliche Begrenzung finden und echte Übernahmemöglichkeiten bieten. Und zu guter letzt dürfen sie vor allem eines nicht: als Ersatz für einen regulären Arbeitsplatz dienen!
Einheitliche und zügige Anerkennung ausländischer Abschlüsse
Auch für junge Einwander*innen ergeben sich beim Berufseinstieg häufig eine Reihe von Problemen, denn es fehlt ein einheitliches und zügiges Verfahren zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen (davon sind selbstverständlich auch ältere Migrant*innen betroffen). Viele kapitulieren bereits vor der Einreise oder geben sich – angekommen in Deutschland – notgedrungen mit Jobs zufrieden, die dem Niveau ihrer Ausbildung nicht gerecht werden. Da wir allen Menschen die Möglichkeit der Selbstverwirklichung geben wollen und Fachkräfte in unserer Wirtschaft dringend benötigt werden, muss die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Qualifikationen einheitlicher und zügiger als bisher erfolgen, um jungen Migrantinnen und Migranten echte Chancen im Berufseinstieg zu ermöglichen.
Festzuhalten ist, dass wir Jusos uns über die Probleme junger Menschen beim Berufseinstieg bewusst sind und nicht aufhören werden, für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der jede und jeder selbstbestimmt arbeiten, sich persönlich entfalten und ihre bzw. seine individuellen Fähigkeiten vollständig entwickeln kann. Der Beginn des neuen Lebensabschnitts beim Übergang von Ausbildung bzw. Studium in den Beruf ist für Jugendliche von entscheidender Bedeutung, denn er entscheidet maßgeblich über den weiteren beruflichen und gesellschaftlichen Werdegang. Für die Freiheit aller Menschen zu streiten und jungen Erwachsenen neue und faire Möglichkeiten zu eröffnen und Sicherheit zu geben ist und bleibt Ziel jungsozialistischer Politik!
von Florian Nowack, Mitglied im Projekt “Mehr Möglichkeiten für junge Menschen”







Hallo,
schön, dass Ihr Jusos nicht aufhört für eine
gerechte und soziale Arbeitswelt zu kämpfen.
Unsere Arbeitswelt wird immer unsozialer. Es
wird immer mehr (Leistungs)-Druck aufgebaut.
Der Artikel schildert haargenau was abgeht.
Finde auch, Arbeit sollte Spass machen, jeder
sollte sich nach seinen Fähigkeiten, Interessen
u.s.w frei entwickeln können.
Was ich auch sehr wichtig fände, wäre, eine viel
freiere Zeiteinteilung (Teilzeit u.s.w.)
Oder wenn jemand einfach mal so eine Auszeit
machen möchte, sollte dies viel leichter möglich
sein. Finde es schrecklich, dass man immer erwerbs-
tätig sein muss. Macht dies überhaupt Sinn ? Wird
eh nicht zu viel produziert ?
Also, ich meine wer gerne arbeitet, sollte dies
auch tun können. Allerdings unter menschenwürdigen
Bedingungen. Aber wer dies nicht unbedingt so voll
möchte, sollte auch angemessen leben können.
LG
Georg
Gut oder schlecht:
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