Utøya 2016: Erinnern und die Welt verändern.

Vergangenen Mittwoch bis Sonntag kamen 1000 junge Genossinnen und Genossen unserer norwegischen Schwesterorganisation, der Arbeidernes Ungdomsfylking (AUF), zum jährlichen Sommercamp auf die Insel Utøya. Ich durfte für die Jusos und die International Union of Socialist Youth (IUSY) dabei sein.

Es ist beeindruckend, zum ersten Mal nach Utøya zu kommen. Die kleine Insel, die nordwestlich von Oslo im See Tyrifjord liegt und der AUF 1950 geschenkt wurde, ist ein wunderschöner, idyllischer Ort. Um sie zu erreichen, muss man vom gegenüberliegenden Ufer mit der MS Thorbjørn, dem Boot der AUF, übersetzen.

IMG_1958Im vergangenen Jahr ist das Camp der AUF erstmals seit 2011 wieder nach Utøya zurückgekehrt. Am 22. Juli 2011 waren 69 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Camps von einem
Rechtsradikalen ermordet worden. Zuvor hatte er acht Menschen durch einen Bombenanschlag in Oslo umgebracht. Wer über die Insel geht, findet das Mahnmal, das an die Ermordeten erinnert. Seit 2015 schwebt der schwere Metallring, auf dem die Namen und das Alter der Ermordeten eingraviert sind, im kleinen Waldstück der Insel.

Mit der Rückkehr seit vergangenem Jahr zeigen die norwegischen Genossinnen und Genossen, dass sie sich durch Hass und Gewalt nicht von Utøya vertreiben lassen.

Jonas Gahr Støre, der Vorsitzende der norwegischen Arbeiderpartiet, hat das bei seinem Besuch des Camps am vergangenen Freitag so ausgedrückt: „Das ist unsere Insel. Wir werden weiter machen, aber wir werden nicht vergessen. Wir halten die, die wir verloren haben, in Erinnerung. Die zerstörerischen Kräfte lassen wir nicht gewinnen. Sie werden Utøya nicht zum Schweigen bringen.“

Während das Gedenken in der vergangenen Woche allgegenwärtig war, arbeiteten die 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam daran, IMG_1959die Welt zu verändern und die Zukunft zu gestalten. In Workshops und Debatten ging es um Themen sozialdemokratischer Politik. In der Diskussion mit dem Parteivorsitzenden Jonas Gahr Støre stand die Auseinandersetzung um das Regierungsprogramm für die Wahl im kommenden Jahr im Mittelpunkt. „Unsere Unterstützung gibt es nicht umsonst“, machte ein Genosse klar. Gefordert wurde eine Ausbildungsgarantie für Jugendliche, bezahlbarer Wohnraum, Lohngerechtigkeit, die Abschaffung der teuren Praxisgebühr und eine gerechte Steuerpolitik.

Ein besonderer Moment meines Aufenthalts auf dem Sommercamp war der Besuch des erst vor einigen Wochen fertiggestellten Hegnhuset, dem „Schutzhaus“. Dieses Haus besteht zu Teilen aus dem ehemaligen Speisesaal der Insel, in dem bei dem Anschlag 13 Menschen ermordet wurden. Um den Speisesaal herum, der als Ort der Erinnerung erhalten wurde, ist ein Bildungszentrum entstanden. Hier will die AUF künftig für Schulklassen und andere Jugendgruppen Seminare dazu anbieten, wie rechter Hetze begegnet werden kann, die die Grundlage des Anschlages
bildete. Das Hegnhuset soll ein Ort des Schutzes für die offene Gesellschaft und Demokratie werden, damit sich der 22. Juli 2011 nie wiederholt. In einer Videoinstallation in dem Bildungszentrum kommen Teilnehmende des Utøya-Camps 2011 und Angehörige von Ermordeten zu Wort.

Für den Speisesaal wurde inzwischen ein neues Gebäude errichtet. Nicht erleben konnte das Monica Bøsei, die sich 20 Jahre als Inselmanagerin um Utøya gekümmert hat. Für viele war die 45-jährige „Mutter Utøya“. Sie wurde am 22. Juli 2011 erschossen. Als Namensgeberin des neu errichteten „Kafé Monica“ bleibt sie Teil von Utøya.

In der vergangenen Woche habe ich gemerkt, dass Utøya vor allem ein Ort ist, der Hoffnung macht. Eine Insel, auf der auch zukünftig junge Menschen zusammenkommen, die gemeinsam die Welt verändern wollen.

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