Wehret den Anfängen muss auch in Bezug auf Atomenergie gelten –Gedanken am Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

Ich bin im Atommüllklo der Bundesrepublik aufgewachsen, im Süden von Niedersachsen, unweit der Asse und unweit von Schacht Konrad. Als sich vor 30 Jahren das Reaktorunglück von Tschernobyl ereignete war ich noch nicht geboren. Ich weiß nur aus Erzählungen meiner Eltern mit welchen Ängsten sich die Menschen in Deutschland konfrontiert sahen und welchen Einschränkungen sie ausgesetzt waren. – Kinder nicht im Sandkasten spielen lassen, keine Milch trinken, keine Pilze essen, bestimmte Dinge im Kleingarten nicht anbauen – und das obwohl das alles so weit weg passiert ist.
Obwohl ich das alles nicht selber miterlebt habe war mir Kind bewusst, dass Atomkraft etwas Böses ist, etwas das großes Unheil über die Menschen bringen kann. Auch noch heute kann und will ich nicht verstehen, wie Menschen immer noch an eine sichere Nutzung von Atomenergie glauben können. Einer Technologie, die subventioniert werden muss, deren Müll noch nach Jahrmillionen strahlt und die tödlich ist. Doch auch wenn wir gerne glauben wollen, dass jede Bürgerin und jeder Bürger den Atomausstieg als etwas positives wahrnimmt, gibt es immer noch Menschen, die sich nach einem zurück in Atomarzeitalter sehnen.
In den letzten Jahren ist es wieder recht Still in der Öffentlichkeit geworden, wurde doch das Ringen um den Ausstieg oder besser den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg, der große Kampf der Antiatomkraftbewegung mit Fukushima im Rücken gewonnen.
Doch diese Ruhe ist trügerisch. Die reaktionären Kräfte sind auf dem Vormarsch und mit ihm auch Debatten, die wir gewonnen zu haben glauben. Wehret den Anfängen muss auch in Bezug auf Atomenergie gelten, denn Rückenwind durch einen Reaktorunfall ist zwar möglich, aber weder planbar noch zu erhoffen.

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