Ein neues Ausbildungsjahr, die alten Probleme

Es ist August! Für mich ist das ein stinknormaler Monat. Doch bevor ich das Betriebsgelände betreten habe, sehe ich einen ganzen Haufen von jungen Menschen, die vor dem Haupteingang stehen und aufgeregt bis nervös wirken.

Ach ja, es ist ja wieder Ausbildungsbeginn. Wahrscheinlich fiebern die neuen Auszubildenden schon seit Monaten auf diesen Tag hin. Denn es bedeutet ein neuer Abschnitt, der „Ernst des Lebens“ oder wie man es auch immer nennen möchte. Zumindest ging es mir damals so. Man weiß nicht so recht, was einen erwartet und bekommt eine Menge gut gemeinter Ratschläge.

Die neuen Azubis können sich freuen, denn in großen Unternehmen hat man die Ressourcen um eine gute Ausbildung zu gewährleisten. Allerdings werden rund 70% der Auszubildenden in klein- und mittelständischen Unternehmen ausgebildet. Dort ist das Geld meistens knapper, was sich manchmal auch in der Qualität der Ausbildung niederschlägt.

Ich habe damals auch Glück gehabt, denn ich habe schnell den richtigen Ausbildungsweg für mich gefunden und bin bis heute froh über meine Wahl. Ich kann mich aber auch noch erinnern wie meine ältere Schwester Ende der 90er Jahre einen Ausbildungsplatz im kaufmännischen Bereich gesucht hat. Ein ganzes Jahr hat sie Bewerbung um Bewerbung geschrieben und ist zu Vorstellungsgesprächen gegangen. Wir haben in der ganzen Familie gehofft und gebangt. Als kurz vor Ausbildungsbeginn immer noch kein Vertrag unterschrieben war, überlegte sie, welche Übergangslösung sie jetzt anstreben sollte. Weiter zur Schule oder evtl. einen Praktikumsplatz suchen?

Und knapp 20 Jahre später hat sich die Situation für viele Suchende doch nicht geändert. Bis Ende Juni haben insgesamt 486.877 junge Menschen noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Im vergangenen Jahr hatten 1,2 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren keinen qualifizierenden Berufsabschluss.

Ausbildungsgarantie jetzt!

Wird es da nicht endlich Zeit für eine Ausbildungsgarantie? Wir Jusos fordern, dass jede*r einen Anspruch auf einen Ausbildungsplatz hat und dieser spätestens 2 Monate nach Ausbildungsjahrbeginn auch gilt. Niemand soll mehr sinnfrei in Übergangssystemen geparkt werden. Maßnahmen der außerbetrieblichen Ausbildung und geförderte Ausbildung sollen duale Ausbildung in keinem Fall ersetzten, sondern nur ergänzen und im Notfall als zusätzliche Ausbildungsmöglichkeit dienen.

Die, schon lange von den Jusos geforderte, Ausbildungsplatzumlage ist kein alter Hut und wird immer noch dringend gebraucht, damit gerade die klein- und mittelständischen Unternehmen finanziell gestärkt werden und auch überbetriebliche Kooperationsprojekte ermöglicht werden können. Hier müssen gerade die Betriebe finanziell in die Pflicht genommen werden, die nicht ausreichend oder gar nicht ausbilden. Wer nicht ausbildet, wird umgelegt!

Ausbildungsqualität ist keine Worthülse

Doch reicht es nicht aus alle unterzubringen, sondern die Qualität der Ausbildung muss sichergestellt sein. Leider gibt es immer noch Firmen für die Auszubildende in erster Linie billige Arbeitskräfte darstellen, die Ausbildungspläne nicht einhalten, ungenügend ausbilden oder selbst elementaren Regeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes verletzten. Dagegen müssen wir vorgehen.

Zum Beispiel kann gut ausgebildetes Lehrpersonal die Qualität der beruflichen Ausbildung garantieren. Um diese auf Dauer sicher zu stellen, muss das Ausbildungspersonal regelmäßig geschult werden um Kenntnisse wieder aufzufrischen. Und Berufsschulen müssen als zentrale Lernorte für Auszubildende gestärkt werden. Deshalb fordern wir die bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Berufsschulstandorte.

Es gibt noch so viele weitere Punkte, die ich hier ansprechen könnte wie zum Beispiel die Ausbildungsvergütung, die mindestens in Höhe des vollen, aktuellen Studierenden-BAFÖG-Satzes sein sollte, eine inklusive Ausbildung oder das duale Studium.

Die Novellierung des Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist eine Chance all dieses zu verbessern. gute Ausbildungsbedingungen zu schaffen, klare Qualitätsstandards festzuschreiben und die Mitbestimmung zu stärken. Ebenso muss das duale Studium Bestandteil des BBiGs werden.

Im Übrigen hat meine Schwester zum Schluss 2 Ausbildungsstellen angeboten bekommen und war glücklich sogar eine Wahl gehabt zu haben. Ich wünsche nicht nur den Azubis hier im Werk einen guten Start in ihre Ausbildungszeit, sondern allen Auszubildenden eine gute Zeit!

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