YES WE CAMP – Das YES Sommercamp aus der Sicht einer Delegationsleitung

Eigentlich ist es erstaunlich, wie ruhig das YES Summercamp in Portugal bislang verlaufen ist. Vergleicht man es mit anderen Camps, ist man fast dazu geneigt schon mal vorsorglich in Panik zu verfallen. Wann kommt der große Knall, wann gehen die Beschwerden los, wird die Stimmung noch kippen?
Selbst die ausufernden Toiletten-Diskussionen über verstopfte Toiletten oder zu wenig Klopapier (meine Theorie hierzu ist ja, dass dazwischen ein Zusammenhang besteht) und der Austausch über die Existenz von warmen Wasser in den Duschen sind bislang an uns vorbeigegangen.
Unsere Delegation ist sehr motiviert. Manchmal tun mir unsere GenossInnen aus den europäischen Partnerorganisationen fast ein wenig Leid. Bei Delegationstreffen kann es passieren, dass 45 Jusos drei GenossInnen von der CHP Youth gegenüber sitzen, diese ordentlich mit Fragen löchern und vor lauter Eifer völlig vergessen, dass die GenossInnen der CHP Youth auch Fragen haben könnten.
Der/Die Juso an sich ist eben ein Gruppentier. Egal ob bei Delegationstreffen, in Workshops oder auf der Party. Am wohlsten fühlen sich die GenossInnen, wenn sie in möglichst heterogenen Gruppen in den Austausch mit anderen treten können. So begegnet man auf den allabendlichen Party oft folgender Situation: Eine Gruppe Jusos kommt auf die Tanzfläche. Natürlich wird als erstes der altbewährte Tanzkreis gebildet. Danach fängt man an Ausschau zu halten: Mit wem und wie lässt sich dieser Tanzkreis vergrößern, ist hier die Frage? Ist es der eine Genosse von der Young Labour UK oder doch die vier GenossInnen aus Zypern? Nach einem kurzen Austausch mit ihnen entscheidet man sich am Ende doch dafür, den Rest des Abends mit den Genossinnen der SJÖ, den Falken oder der JUSO Schweiz zu verbringen. Die sprechen wenigstens deutsch und man hat trotzdem das Gefühl, sich international vernetzt zu haben.
Ich möchte an dieser Stelle einmal klar Stellen, dass diese Verhaltensmuster sich durch die meisten Delegationen ziehen und auch ich mich nicht ausnehmen kann.
Viele Delegationen auf dem YES Summercamp sind recht klein, doch dafür findet man unter den 300 TeilnehmerInnen eine unglaubliche Vielfalt an Organisationen vor. Gerade in den Workshops, den Seminaren oder den Podiumsdiskussionen ist diese Vielfalt unglaublich bereichernd.
Viele dieser Angebote werden von Jusos organisiert und/oder mitgestaltet. Dazu gehörte eine Veranstaltung zu Rechtsradikalismus in Europa, bei der Jan Lichtwitz, unser IUSY-Vizepräsident als Redner teilnahm. Es gab einen Workshop zur Endlagerproblematik, in der Johanna Klingbeil, unsere YES-Vizepräsidentin, und ich für den Bundesvorstand an einem sozial gerechten und sozialistischen Lösungsweg im Umgang mit Atommüll gearbeitet haben. Außerdem gab es Diskussionsrunden zu TTIP und CETA, zur YES Reform, zur UN Klimakonferenz und sozialer Gerechtigkeit.
Das ganze YES Sommercamp steht übrigens auch unter einem Motto: „Change the system, not the climate“. In ihrer Eröffnungsrede betonte Laura Slimani, die Präsidentin der YES deshalb, dass der Klimawandel nicht durch zahlreiche Konferenzen und Tagungen aufgehalten wird, sondern dass wir einen Systemwechsel brauchen. Der Klimawandel ist als ein Resultat des Kapitalismus als vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zu betrachten, denn dieser begreift die Natur als Reproduktives Element, integriert sie nicht in das Wirtschaftssystem und beutet sie somit aus.
Ich finde, wir müssen uns bewusst sein, dass die natürlichen Ressourcen endlich sind. Vor diesem Hintergrund ist ein nachhaltiges Wirtschaften, ist eine Neuausrichtung des Wirtschaftssystems hin zu einem die Reduktion und Reproduktion integrierenden Kreislauf unabdingbar. Nur so kann soziale Gerechtigkeit, welche vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen zwangsläufig mit einer gerechten Verteilung dieser einhergeht, verwirklicht werden.
Nun ist so ein Bericht von einer Person über so eine Fahrt natürlich sehr subjektiv. Daher habe ich Johanna Klingbeil gebeten, noch ein kurzes (Zwischen-)fazit zu ziehen. Sie meint: „Wenn unser Ziel eine gerechte Gesellschaft ist, dann müssen wir eine gesamtgesellschaftliche Antwort auf den Klimawandel finden. Wir müssen an einem Strang ziehen. Ich finde das YES Summercamp ist ein tolles Beispiel dafür. JedeR kann sich hier individuell entfalten und muss sich für nichts schämen. Trotzdem sind wir eine tolle Solidargemeinschaft. Alle teilen miteinander und unterstützen sich. Ich hoffe, dass unsere GenossInnen diese Erfahrungen mit nach Hause nehmen.“

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