Let’s talk about food production

Ein Bericht über die FES Summerschool Lateinamerika von Jens Mühlenfeld und Charlotte Rosa Dick

Bereits zum siebten Mal fand dieses Jahr die Sommerschule der FES Lateinamerika statt. 35 junge Erwachsene aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Mexiko, Paraguay, Peru, Uruguay und Venezuela diskutierten auf dieser darüberwie verhindert werden kann, dass demokratisch legitimierte Rechte duch große Agrarkonzerne untergraben werden und welche Alternativen es zur industriellen Lebensmittelproduktion gibt.

Im Zentrum der Debatte stand die Überwindung von Hunger und Armut, die angesichts der immer stärkeren Präsenz transnationaler Konzerne, auf dem Markt für Nahrungsmittel und den damit einhergehenden Einsatz von transgenem Saatgut nicht vermindert sondern sogar noch verstärkt wurde. Es ging darum Alternativen für die Politiken in der Region zu finden. Alternativen, die sich zwischen der hochindustrialisierten Landwirtschaft transnationaler Konzerne und kleinbäucherlichen Landwirtschaft bewegen und Nahrungsmittel nachhaltig und trotzdem zu erschwinglichen Preisen produzieren.

Nun darf man nicht dem Trugschluss aufsitzen industrialisierte Landwirtschaft in Lateinamerika mit industrialisierter Landwirtschaft in Europa gleichzusetzen und auch bäuerliche Landwirtschaft ist nicht gleich bäuerliche Landwirtschaft. Während sich in Europa bäuerliche und industrialisierte Landwirtschaft nicht ausschließen sondern oftmals Hand in Hand gehen, wird in Lateinamerika unter bäuerlicher, kleinbäuerlicher oder auch familiärer Landwirtschaft oft die Produktion von Lebensmitteln für den eigenen Bedarf verstanden. Hingegen ist die industielle Lamdwirtschaft der Kontrolle Transnationaler Konzerne unterworfen und produziert Nahrungsmittel unter Ausbeutung von Mensch und Natur für den freien Markt.

Charlotte DickDie Aufgabe der Jusos auf der Sommerschule der FES Lateinamerika bestand vor diesem Hintergrund darin, unseren Genossinnen und Genossen aus Lateinamerika einen Überblick über die gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union und deren Umsetzung in Deutschland, sowie einen Einblick in die aktuellen Debatten rund um Ernährungspolitik aufzuzeigen. Für uns stand hierbei im Fokus aufzuzeigen, wie durch einen VerbraucherInnenwille und einen meist mit negativen Assoziationen behafteten Protektionismus der Einsatz von Gentechnik und damit verbunden eine radikale Öffnung des Marktes für transnationale Agrarkonzerne so gering wie möglich gehalten werden kann. Zudem haben wir diskutiert, wie wir beispielsweise die Massentierhaltung hinterfragen können um biologische Landwirtschaft im Gegenzug stärker zu fördern.

Jens MühlenfeldNeben dem Schwerpunkt der Sommerschule wurden auch Debatten über die aktuelle Politik geführt und ein Blick auf die jüngere Geschichte Lateinamerikas, speziell Argentiniens geworfen. In diesem Zusammenhang fiehl uns die Rolle zu, die Situation der Asylbegehrenden in Europa vorzustellen und mit unseren lateinamerikanischen Genossinnen und Genossen zu diskutieren. Von besonderem Interesse waren dabei auch die Herausforderungen für die Sozialdemokratie, die neue nationalistische bzw. rechtsextreme Gruppierungen mit sich bringen. Einigkeit bestand in diesem Zusammenhang bei der Forderung nach sicheren Migrationsmöglichkeiten, sowie bei der Analyse, dass die internationale Gemeinschaft bei der Aufgabe, den flüchtenden Menschen aus Krisenstaaten Sicherheit und eine Perspektive zu geben, versagt hat.

Die sehr wechselvolle argentinische Geschichte stieß bei uns neben dem Schwerpunktthema auf besonderes Interesse.

Marineschule FES Lateinamerika Bei einem Besuch in der ehemaligen Marineschule in Buenos Aires, die heute ein Ort der Erinnerung und der Mahnung ist, wurde intensiv über die Erfahrungen in der Militärdiktatur zwischen 1976 bis 1983 diskutiert. Zur Zeit der Militärdiktatur war die Marineschule, die mitten in Buenos Aires liegt, einer der Orte an dem tausende „Desaparecidos“, also Verschwundene, gefoltert und schließlich „verlegt“ wurden, was bedeutete, dass sie betäubt und anschließend von einem Hubschrauber in den Rio de la Plata geworfen und so ermordet wurden. Unter den Betroffenen waren damals vor allem Angehörige des politisch linken Spektrums, wie sie auch in der Sommerschule zusammenkamen. Noch heute kämpft Argentinien vor Gericht und in seiner Gesellschaft um eine Vergangenheitsbewältigung und Versöhnung. Angesichts solcher Geschehnisse wird einem immer wieder bewusst, welches Glück wir haben, in Demokratie und Freiheit zu leben, und dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Demokratie und Freiheit müssen von einer mündigen Gesellschaft gelebt und verteidigt werden.

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