Wahlalter senken statt Familienwahlrecht einführen!

Wahlen In der Zeitung war vor kurzem zu lesen, dass die Ministerin Manuela Schwesig die Rechte von Kindern stärken möchte. Sie denkt deshalb über den Vorschlag, das Familienwahlrecht einzuführen, nach. Ich finde: Die Argumentation, die hinter dieser Forderung steht, ist genauso einfach wie falsch, weil zu kurz gedacht.

Durch die Einführung eines Familienwahlrechts, so die allgemeine Argumentation, würde eine kinder- und familienfreundlichere Politik erzeugt und somit das zunehmende Ungleichgewicht der Generationen, welches die aktuelle Politik beeinflusst, ein wenig ausbalanciert werden. Dies soll dadurch gewährleistet werden, dass ein Elternteil pro Kind eine zusätzliche Stimme erhält, also für dieses abstimmen kann bis es das Wahlalter erreicht hat. Eltern wird dabei unterstellt, dass sie immer auch im Wohle ihrer Kinder ihre Stimme abgeben würden.

Doch hier genau liegt ein Problem des Familienwahlrechts. Es berücksichtigt nämlich nicht, dass Kinder und Jugendlich eine eigene politische Meinung haben, die nicht immer der der Eltern entsprechen muss. Familiäre Konflikte wären dann vorprogrammiert. Noch problematischer wird das Familienwahlrecht vor dem Hintergrund, dass auch die Eltern von Kindern politisch nicht immer einer Meinung sind. Wem würde in einem solchen Fall das Wahlrecht pro Kind zugesprochen werden, und auf welcher Grundlage?

Zudem würde durch das Familienwahlrecht Kindern und Jugendlichen abgesprochen werden, sich eigenständig eine fundierte Meinung über politische Themen bilden zu können. Ihre Meinung würde durch das Familienwahlrecht nicht aufgewertet, sondern abgewertet werden. Ihr Interesse an Politik würde dadurch nicht gestärkt, sondern geschwächt, und im Zweifel sogar behindert werden.

Zuletzt sei noch gesagt, dass die Entscheidung, wer wen wählt, aus vernünftigen demokratischen Gründen eine persönliche Entscheidung ist und dementsprechend nicht über ein Familienwahlrecht an die Eltern von Kindern delegiert werden sollte.

Wer daran Interesse hat, der Stimme der Jungend ein stärkeres Gewicht zu geben, sollte statt ein Familienwahlrecht zu fordern den Schwerpunkt auf eine Senkung des Wahlalters, zum Beispiel auf das 16. Lebensjahr, legen. Jugend ernst nehmen, Jugend ein politisches Gehör verschaffen, Jugend nicht entmündigen kann nur so funktionieren.

Daher gilt für uns: Wahlalter senken statt Familienwahlrecht einführen.

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